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Bundeslage Cybercrime

Impfstoff-Lieferkette im Visier

11. Mai 2021, 13:30 Uhr   |  Lukas Steiglechner | Kommentar(e)

Impfstoff-Lieferkette im Visier
© Aetb / Fotolia

Das Bundeskriminalamt informiert mit dem "Bundeslagebild Cybercrime 2020" über die wichtigsten Entwicklungen im Bereich der Cyberkriminalität. Dieser zeigt, dass nicht nur die Anzahl der Cyberverbrechen steigt, sondern auch die Corona-Pandemie neue Ziele und Möglichkeiten offenbart hat.

Im neuen Bericht "Bundeslagebild Cybercrime 2020" erläutert das Bundeskriminalamt (BKA) die Bedrohung durch Cyberkriminalität in Deutschland in qualitativer und quantitativer Hinsicht. Dabei spielt auch die zunehmende Digitalisierung im Zuge der Corona-Pandemie eine Rolle, da sie die Angriffsfläche für Cyberkriminelle vergrößert.

Die Fallzahlen nehmen zu

So wurden im Jahr 2020 auch wieder mehr Cyberstraftaten (Cybercrime im engeren Sinne; CCieS) erfasst, nämlich 108.474 Fälle, was einen Anstieg von 7,92 Prozent zum Vorjahr entspricht. Dieser Trend zeigt sich auch bei generellen Delikten im digitalen Raum. 320.323 Delikte wurden 2020 unter Nutzung des Internets als Tatmittel begangen. Allerdings ist hierbei von einem überdurchschnittlich großen Dunkelfeld auszugehen, da viele Straftaten gar nicht zur Anzeige gebracht werden. Die Aufklärungsrate bleibt indes weiterhin gering. Denn knapp unter einem Drittel (32,6 Prozent) der angezeigten Straftaten wurden tatsächlich aufgeklärt.

Ein Bouquet von Angriffsformen

Cyberkriminelle setzen in ihren Angriffen weiterhin auf verschiedene Tools. So ist das Mail-Spam-Aufkommen um 17 Prozent gestiegen. Über Spam- und Phishing-Mails erlangen Cyberkriminelle häufig digitale Identitäten, worüber weitere Straftaten begangen werden können. Malware, die bei CCieS zum Einsatz kommt, entwickelt sich in vielen Varianten. 2020 wurden etwa 1,15 Milliarden Malwarevarianten identifiziert, davon 137,59 Millionen neue.

Ransomware bleibt dabei das Angriffsmittel mit dem höchsten Schadpotenzial. Die Verschlüsselung von Daten und Systemen kann für Unternehmen und Organisationen kostenintensive Folgen nach sich ziehen. An Beliebtheit gewinnt das Vorgehen, Systeme auszuspähen und nicht nur zu verschlüsseln, um Opfern mit einer möglichen Veröffentlichung zu drohen. Inzwischen nutzen Cyberkriminell Ransomware organisiert, so dass sich auf dem kriminellen Markt ein Ransomware-as-a-Service-Modell etabliert.

Auch bei Distributed-Denial-of-Service-Attacken (DDoS-Attacken) hat sich sowohl die Anzahl als auch die Intensität gesteigert. Im Jahr 2020 konnten weltweit 50 Millionen solcher Attacken registriert werden. Das entspricht etwa 137.000 Attacken pro Tag.

Die Pandemie vergrößert die Angriffsfläche

Durch die Corona-Pandemie ist die Digitalisierung in vielen Bereichen schneller vorangeschritten. Dadurch ergeben sich aber auch mehr Tatgelegenheiten für Cyberkriminelle. Dabei verwenden sie die Pandemie als vielseitige Narrative für Spam- und Phishing-Mails. Auch die Anzahl der DDoS-Attacken hat seit der Pandemie um 98 Prozent zugenommen. Dabei ist zu sehen, dass vermehrt Angriffe auf Unternehmen und Einrichtungen erfolgen, die für die Bekämpfung der Pandemie relevant sind. Im Fokus steht oftmals die gesamte Lieferkette der benötigten Impfstoffe. Hierbei hat ein Ausfall erhebliche Auswirkungen. Das Zielspektrum umfasst vor allem finanziell lukrative Opfer aus dem Wirtschaftsbereich. Die Entwicklungen lassen darauf schließen, dass die Gefahr von Cyberangriffen nur zunehmen wird.

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