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Fachkräftemangel

"Die Zeit drängt"

24. Oktober 2019, 15:48 Uhr   |  Diana Künstler

© Gina Sanders / fotolia.com

Die Fähigkeiten, die erforderlich sind, um die ständig wechselnden Cyberbedrohungen abzuwehren, müssen sich weiterentwickeln. Für Unternehmen liegt die Herausforderung darin, immer einen Schritt voraus zu sein. Allerdings steht dem ein weltweiter Mangel an Cybersicherheitskompetenz am Arbeitsmarkt gegenüber.

Welche Chancen und Challenges mit der Findung und Förderung von geeignetem Personal im Cybersecurity-Umfeld einhergehen, beleuchten zwei Vertreter des Spezialisten Stormshield – sowohl aus Führungs- als auch auch Personalleitungssicht.

Der Mangel an Fachkräften frisst sich durch Deutschlands Mittelstand. So zumindest das Bild, das sich zeichnet, schenkt man einer Umfrage der DZ Bank und des Bankenverbandes BVR Glauben: Demnach nannten 96 Prozent der 1.501 befragten Unternehmen Fachkräftemangel als drängendstes Problem. DZ Bank und BVR sprachen von einem „alarmierenden Rekordwert“, denn im Herbst 2018 lag der Wert noch bei 79 Prozent.

funkschau: Wie sehen Sie diese Entwicklung? Kann hier wirklich von einem Fachkräftemangel die Rede sein oder suchen Unternehmen vielleicht einfach nicht richtig?

Uwe Gries: Dass wir mit einem Mangel an Spezialisten zu kämpfen haben, ist eine unbestreitbare Tatsache, insbesondere in den digitalen Berufen. Ein Engpass, der uns aber in Deutschland bereits seit den 80er-Jahren begleitet; das Thema ist hier nicht neu und wurde bisher mit unterschiedlichem Erfolg bewältigt. Der Fachkräftemangel übersteigt bei weitem die Fälle, wo Unternehmen aufgrund suboptimaler Mitarbeitersuche kein geeignetes Profil finden. Der Engpass ist viel zu deutlich und Deutschland befindet sich mittlerweile in bester Gesellschaft: Durch die Globalisierung und die weltweit rasch voranschreitende Digitale Transformation der Unternehmen spitzt sich der Bedarf an Cyberkompetenzen zu und die Tatsache, dass mittlerweile sogar Staaten, das Militär und Polizei-Behörden Fachkräfte rekrutieren, sorgt für zusätzlichen Druck auf dem Talentmarkt. 

Sylvie Blondes, Stormshield
© Stormshield

Sylvie Blondel, HR Director bei Stormshield: “Der Sektor Cybersicherheit bietet attraktive Gehaltsperspektiven und zeichnet sich durch seine Dynamik aus, doch ist auch hier akuter Talentmangel zu beklagen, vor allem auf weiblicher Seite.”

Sylvie Blondel: Diesem Druck kann man nur mit neuen Ansätzen und Rekrutierungsmethoden begegnen, wie etwa die Nutzung von zeitgemäßen Instrumenten wie den sozialen Netzwerken oder der Kooptation durch bestehende Mitarbeiter. Wir müssen den Arbeitsmarkt weiterhin anders angehen, zumal die Nachwuchskräfte in ihrer Arbeit einen Sinn suchen. Dem Unternehmen und seiner Mission sollte ein höherer Stellenwert zugeschrieben werden, damit neuen Talenten der Eindruck vermittelt wird, Teil eines wichtigen und edlen Vorhabens zu sein. Es ist notwendig, bei der Personalselektion auf neue Kriterien zu setzen, wie etwa die bahnbrechenden Ausbildungsmodelle nach dem Beispiel der Ecole 42 in Frankreich oder in den USA, denn schlussendlich ist es die Vielfalt der Fähigkeiten, die die Stärke eines Teams ausmacht.  

funkschau: Der Fachkräfte-Engpass stimmt zwar für einige Berufsgruppen, ist aber auch regional sehr unterschiedlich ausgeprägt. Die aktuellste Engpass-Analyse der Bundesagentur für Arbeit etwa sieht keinen flächendeckenden Fachkräftemangel – wohl aber Engpässe in einigen technischen Berufen sowie in Gesundheits- und Pflegeberufen. Was glauben Sie, worauf diese „Bottlenecks“ zurückzuführen sind?

Blondel: Im digitalen Umfeld sind viele Berufe mit einem schwer abzuschüttelnden negativen Image behaftet und deshalb nicht besonders attraktiv. Wer möchte denn schon als Nerd abgestempelt werden? Diese Wahrnehmung ist tief in unserer Gesellschaft verankert, gleichermaßen bei Schülern, Eltern, Lehrern oder gar Berufsberatern. Man müsste also dringend Maßnahmen treffen, um ein anderes Bild von digitalen Berufen zu vermitteln. Im schweizerischen Lausanne zum Beispiel werden Kinder schon ab vier Jahren mit digitalen Technologien vertraut gemacht. Im Teenageralter erhalten die Jugendlichen zudem Einblick in den Entwicklungsbereich. Je früher man zur Entwicklung einer korrekten Wahrnehmung dieser Berufe beiträgt, desto wahrscheinlicher wird man zukünftig mit Nachwuchskräften zählen können.

Hintergrund zu Stormshield: Das Unternehmen gilt als Spezialist für digitale Infrastrukturen und ist eine 100-prozentige Tochtergesellschaft von Airbus CyberSecurity. Die Stormshield-Lösungen sind dafür konzipiert, Angriffen auf Unternehmen vorzubeugen und digitale Infrastrukturen zu schützen. Das Unternehmen ist über ein Netz von Partnern und Vertriebsorganisationen in mehr als 40 Ländern präsent und übernimmt den Schutz der strategischen Informationen von Unternehmen aller Größen, von Behörden und militärischen Organisationen weltweit.

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2. "IT-Sicherheit sollte einen zentralen Platz in den Lehrplänen einnehmen"

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