VZM: Planungsfehler im Datacenter

Systematik in der Rechenzentrumsplanung

27. April 2011, 15:54 Uhr | Rainer von zur Mühlen seit 40 Jahren Rechenzentrumsplaner und Gründer der von zur Mühlen’sche GmbH, Rechenzentrums-planung und Sicherheitsberatung in Bonn | Kommentar(e)
Sanierung im Datacenter
Sanierung im Datacenter
© VZM

Immer wieder werden Rechenzentren geplant und errichtet, bei denen nicht alles falsch gemacht wird, aber doch sehr vieles. Und das, was falsch gemacht wird, verteuert sowohl die Investition als auch die Betriebsführung, die im Lebenszyklus ein Mehrfaches der ursprünglichen Sachinvestitionen ausmacht.

Was noch schlimmer ist: Viele Rechenzentren sind schon nicht mehr zukunftsfähig, wenn sie schlüsselfertig übergeben werden. Man hat eine neue Hülle für eine alte RZ-Struktur gebaut, der es an Flexibilität mangelt und die nicht selten acht Jahre nach Inbetriebnahme wegen der gravierenden Probleme einer Grundsanierung bedürfen.

Worst-Practice

Typisches Beispiel ist ein Rechenzentrum des Bundes, das vor etwa zwölf Jahren in Berlin übergeben wurde. Nach acht Jahren erkannte man, dass es dem Bedarf nicht gerecht wird und räumte es leer. Die IT wurde provisorisch in einer anderen Loka-tion untergebracht. Anschließend führte man es einer Grundsanierung zu.

Der Planer hatte zum Beispiel einen Doppelboden vorgesehen, bei dem die Racks auf Traggestelle gesetzt wurden. Er hatte die Maße für die Traggestelle anhand der im alten Rechenzentrum vorhandenen Racks genommen und nicht bedacht, dass inzwischen die Anforderungen an Serverschränke auf Grund der veränderten Dimensionierung der Systeme Klimaanforderungen nicht mit dem fast historisch zu bezeichnenden Maß der Grundfläche von 80 cm x 80 cm sinnvoll ist. Heute ist eine Tiefe von 120 cm usus. Das passte nicht mehr auf die Traggestelle, infolgedessen musste der Doppelboden komplett ausgetauscht werden. Und das war nur eines der Probleme.

Ein Weiteres: Man hatte die ursprünglichen Energielasten angenommen und den Doppelboden mit 40 cm Höhe (abzüglich der Plattenstärke und Verstrebungen zirka 33,5 cm netto) dimensioniert. Viel zu wenig, um bei der heute erforderlichen Klimatisierung genügend Luft zur Kühlung einzubringen. Hinzu kommt, dass man ein Raummaß gewählt hat, bei dem der Rechnerraum 22 m lang war und 7,5 m breit. Die Klimatisierung war von einer Schmalseite aus vorgesehen, so dass am Ende des Rechnerraumes die erforderliche Kaltluft gar nicht mehr ankam. Jede Menge „Hot Spots“ waren die Folge.

Damit sind nur drei grundsätzliche Planungsfehler bezeichnet, es waren noch viel mehr. Gerade bei Rechenzentren der öffentlichen Hand passieren derartige Probleme häufig, weil das Sach-Kostenbewusstsein stark ausgeprägt ist und Budgets für Spezialberater nicht vorgesehen werden. Man geht von der irrigen Annahme aus, dass ein Planer, der ein Rechenzentrum errichtet (Generalplaner, meistens der Architekt) zusammen mit den Fachgewerkeplanern das Wissen haben sollte, ein modernes Rechenzentrum zu erstellen. Was man dabei nicht berücksichtigt ist, dass es sich um Gebäudeplaner handelt und nicht um Gebäudenutzungsplaner.

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