In Neuhagen bei Berlin

Wassermangel bremst Rechenzentrum aus

6. Dezember 2021, 8:22 Uhr | Quelle: dpa / Redaktion: Lukas Steiglechner | Kommentar(e)
tropfender Wasserhahn
© Borzaya / Fotolia

In der Gemeinde Neuhagen bei Berlin sollte ein großes Rechenzentrum mit 200 Megawatt Jahresleistung entstehen. Doch aufgrund mangelnder Wasserkapazitäten droht dem Projekt die Unwirtschaftlichkeit. Teslas Batteriefabrik entsteht in derselben Region.

Die geplante Ansiedlung eines großen Rechenzentrums in Neuenhagen bei Berlin könnte an Wassermangel scheitern. Der Wasserverband Strausberg-Erkner habe mitgeteilt, dass er über Sanitärzwecke hinaus kein Wasser für die Kühlung der Rechner zusagen könne, sagte Bürgermeister Ansgar Scharnke am 3. Dezember. Damit drohe das Projekt unwirtschaftlich zu werden. Nach seinen Angaben hatte die Gemeinde mit einem Projektentwickler über die Ansiedlung eines großen Rechenzentrums mit 200 Megawatt Jahresleistung im Gewerbegebiet verhandelt.

Mit einer Investition in dreistelliger Millionenhöhe hätten dort 200 bis 300 Arbeitsplätze entstehen können, sagte Scharnke. Die Gemeinde habe aber keine Verhandlungen mit möglichen Nutzern des Rechenzentrums geführt. Es sei jedoch davon auszugehen, „dass Rechenzentren dieser Größenordnung nur von einigen wenigen internationalen Großunternehmen betrieben werden“, teilte die Gemeinde mit. Im Großraum Berlin suchen mehrere große Cloud-Anbieter Kapazitäten in Rechenzentren, darunter Google und Amazon.

Der US-Elektroautobauer Tesla will bald seine neue Fabrik in Grünheide – unweit von Neuenhagen – eröffnen. Der Bau ist weit fortgeschritten, aber die abschließende Genehmigung durch das Land Brandenburg fehlt. Umweltschützer befürchten dort Probleme für das Trinkwasser, Tesla weist dagegen die Kritik zurück und sieht keine Wasserknappheit. Das hatte Tesla-Chef Elon Musk bei einem Besuch deutlich gemacht.

Der Wasserverband Strausberg-Erkner beschloss, in absehbaren Mangelsituationen die Entnahme aus der öffentlichen Trinkwasserversorgung im Verbandsgebiet zu deckeln. Das gilt bei Neuverträgen für Spitzenverbräuche privater und gewerblicher Nutzer. Damit solle ein Signal an die Genehmigungsbehörden in Potsdam gesendet werden, „dass sowohl für die zweite Ausbaustufe von Tesla als auch für die Daseinsvorsorge und das Wachstum der Städte und Gemeinden Handlungsbedarf bestehe“, erklärte Neuenhagens Bürgermeister.

Dies unterstrich auch der Chef des Wasserverbands, André Bähler. Der Verband habe die Anfrage zum Bau eines Rechenzentrums abschlägig beschieden, weil weder die erforderlichen Genehmigungen für eine entsprechende Menge Grundwasser noch die netztechnischen Kapazitäten zur Verfügung stünden, sagte er. Bei der oberen Wasserbehörde beantragte Erlaubnismengen seien durch die Landesbehörden nicht erteilt worden, sagte Bähler.

Bei seiner Abschätzung müsse der Verband den Bedarf der bereits vorhandenen Abnehmer von der verfügbaren Grundwassermenge abziehen, erläuterte Bähler. „Dabei kommen alle bereits bekannten Verbräuche in Betracht (also auch Tesla)“, teilte er auf Anfrage mit. Der verbleibende Rest habe für eine Zusage zum Rechenzentrum nicht ausgereicht. „Wir bedauernd das ausdrücklich, insbesondere deshalb weil der Wasserverband bereits seit zwei Jahren auf die drohende Situation hingewiesen hat“, sagte Bähler.

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