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Ermittlungserfolg gegen "DarkMarket"

Riesiger illegaler Darknet-Marktplatz ausgehoben

14. Januar 2021, 07:48 Uhr   |  Quelle: dpa / Redaktion: Diana Künstler | Kommentar(e)

Riesiger illegaler Darknet-Marktplatz ausgehoben
© MarkMonitor

Cyber-Kriminelle nutzen zunehmend das Darknet, um im Verborgenen ihr kriminellen Geschäfte - oft auf Kosten von etablierten Marken - zu betreiben.

Ermittler haben den nach eigenen Angaben wohl weltweit größten illegalen Marktplatz im Darknet ausgehoben und den mutmaßlichen Betreiber festgenommen. Die Plattform namens "DarkMarket" sei am Montag geschlossen und die Server abgeschaltet worden, teilte die Generalstaatsanwaltschaft Koblenz mit.

Der 34 Jahre alte mutmaßliche Betreiber, ein Australier, sei am Wochenende nahe der deutsch-dänischen Grenze festgenommen worden. “Der DarkMarket war bis zum Zeitpunkt der Schließung mit seinen fast 500.000 Nutzern und mehr als 24.00 Verkäufern der wohl weltweit größte Darknet-Marktplatz”, teilte die Generalstaatsanwaltschaft mit. Geführt wurden die Ermittlungen von der Zentralen Kriminalinspektion Oldenburg (ZKI) und der Landeszentralstelle Cybercrime (LZC) der Generalstaatsanwaltschaft Koblenz. Auch ausländische Behörden waren beteiligt. Den Angaben zufolge wurden über den Marktplatz mehr als 320.000 Geschäfte abgewickelt und über 4.650 Bitcoin sowie 12.800 Monero – zwei der gängigsten Kryptowährungen – bewegt. Das entspreche nach derzeitigem Kurs einer Summe von mehr als 140 Millionen Euro. Auf dem Marktplatz seien vor allem Drogen gehandelt worden. Daneben wurden auch Falschgeld, gestohlene oder gefälschte Kreditkartendaten, anonyme SIM-Karten, Schadsoftware und vieles andere mehr zum Kauf angeboten.

Nach der Schließung des laut Behörden wohl weltweit größten illegalen Marktplatzes im Darknet dauern die Ermittlungen gegen weitere Verdächtige an. Der Koblenzer Generalstaatsanwalt Jürgen Brauer teilte am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur mit: “Es gab weitere Administratoren und sogenannte Manager, die aber noch nicht identifiziert sind.” Wegen ihrer benutzten Decknamen sei ihre Zahl noch unklar.

Zahlreiche Länder beteiligt

Die weitreichende Infrastruktur von DarkMarket mit mehr als 20 Servern in Moldawien und der Ukraine sei beschlagnahmt worden. Die Ermittler erhoffen sich aus den dort gespeicherten Daten neue Fahndungsansätze. Für den mutmaßlichen Betreiber wurde Untersuchungshaft angeordnet. Er habe bislang keine Angaben zur Sache gemacht, hieß es.

An den Ermittlungen waren den Angaben zudem die Landeskriminalämter aus Niedersachsen und Rheinland-Pfalz, mehrere US-amerikanische Behörden – darunter das FBI – sowie Polizeistellen in Australien, Dänemark, der Schweiz, der Ukraine und Moldawien beteiligt. Europol habe bei der Koordinierung geholfen.

Cyberbunker-Ermittlungen lieferten Hinweise

Laut Generalstaatsanwaltschaft geht der Fahndungserfolg auf die Ermittlungen im Zusammenhang mit dem sogenannten Cyberbunker an der Mosel zurück. Dort sei zeitweise auch DarkMarket gehostet worden. In dem alten Bunker im rheinland-pfälzischen Traben-Trarbach sollen acht Tatverdächtige über Jahre hinweg ein illegales Rechenzentrum für kriminelle Geschäfte im Darknet betrieben haben. Die Anklage wirft der mutmaßlichen Bande in dem laufenden Prozess Beihilfe zu mehr als 249.000 Straftaten vor: Vor allem millionenschwere Drogendeals, aber auch Cyberangriffe und Falschgeldgeschäfte sollen über Server im Cyberbunker gelaufen sein. Die unterirdische Anlage war Ende September 2019 in einer großen Aktion mit Hunderten Polizisten nach fünfjährigen Ermittlungen ausgehoben worden. In dem Prozess, der bis Ende 2021 terminiert ist, müssen sich vier Niederländer, drei Deutsche und ein Bulgare verantworten. Erstmals in Deutschland stehen mutmaßliche Betreiber krimineller Plattformen im Darknet vor Gericht.

Im Fall von DarkMarket beschlagnahmten Ermittler nun mehr als 20 Server in Moldawien und in der Ukraine. Die dort gespeicherten Daten sollen zu neuen Fahndungsansätzen führen. Generalstaatsanwalt Brauer geht von einem direkten Zusammenhang mit dem Moseltal aus: “Wir wissen noch nicht, ob die Server sofort nach der Abschaltung des Cyberbunkers nach Moldawien und der Ukraine umgezogen sind, vermuten aber, dass die Abschaltung der Grund war.”

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