Schwerpunkte

Digitalisierung

Zeit für digitale Denker

10. Juli 2018, 10:01 Uhr   |  Autor: Claudia Rayling | Kommentar(e)


Fortsetzung des Artikels von Teil 2 .

Kurz nachgefragt

Michael Guschlbauer, Vorstand IT-Systemhaus & Manged Services bei Bechtle
© Bechtle

Michael Guschlbauer, Vorstand IT-Systemhaus & Manged Services bei Bechtle

funkschau: Herr Guschlbauer, vor welche Probleme stellt der digitale Wandel die ITK-Branche?

Michael Guschlbauer: Zuallererst ist der digitale Wandel eine große Chance für unsere Industrie. Kunden und Interessenten erkennen zunehmend, welche Wettbewerbsvorteile moderne ITK-Technologien für das Kerngeschäft generieren können, und investieren in Technologien und moderne ITK-Architekturen. Die größte Herausforderung sehe ich darin, dass wir uns viel intensiver mit dem Geschäft und den Prozessen unserer Kunden beschäftigen müssen, um aus diesem Verständnis heraus die richtigen Antworten mit modernen Technologien und Architekturen zu finden. Wir müssen für unsere Kunden also nicht nur IT-Experten, sondern vielmehr „Geschäftsverbesserer“ und „Möglichmacher“ sein. Wollen wir dauerhaft erfolgreich sein, müssen wir uns ständig neu erfinden und immer den entscheidenden Schritt beim Erkennen von Chancen voraus sein.

funkschau: Welche Mammutaufgaben stehen in den nächsten Jahren für Hersteller, Handel und Unternehmen an?

Guschlbauer: Die gerade skizzierte Transformationsleistung betrachte ich als die alles dominierende Mammutaufgabe. Und damit meine ich nicht nur die Transformation von klassischen Datacenter-Architekturen hin zu hybriden Cloud-Architekturen, sondern auch das Schaffen digitaler, flexibler und mobiler Arbeitsplatzwelten mit modernen Collaboration-Technologien. Dazu kommt vor allem auch die Auswahl des richtigen Bezugsmodells – IT als Service, aus der privaten Cloud, der Public Cloud und aus Multi-Cloud-Umgebungen. Eben je nach Kritikalität, Performance- und Sicherheitsanforderungen der zu verarbeitenden Daten und Applikationen.

Der wahrscheinlich wichtigste Aspekt aber ist, dass es nicht mehr nur um Compute, Storage und Netzwerke geht. Vielmehr sind die Daten die alles bestimmende Komponente. Welche Daten sind wie kritisch, welche Verfügbarkeit müssen diese Daten haben, welchen Sicherheitsanforderungen unterliegen sie und wo dürfen welche Daten gespeichert und verarbeitet werden. Danach wird sich alles richten. Das sind die entscheidenden Fragen, auf die wir schlüssige Antworten geben müssen.

funkschau: Mit welchen Maßnahmen sollte man auf den digitalen Wandel reagieren, um ihn als Chance nutzen zu können?

Guschlbauer: Mit der Ausbildung der Mitarbeiter und mit starken Partnerschaften. Wissen einerseits und tragfähige Netzwerke andererseits sind wichtiger denn je. Zu unseren zentralen Aufgaben zähle ich heute, die Komplexität der IT in der Wahrnehmung der Anwender zu reduzieren. Der Beratungsbedarf von Unternehmen war nie so hoch wie heute. Genauso wichtig ist dann aber auch Umsetzungsstärke. Unternehmen benötigen für den dauerhaft erfolgreichen und sicheren Betrieb ihrer IT-Infrastruktur kompetente Partner. Das betrifft vor allem auch hochwertige Dienstleistungen wie Managed- oder Cloud-Services.

Eine weitere wichtige Maßnahme ist aus meiner Sicht, den Beobachtungshorizont zu erweitern. Aus anderen Branchen und Industrien zu lernen und wenn möglich Best Practices aus anderen Industrien oder auch dem Consumer-Bereich in das B2B-Geschäft zu transformieren. Ein gutes Beispiel ist dabei „Level Setting“ in Bezug auf die sogenannte Customer Experience. Sie wird heute im B2C-Geschäft gemacht, daher gilt es genau da hinzuschauen und zu lernen.

funkschau: Welche Schlüsseltechnologien gilt es, heute und in Zukunft zu beherrschen?

Guschlbauer: Tatsächlich verändern neue Technologien momentan das Spiel: Dazu gehören aus meiner Sicht Hyperconverged-
und Composable-Datacenter-Architekturen, Software-Defined Everything, Multi-Cloud- beziehungsweise hybride Cloud-Architekturen, Collaboration-Technologien, Edge Computing und in Zukunft mit
Sicherheit auch alles rund um Künstliche Intelligenz und Machine Learning. Beim Bezug und Betrieb von IT sind intelligente Automatisierung und Consumption-Modelle Trumpf.

funkschau: Wie wird sich der Arbeitsmarkt verändern? Welche Geschäftsmodelle oder gar Marktsegmente werden obsolet?

Guschlbauer: Was sich automatisieren lässt, wird automatisiert. Das hat in einzelnen Bereichen dramatische Auswirkungen auf die Aufgaben der Mitarbeiter. Wer sich der Entwicklung stellt und die vielfältigen Möglichkeiten erkennt, bleibt. Veränderungsbereitschaft ist gefragt. Dann stellt sich die Frage nicht, wer oder was obsolet wird.

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1. Zeit für digitale Denker
2. Neue Geschäftsmodelle gefordert
3. Kurz nachgefragt

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