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Bitcoins unter Verschluss

Suche nach dem 200-Millionen-Euro-Passwort

25. Januar 2021, 10:20 Uhr   |  Autor: Lars Bube | Kommentar(e)


Fortsetzung des Artikels von Teil 1 .

Kein Einzelfall: 140 Milliarden verlorene Dollar

Nach dem Bericht musste Thomas zudem einiges an Spott über sich ergehen lassen, darunter etwa Tipps, für bessere Wallet-Passwörter wie “123456”. Er selber nimmt die teure Panne inzwischen immerhin mit Humor und hofft, dass sie zumindest anderen eine Lehre sein möge. Denn bei allem Unglück mit seinem verflixten IronKey hat er auch die andere Seite erlebt. Neben seinen ordentlichen Verdiensten als Programmierer konnte er in den letzten Jahren noch weitere Bitcoins und andere Kryptowährungen zusammentragen und muss sich so um sein Auskommen keine Sorgen machen. Auf Twitter resümierte er: “Eine schmerzhafte Erinnerung. Ich hoffe, andere können aus meinen Fehlern lernen. Testet eure Backups regelmäßig um sicherzugehen, dass sie noch funktionieren. Ein Hauch Voraussicht hätte ein Jahrzehnt des Verdrusses verhindern können.”

Dabei ist er nicht der erste und einzige, der solch einen schicksalhaften Verlust seiner digitalen Geldbörse erleiden musste. Vor einigen Jahren war etwa die Geschichte des Walisers James Howells um die Welt gegangen. Der hatte seine 7.500 selbst geschürften Bitcoins 2009 auf einer eigenen Festplatte in seinem Büro abgelegt, die allerdings 2013 bei einer Entrümpelungsaktion versehentlich auf dem Müll landete. Seither versucht er verzweifelt die Behörden davon zu überzeugen, auf der Deponie nach der Festplatte suchen zu dürfen. Obwohl er dank ausgiebiger Recherchen sogar glaubt zu wissen, in welchem Gebiet der Deponie die Pretiose liegen müsste, waren jedoch bisher alle Versuche, die zuständigen Behörden zu einer Einwilligung für seine Ausgrabungsaktion zu bekommen, vergeblich. Da er noch die öffentlichen Schlüssel zu seinem Vermögen hat, kann er sich zumindest sicher sein, dass die Bitcoins noch nicht weitergereicht wurden und somit wohl sicher unter dem Müllberg schlummern, bis die Festplatte eines Tages unter den Umwelteinflüssen ihren Geist aufgibt.

Das Schicksal der Bitcoins von Howells und Thomas ist insofern typisch, als dass gerade aus der Anfangszeit der Kryptowährung, als sich selbst mit heimischen PCs noch nennenswerte Mengen schürfen ließen, viele der privaten Schlüssel und gut gefüllten Wallets verloren gegangen sind. Die auf Kryptowährungen spezialisierten Analysten von Chainalysis gehen davon aus, dass auf rund 20 Prozent der bisher geschürften 18,5 Millionen (von insgesamt 21 Millionen) geschürften Bitcoins nicht mehr zugegriffen werden kann. Beim aktuellen Wert liegen damit mehr als 140 Milliarden Dollar (gut 100 Milliarden Euro) auf der digitalen Müllhalde.

Zuerst erschienen auf ict-channel.com.

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