IDC-Studie

Mehrheit der Unternehmen investiert ins eigene RZ

13. Oktober 2022, 15:00 Uhr | Autor: Wilhelm Greiner | Kommentar(e)
IDC-Studie Datacenter in Deutschland 2022
© IDC

Immer mehr Firmen setzen auf externe IT-Services. Zugleich rüsten viele aber auch die unternehmenseigenen RZs auf. Ziel ist es dabei, Kostenexplosion, IT-Sicherheit und Compliance in den Griff zu bekommen, so IDC in der neuen Studie „Datacenter in Deutschland 2022“.

Bereits 74 Prozent der hiesigen Unternehmen nutzen externe Ressourcen voll oder zumindest teilweise für ihre Kernapplikationen. Das ist ein Ergebnis der branchenübergreifenden IDC-Befragung von 150 Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern im August 2022. Immerhin 25 Prozent bauen aber auch neue Rechenzentren, weitere 35 Prozent investieren in die umfassende Modernisierung des Bestands. Die überwiegende Mehrheit (85 Prozent) arbeitet dabei an einer CO2-Reduktion und weiteren Initiativen für mehr Nachhaltigkeit. Knapp jedes fünfte Unternehmen (19 Prozent) plant, vorhandene Datacenter zu schließen.

Die meisten IT-Entscheider befinden sich laut IDC im Spannungsfeld zwischen IT-Investitionen in das klassische RZ und der Diversifizierung der IT-Ressourcen in Public-Cloud-Services, Colocation, Outsourcing oder Edge Computing. Dabei gelte es, einerseits getätigte Investitionen zu schützen und andererseits ausreichende Mittel für die Modernisierung der IT-Ressourcen einzuwerben. Dies gelinge der Mehrheit der Befragten immer besser, aber häufig setzten Kosten, Neupositionierungen der Unternehmen oder Personalknappheit Grenzen.

Das Jahr 2022 zeigt laut den Marktanalysten sehr plastisch, dass der Alltag künftig viel stärker als bisher durch Unsicherheiten geprägt sein wird. Unternehmen müssen in Zukunft mit einem volatileren Business rechnen, so IDC. Die IT müsse diese Veränderungen mit mehr Agilität und Flexibilität unterstützen, kurzfristig ebenso wie in langfristigen Projekten.

An erster Stelle der Business-Herausforderungen sehen die befragten IT-Entscheider die Gewährleistung der IT-Sicherheit und Compliance (32 Prozent). Zur Abwehr der permanent wachsenden Cyberangriffe muss die IT-Infrastruktur schließlich widerstandsfähig und idealerweise sogar resilient konzipiert sein.

Kosten und Produktivität (29 Prozent) werden für IT-Entscheider immer wichtiger, so IDC. Das verwundert nicht: Vor allem steigende Energiepreise zwingen RZ-Verantwortliche zum Handeln. Für die erforderliche Modernisierung im Datacenter setzen 29 Prozent der Befragten auf den Austausch der baulichen Anlagen und neue IT-Ressourcen. Das Problem besteht aber laut dem Analystenhaus für viele Entscheider im Erreichen sofort erzielbarer Kosteneffekte im RZ wie auch in der langfristigen Positionierung des Datacenters als Quelle der digitalen Infrastruktur des Unternehmens.

„Die strategische Position des Datacenters im Unternehmen verschiebt sich“, sagt Matthias Zacher, Senior Consulting Manager bei IDC und Projektleiter der Studie. „Unsere Studie belegt, dass Agilität, Sicherheit, Datenhoheit, Nachhaltigkeit und Kostenflexibilität nur mit einer Kombination aus verschiedenen IT-Infrastrukturressourcen sichergestellt werden kann.“

Das Fazit der Marktforscher: Datacenter durchlaufen eine weitreichende Transformation mit zwei wesentliche Zielrichtungen. Entscheider positionieren zum einen die Rolle ihrer Datacenter in der Nutzung der Bezugsmodelle für IT-Infrastruktur neu. Das ist laut IDC ein notwendiger Schritt, um aus der Vielfalt der Lösungsansätze den optimalen Ressourcenmix zu schaffen. Zum anderen nutzt IT immer stärker Cloud-Services unterschiedlichster Form. Fast jedes Datacenter wird laut IDC-Prognose mittelfristig selbst zur Cloud werden oder zumindest in Cloud-basierte Prozesse eingebunden sein.

Parallel dazu gilt es laut den Analysten, die Ad-hoc-Herausforderungen anzugehen. Ein zentraler Lösungansatz bestehe in Kostensenkungen und Kostentransparenz, der Nutzung standardbasierter IT, einer Automatisierung der Abläufe, intelligenter Lösungen und engerer Verzahnung von Facility und IT – kurz: in der Industrialisierung der Abläufe im RZ.

Hier sieht IDC viele Unternehmen bereits auf dem richtigen Weg. Allerdings sei es dringend nötig, die Aktivitäten im RZ weiterhin zu forcieren. Dazu gelte es, gemeinsam mit Anbietern und Providern die komplette Bandbreite der Angebote und Lösungsansätze auszuloten.

Zuerst erschienen auf lanline.de.

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