Equinix

Für kühle Rechner

18. Januar 2022, 16:24 Uhr | Autor: Wilhelm Greiner | Kommentar(e)
Equinix Rechenzentrum
Beim Neubau des Rechenzentrums FR8 hat Equinix eine begrünte Fassade vorgesehen, wie dieses Rendering zeigt.
© Equinix

In Frankfurt spürt der US-amerikanische Rechenzentrum-Betreiber Equinix jeden Tag, wie kritisch die Fragen der Stromversorgung, Abwärme und Klimaneutralität inzwischen sind.

Frankfurt ist bekannt für seine Skyline, eine Beton gewordene Zurschaustellung von Wirtschaftsmacht vor allem der Banken, von der EZB über die Deutsche Bank bis zu Goldman Sachs. Doch im Schatten der Bankentürme gedeiht eine weitere Art von Gebäuden, für die man Frankfurt in IT-Kreisen kennt: Rechenzentren. Denn der DE-CIX Internet Exchange, einer der weltgrößten Internetknoten, zieht Rechenzentren geradezu magisch an. Natürlich ist auch Equinix, die Nummer eins im globalen RZ- und Colocation-Markt, in Frankfurt vertreten.

Equinix unterhält laut eigenem Bekunden mehr als 230 Rechenzentren in 27 Ländern und stellt weltweit über 406.000 Interconnects bereit. Da macht es einen riesigen Unterschied, ob der durchschnittliche PUE-Wert (Power Usage Effectiveness) der RZs bei 1,2 oder 1,3 liegt, sprich: ob Equinix beim Betrieb der Rechner seiner Kunden zusätzlich das 0,2- oder aber 0,3-Fache des reinen Server-Strombedarfs für Klimatisierung und Kühlung aufwenden muss. Entsprechend großen Wert legt man bei dem Konzern aus dem Silicon Valley auf den energieeffizienten RZ-Betrieb – Strom ist Geld. Hierzulande betreibt Equinix elf Rechenzentren in den vier Regionen Frankfurt, München, Hamburg und Düsseldorf. Die belegte Fläche liegt derzeit bei 87 Prozent – der Anbieter weist aber darauf hin, dass die Auslastung aufgrund des erst kürzlich in Betrieb genommenen Rechenzentrums FR8 etwas niedriger ausfällt als üblich. Die Stromkapazität seiner deutschen Rechenzentren gibt Equinix mit insgesamt 132 MW an.

„Deutschland ist für uns ein wichtiger strategischer Standort“, betonte Jens-Peter Feidner, Managing Director von Equinix in Deutschland, schon früh im LANline-Interview – nicht weiter verwunderlich, zählt doch Frankfurt trotz der hohen Strompreise hierzulande neben Amsterdam, Dublin, London und Paris zu den fünf großen RZ-Standorten Europas. Ebenso früh schien aber durch, dass Feidner in puncto Nachhaltigkeit noch einiges Verbesserungspotenzial sieht: „Eine Challenge in Deutschland: Alle reden beim Thema Nachhaltigkeit übereinander, aber zu selten miteinander.“

Colocation und PUE

Doch der Reihe nach. Zunächst ist festzuhalten, dass der Umwelt und dem Klimaschutz schon gedient wäre, wenn alle Rechenzentren so energieeffizient liefen wie die der Kalifornier: „Die PUE-Werte aller Rechenzentren in Deutschland liegen immer noch zwischen 1,6 und 1,8 – grob geschätzt, es gibt ja keine offiziellen Werte“, erläutert Feidner. Bei Equinix hingegen seien die Werte deutlich niedriger: „Mit allen unseren Rechenzentren in Deutschland, alten und neuen, liegen wir im Schnitt bei zirka 1,35. Einige Rechenzentren laufen sogar mit einem PUE-Wert von unter 1,2.“
Ein Caveat: Colocation-Provider können auf den Stromverbrauch der Server ihrer Kunden nur begrenzt Einfluss nehmen – und je ineffizienter die Kunden-Server, desto niedriger fällt bei gleicher Kühlleistung der PUE-Wert aus. „Wichtig zu wissen bei Colocation: Der Stromverbrauch setzt sich zusammen aus vier Fünftel seitens des Kunden und nur ein Fünftel durch Equinix“, rechnet Feidner vor. Die PUE-Angabe liefert als relativer Wert also keine exakte Angabe der Energieeffizienz eines RZs, aber doch einen allgemein akzeptierten Anhaltspunkt.

„Das größte Optimierungspotenzial beim Strom bieten die Kunden-Server“, so der Equinix-Manager. „Das liegt nicht in unserer Hand, aber wir beraten die Kunden, und sie können Produkte wie unser Equinix Metal wählen, also sehr moderne, umweltfreundliche Server, die wir as a Service bereitstellen.“

Der energieeffiziente RZ-Betrieb ist der erste wichtige Schritt in Richtung mehr Nachhaltigkeit, der zweite ist die Nutzung der enormen Abwärme, die zwangsläufig entsteht, wenn man Tausende leistungshungriger Server im dunklen Kämmerlein einpfercht (siehe das Interview mit Borderstep-Forscher Ralph Hintemann auf Seite 18ff). Auch für Equinix ist dies ein zentrales Thema: „Wir würden Abwärme sogar unentgeltlich abgeben, aber wir brauchen die Rahmenbedingungen und Abnehmer dafür“, so Feidner. „Wir haben sogar einen externen Consultant beauftragt, um zu eruieren, wie wir bei uns in der Nähe Abwärme abgeben könnten. Die Rechenzentrumsbetreiber haben hier in den letzten Jahren schon große Fortschritte gemacht, aber weiter kommen wir nur, wenn wir gemeinsam arbeiten.“ Auch für das Frankfurter Westville-Projekt, wo künftig die Abwärme eines Telehouse-RZs 60 Prozent der Wärme für 1.300 Haushalte liefern soll, habe Equinix sich beworben. Doch für die Anbindung des Equinix-RZs, so Feidner, hätte man erst eine neue Fernwärmeleitung verlegen müssen.

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