Schwerpunkte

Integration und Individualisierung

Wie sich das Desktop-Telefon weiterentwickeln muss

15. Dezember 2016, 10:01 Uhr   |  Stefan Adelmann | Kommentar(e)


Fortsetzung des Artikels von Teil 1 .

Stationäres Smartphone – smartes Telefon

Mark Wiegleb Snom
© Snom

Mark Wiegleb, Head of Interop bei Snom: “Arbeitsplätze ändern sich und der klassische Arbeitsplatz mit PC und Telefon ist nicht mehr in jeder Branche und Firma zeitgemäß.”

Wie sich diese Individualisierung genau gestalten wird, sind die Experten jedoch uneins. So steht Wiegleb von Snom einer Annäherung zwischen der Funktionalität von Telefon und Smartphone eher kritisch gegenüber. „Das Tischtelefon ist in erster Linie ein Arbeitsgerät. Touchscreens sehen gut aus, sind jedoch physikalischen Funktionstasten unterlegen, wenn es darum geht, sehr viele Gespräche zu initiieren, entgegenzunehmen und zu anderen Nebenstellen zu transferieren“, so der Head of Interop. „Apps können sinnvoll sein, wenn sie unternehmensrelevant sind, die Arbeit des Mitarbeiters erleichtern und so seine Produktivität steigern.“ Einfach ein Android-Telefon mit Google Play Store auf den Schreibtisch zu stellen, sei aber der falsche Ansatz. Stephan Kunze, Domain Leader for Enterprise Communication Solutions DACH bei Alcatel-Lucent Enterprise, steht Googles OS und seinen Funktionen hingegen aufgeschlossener gegenüber. „Die Desktop-Telefone werden für den Multimedia-Bereich immer mehr auf ein gehärtetes Android-Betriebssystem setzen, um geschäftsrelevante Apps und Anwendungen auch am Desktop-Telefon zu bekommen und diese gegebenenfalls selbst zu entwickeln.“ Auch Touchscreens würden sich noch stärker durchsetzen, sodass der Eindruck eines stationären Smartphones entstehen könne.

Eine komplette Ablösung erwartet hingegen Michael Hofmann, Head of Sales des ITK-Dienstleister Vintin. Er sieht heutzutage die Möglichkeit, mithilfe von Softphone-Lösungen gänzlich auf klassische Telefonendgeräte zu verzichten und stattdessen auf Headsets und Smartphones zu setzen, die sich in Zukunft flexibel in die Büroinfrastruktur fügen sollen. „So kann es durchaus möglich sein, dass mein Smartphone nicht nur auf dem Schreibtisch liegt und via WLAN oder Bluetooth in meine Kommunikationsinfrastruktur eingebunden sein wird, sondern zum Beispiel eine Dockingstation gleichzeitig für eine Stromversorgung und einen praktischen Nutzen des Geräts sorgt.“ Hofmann prognostiziert, dass es in den Büros immer mehr Möglichkeiten geben werde, mobile Endgeräte in die Möbel zu integrieren und sie über Qi-Stationen zu laden – das Desktop-Telefon habe es in dieser Welt hingegen immer schwerer.

Whatsapp auf dem Telefon

Es muss aber kein Entweder-oder sein. In vielen Bereichen könnten sich noch stärkere Überschneidungen zwischen Telefonen sowie Smartphones ergeben und das stationäre Gerät vom Mobility-Trend profitieren – bis hin zur Integration von Business-Messenger-Lösungen oder sogar Whatsapp. „Das ist nicht unwahrscheinlich“, sagt Martin. „Bereits jetzt erreichen einige Messenger mit ihren Telekommunikationsfunktionen hohe Integrationstiefen und gewinnen damit bei Smartphone-Nutzern hohe Akzeptanz. Denn im Grunde wollen wir ja mit Personen und nicht mit Rufnummern kommunizieren.“
Ob smartes Desktop-Telefon oder stationäres Smartphone – in Zukunft werden individuelle Lösungen verstärkt im Fokus stehen. Unternehmen und allem voran die Nutzer profitieren davon, wenn die Anpassungsmöglichkeiten sowie die Zahl der Schnittstellen steigen, um Systemfunktionen über verschiedene Endgeräte hinweg abbilden zu können. „Unternehmen haben zunehmend Bedarf an Kommunikationslösungen, die nicht von der Stange sind“, so Martin. Beim Thema Individualisierbarkeit dürfe man das Telefon aber nicht isoliert betrachten. „Vielmehr muss das Gesamtpaket aus ITK-System, Unternehmens-IT und Telefonen passen“, erklärt der Produktmanager. „Ein einzelnes Telefon, das irgendwie individualisiert werden kann, ist für die meisten Kunden keine Lösung.“ Umso wichtiger sind offene Schnittstellen sowie die neuen Optionen, die mit dem Wechsel auf IP-Strukturen einhergehen. Für Nutzer und Entscheider sei besonders eine tiefe Integration des Endgerätes über das TK-System in die individuellen Prozesse, wie beispielsweise das Einbinden einer CRM-Lösung, von Bedeutung, sagt Baresic von Gigaset. „Durch den Anstieg der UC-Angebote im Markt arbeiten die Hersteller und so auch wir an der softwareseitigen Integration der Systeme in diese Lösungen“, so der Sales Manager. Und auch die App-basierte Einbindung von Smartphones, um Funktionen von unterwegs zu steuern und Ruflisten zu verwalten, soll immer mehr im Kommen sein. „Es wird aus unserer Sicht auch in Zukunft darum gehen, über die TK- und UC-Seite diese Welten miteinander zu verbinden und für den Kunden optimal und im Einklang nutzbar zu machen.“

Bei diesem Brückenschlag müssen darüber hinaus die individuellen Branchenanforderungen des Unternehmens im Fokus stehen. Jede Branche hat ihre eigenen Voraussetzungen, die auf Basis moderner Technologien passgenau bedient werden können. „Es geht nicht so sehr um die Individualisierung der Endgeräte, als vielmehr um eine Spezialisierung der gesamten Kommunikationslösung, die ein Provider seinen Kunden anbieten möchte“, erklärt Wiegleb. „Verschiedene Industrien und Segmente verlangen nach verschiedenen Kommunikationslösungen in Bezug auf Endgeräte, Schnittstellen zu industriespezifischen Applikationen und rechtliche Auflagen.“ Wenn man dann noch innerhalb dieser „Verticals“ unternehmensspezifische Anforderungen und Wünsche durch Individualisierung erfüllen könne, habe man in diesem hart umkämpften Markt die Nase vorn.

Multifunktionale Schaltzentrale

Viele Prognosen sprechen davon, dass das Desktop-Telefon in den Unternehmen in Zukunft an Bedeutung verlieren soll. Doch gerade die IP-Umstellung sowie synergetische Ansätze der Hersteller könnten dem Gerät eine neue Funktion im Unternehmensalltag verschaffen. Sicherlich, das Telefon bleibt „in erster Linie ein Arbeitsgerät“, wie Wiegleb sagt. Und auch wenn wir laut dem Snom-Manager „Chatfunktionen sicherlich nicht auf Tischtelefonen sehen werden“, muss sich das Gerät, das die Kommunikation im zwanzigsten Jahrhundert entscheidend mitprägte, weiterentwickeln. Ob ITK-Entscheider jedem Mitarbeiter ein stationäres Smartphone mit Touchscreen und App-Store bereitstellen werden und sollten, bleibt eher fraglich. Aber wie die Hersteller deutlich zeigen, öffnen sie ihre Telefone und schaffen mit den richtigen Schnittstellen die Verbindung zu anderen Unternehmenssystemen. Auf diesem Weg können die Geräte dem Schicksal entgehen, auf kurz oder lang von mobilen Endgeräten abgelöst zu werden und mausern sich gerade im anbrechenden IP-Zeitalter zu multifunktionalen Schaltzentralen, die sich weiterhin mit Vorzügen wie der hohen Sprachqualität behaupten können.

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1. Wie sich das Desktop-Telefon weiterentwickeln muss
2. Stationäres Smartphone – smartes Telefon
3. Expertenkommentar: „Anforderungen ändern sich kontinuierlich“

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