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Polizei startet Open-Data-Pilotprojekt

Mit täglichen Geo-Daten gegen Fahrradklau

08. September 2021, 07:44 Uhr   |  Quelle: dpa / Redaktion: ICT Channel | Kommentar(e)

Mit täglichen Geo-Daten gegen Fahrradklau
© tommaso79/123rf

Daten sind der Rohstoff der Zukunft, heißt es immer. Dabei muss es nicht nur ums Geldverdienen gehen. Innovative Analysen großer Datensätze können auch neue Lösungen erschließen. Die Berliner Polizei speist nun Kriminalitätsdaten ins Projekt Open Data ein.

Ob es Daten der NASA zur Sonneneinstrahlung oder Erdatmosphäre sind, entschlüsselte DNA-Sequenzen, Live-Daten von Verkehrsflügen oder die Häufigkeit von Vornamen, Stromladesäulen und Behindertenparkplätzen in einem Berliner Bezirk – Open Data ist ein wichtiger Trend im Internet. Vor allem Behörden und andere staatliche Einrichtungen veröffentlichen Teile ihrer riesigen Datensammlungen, um sie für die Gesellschaft nutzbar zu machen. Recht wenig findet man bisher zum sensiblen Bereich Kriminalität und Sicherheit. Das will die Berliner Polizei mit einem Pilotprojekt ändern und könnte da in Deutschland eine Vorreiterrolle spielen. Ab diesem Mittwoch, dem 8. September, stellt die Polizei Ort, Zeit und weitere Informationen zu fast jedem Fahrraddiebstahl in der Hauptstadt alle 24 Stunden aktuell ins Internet, wie der Vizechef des Landeskriminalamtes (LKA), Stefan Redlich, der Deutschen Presse-Agentur sagte. Sie sind dann für jeden Interessierten über https://daten.berlin.de abrufbar und nutzbar.

„Wir wollen Programmierer herausfordern, diese Daten zu nutzen und Anwendungen zu entwickeln, auf die wir noch gar nicht gekommen sind“, sagte Redlich. „Das könnten Apps sein, die Radfahrer vor Gegenden mit vielen Diebstählen warnen. Aber vielleicht auch andere Anwendungen: Lagebilder, dynamische Entwicklungen, Grafiken, Forschung oder künstlerische Gestaltungen.“ Die Polizei wolle testen, ob solche Daten auf Interesse stoßen und als Open Data genutzt werden.Sichtbar werden könnte: In welcher Gegend und an welchen Tagen werden Räder gestohlen? Vor allem tagsüber oder eher nachts? Meist von der Straße oder aus Höfen? Gibt es auffällige Häufungen oder Serien?

Welche Daten genutzt werden

Der Datensatz in Form einer Tabelle beruht auf der Anzeige des Fahrradbesitzers: Tag und Uhrzeit des Diebstahls, Fahrradtyp, Schadenshöhe, Angaben zum Delikt (Diebstahl von der Straße, aus einem Hof, Einbruch in Keller) sowie den Ort der Tat. Der Ort wird wegen des Datenschutzes allerdings nicht mit Straße und Hausnummer genannt, sondern nur mit einem von 542 sogenannten Planungsräumen. Das sind definierte Gebiete, festgelegt von der Berliner Verwaltung. In der dicht besiedelten Innenstadt sind sie kleiner und umfassen nur einige Querstraßen. Am Stadtrand sind sie einige Quadratkilometer groß.

Ist der mögliche Zeitraum eines Diebstahls größer als 72 Stunden, etwa weil der Besitzer im Urlaub war, werden die Daten nicht mehr herausgegeben. Das betrifft etwa 15 Prozent der Diebstähle, so dass 85 Prozent zur Veröffentlichung bleiben. Rückwirkend stellt die Polizei außerdem 35.000 Fahrrad-Diebstähle seit Januar 2020 ins Internet. Jeden Tag kommen künftig im Schnitt 60 Diebstähle dazu. Für die Polizei bedeutet das keinen zusätzlichen Aufwand. Die Daten der Delikte werden schon immer im Polizeisystem Poliks erfasst. Das Überspielen ins Internet geschieht automatisch.

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2. Fahrraddiebstahl bewusst gewählt

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