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WhatsApp, Signal oder Telegram?

Der mündige (gläserne) Nutzer?

26. Januar 2021, 10:47 Uhr   |  Autor: Adolf Streda / Redaktion: Diana Künstler | Kommentar(e)


Fortsetzung des Artikels von Teil 1 .

Unerklärte Designentscheidungen bei Telegram?

Telegram bietet ebenfalls eine End-to-End-Verschlüsselung an. Diese greift allerdings nicht standardmäßig, sondern nur in „geheimen Chats“. Das normale Cloud-Chat-Messaging-System speichert Nachrichten und das Adressbuch auf den Servern von Telegram und sichert sie in einer Cloud. Deshalb könnte das Unternehmen potenziell Zugriff auf Nachrichten und Kontakte der Nutzer erhalten.

Die App verwendet darüber hinaus ein eigenes Protokoll namens MTProto anstelle des Signal-Protokolls. Auch wenn für das Protokoll keine Sicherheitswarnung bekannt ist, gibt es einige ungewöhnliche Entscheidungen im Design des Protokolls. Einerseits verwendet die App einen Verschlüsselungsmodus, der aufgrund fehlender Tests von der Sicherheitsindustrie wenig Empfehlung erhält. Auf der anderen Seite setzt Telegram auf eine Verschlüsselungsmethode, die nicht fälschungssicher ist. Auch wenn beides nicht ideal ist, kann MTProto selbst als ausreichend sicher gelten. Dennoch gibt die Security-Community deshalb meist Signal in Bezug auf Sicherheit den Vorzug.

Abgesehen davon ist die App auch kostenlos und wird durch Spenden finanziert und Anwender können einen Benutzer auf Telegram hinzufügen, ohne dessen Telefonnummer zu benötigen.

Adolf Streda, Avast
© Avast

Der Autor, Adolf Streda, ist als Malware Researcher bei Avast tätig.

Ortung von Telegram-Nutzern

Der Forscher Ahmend Hassan fand vor Kurzem heraus, dass Telegram-Nutzer ohne ihr Wissen sehr genau geortet werden können. Aktivieren die User „Leute in der Nähe“, sehen sie andere Telegram-Nutzer in ihrer Nähe. Die Funktion muss bewusst eingeschaltet werden, dennoch nutzen viele Anwender sie. Das Aufspüren von Personen über derartige Apps könnte mit dem entsprechenden technischen Know-how eine völlig neue Dimension von Cyberstalking ermöglichen.

Tipps zur Auswahl einer Messaging-App

Sowohl das von Signal verwendete Signal-Protokoll als auch das von Telegram verwendete MTProto, in einem geheimen Chat, bieten eine vollständige End-to-End-Verschlüsselung. Das bedeutet, dass weder Telegram noch Signal, aber auch keine Telefongesellschaft oder Regierungsbehörde die Nachrichten der Anwender lesen kann. Nur der Absender und der Empfänger sind dazu in der Lage, das Geschriebene auf beiden Seiten zu entschlüsseln. Bei der Wahl der passenden Messaging-Apps sollten neben den persönlichen Präferenzen auch die Sicherheit und der Datenschutz eine Rolle spielen. Die folgenden Empfehlungen können bei der Auswahl eines sicheren Messengers helfen und gleichzeitig die Privatsphäre schützen:

  1. Der Messaging-Dienst sollte eine End-to-End-Verschlüsselung verwenden.
  2. Die Anwender sollten vor der Installation die Datenschutz- und Sicherheitsrichtlinien des Dienstes überprüfen.
  3. Sowohl die Einstellungen der Anwendungen als auch die des eigenen Gerätes müssen kontrolliert werden.
  4. Berechtigungen sollten nur sehr restriktiv gewährt werden. Muss beispielsweise der eigene Standort immer aktiviert sein?
  5. Eine Zwei-Faktor-Authentifizierung gilt als Pflicht.
  6. Die Sichtbarkeit von persönlichen Informationen sollte auf die eigenen Kontakte beschränkt sein.
  7. Updates sollten so schnell wie möglich installiert werden, um das Risiko einer Datenverletzung zu reduzieren.
  8. Einige Anwendungen ermöglichen es, die Identität Ihres Kontaktes zu überprüfen. Dafür müssen beide Nutzer jeweils einen Code abgleichen, den ihre Telefone generieren. Dies ist zwar umständlich, garantiert aber anschließend die Identität des Gesprächspartners.
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