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DSGVO

Ein Wendepunkt für den Chief Data Officer?

29. Januar 2020, 10:00 Uhr   |  Autor: Oliver Schröder / Redaktion: Diana Künstler

Ein Wendepunkt für den Chief Data Officer?
© Bartolomiej Pietrzyk / 123rf

Knapp zweieinhalb Jahre nach dem Inkrafttreten der DSGVO gibt es für die meisten Unternehmen noch viel zu tun. Aber es bieten sich auch eine Reihe von Chancen für Organisationen, die der Compliance einen hohen Stellenwert einräumen.

Beispielsweise kündigte das britische Information Commissioner‘s Office (ICO) im Juli seine ersten Geldbußen im Rahmen der DSGVO gegen zwei multinationale Unternehmen in Höhe von insgesamt 280 Millionen britischer Pfund wegen Datenschutzverletzungen an. Beide hatten Kundendaten verloren.

Am 1. Januar 2020 trat in den Vereinigten Staaten der California Consumer Privacy Act in Kraft. Welche Auswirkungen dies für Unternehmen in Europa haben wird, bleibt noch abzuwarten. Aber auch Organisationen, die sich sicher sind, alle DSGVO-Richtlinien einzuhalten, sollten sich auf ihren Lorbeeren nicht ausruhen. Die Einhaltung dieser Vorschriften ist kein einmaliges Projekt, das am Stichtag Mai 2018 abgeschlossen wurde. Es war vielmehr der erste Schritt.

Die DSGVO-Konformität sollte mittlerweile ein routinemäßiger Aspekt bei denjenigen Geschäftsprozessen sein, die eine kontinuierliche Compliance gewährleisten. Idealerweise sind diese vollständig operationalisiert, um die Skalierbarkeit im gesamten Unternehmen zu gewährleisten. Ein Teil der Arbeit sollte durch Datenmanagement-Technologien automatisiert werden. Zusammengefasst lässt sich sagen, dass es fast zweieinhalb Jahre nach dem Inkrafttreten der DSGVO für die meisten Unternehmen noch viel zu tun gibt. Aber es bieten sich auch eine Reihe von Chancen für Organisationen, die der Compliance einen hohen Stellenwert einräumen.

Der CDO auf dem Vormarsch?
In smarten Organisationen wächst die Erkenntnis, dass die zur Einhaltung der DSGVO-Richtlinien eingeführten Werkzeuge und Prozesse sich auch dazu einsetzen lassen, schnellere Innovationen, bessere Analytics und eine optimierte Customer Experience zu realisieren. In der Regel haben diese Unternehmen einen Chief Data Officer (CDO), der die Agenda hinsichtlich der Daten-Nutzung und -Analyse vorantreibt. Er versteht den Wert der Daten und deren Potenzial, um Wettbewerbsvorteile zu erzielen und strategische Empfehlungen abzugeben, die mit den gesetzlichen Anforderungen übereinstimmen. CDOs sind relativ neu als Teil der C-Suite in Firmen. Sie haben die Aufgabe, Technologie und Business zu verbinden. Gleichzeitig sollen sie eine datengesteuerte Kultur aufbauen. Beides erfordert einen signifikanten organisatorischen und kulturellen Wandel.

Viele Organisationen müssen noch eine Führungskraft identifizieren, die dieser Beschreibung entspricht. Obwohl erwartet wurde, dass die DSGVO für eine höhere Zahl an Chief Data Officern in Unternehmen sorgt, dauert die Entwicklung länger als viele dies einschätzten. Im Jahr 2016 prognostizierte Gartner beispielsweise, dass bis Ende 2019 neun von zehn großen globalen Unternehmen über einen CDO verfügen würden. Diese Zahlen werden nicht erreicht. In ihrer Schätzung vom Juni 2019 sagen Gartner Analysten, dass 62 Prozent der Unternehmen entweder einen CDO haben oder planen, in den nächsten zwei bis drei Jahren einen einzustellen. Bei einer Studie von NewVantage Partners, die Ende Juli auf dem Chief Data Officer and Information Quality Symposium am Massachusetts Institute of Technology (MIT) vorgestellt wurde, liegt der Wert bei 68 Prozent.

Laut Umfrage von NewVantage Partner sind 45 Prozent der Befragten der Meinung, dass der Chief Data Officer dem Vorstand eines Unternehmens angehören sollte, während 38 Prozent sagen, er sollte zumindest an ihn berichten. Beide Aussagen unterstreichen, dass Daten für eine wachsende Zahl von Organisationen von strategischem Wert sind. Sie müssen daher mit der Sorgfalt und Verantwortung behandelt werden, die dies widerspiegelt.

Vor allem der Finanzdienstleistungssektor scheint in dieser Hinsicht eine Vorreiterrolle zu spielen. In Europa gibt es eine wachsende Zahl von CDOs bei einer Reihe von Finanzdienstleistern. Unabhängig von der Größe der Organisation sehen sich CDOs in dieser Branche komplexen Herausforderungen gegenüber. Neue Player verfügen nur über wenige relevante Daten, sind aber „born digital“, das heißt, sie können neue analytische Technologien schneller einzusetzen und verfügen über weniger Legacy-Altlasten. Im Gegensatz dazu haben größere, etabliertere Anbieter eine Fülle von Daten, sind aber weniger wendig. Ein Grund dafür sind tief verwurzelte Prozesse und Legacy-Systeme.

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1. Ein Wendepunkt für den Chief Data Officer?
2. CDOs unterstützen dabei, die Chancen der Digitalen Transformation zu nutzen

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