Schwerpunkte

Entwicklung der IP-Umstellung

"Weniger Schwierigkeiten, als wir befürchtet haben"

03. September 2018, 13:48 Uhr   |  Autor: Stefan Adelmann | Kommentar(e)


Fortsetzung des Artikels von Teil 1 .

"Nicht abwarten, sondern jetzt handeln"

funkschau: Was ändert sich für die Telekom als Betreiber konkret mit der IP-Technologie? Gibt es Faktoren, die Sie im Gegensatz zu ISDN vor größere Herausforderungen stellen?
Müller: Da sich mit der IP-Umstellung die Komplexität im Netz verringert, ist die Handhabung für uns als Betreiber einfacher – und dadurch können wir unseren Kunden eine noch höhere Qualität und besseren Service bereitstellen. So können Unternehmen beispielsweise Cloud-Dienste schneller und flexibler hinzubuchen. Zudem stehen ihnen deutlich höhere Bandbreiten für Prozesse und Anwendungen zur Verfügung.

funkschau: Wird dieses Potenzial im Zuge der Umstellung Ihrer Erfahrung nach von den Geschäftskunden bereits genutzt, um auch die Unternehmensinfrastruktur zu modernisieren und Themen wie beispielsweise UCC oder eben Cloud-Telefonie voranzutreiben?

Müller: Ja, auf jeden Fall. Viele unserer Kunden modernisieren im Zuge der IP-Umstellung auch gleich die eigene IT- und TK-Infrastruktur. So hat zum Beispiel ein Filialist seine gesamten rund 1.400 Filialen ebenso ans IP-Netz angeschlossen wie ein Modehandel mit 1.700 Niederlassungen. Bei einer Tankstellenkette mit etwa 300 Standorten mussten wir die individuelle Situation vor Ort berücksichtigen: Wegen des Pächterkonzepts sind in allen Tankstellen unterschiedliche Alarmanlagen, Brandmeldeanlagen oder Videoüberwachungen im Einsatz. Aber auch die werden jetzt Schritt für Schritt digitalisiert. Und eine Familienberatung mit 21 Hauptstandorten, 40 Kitas und insgesamt 700 Arbeitsplätzen nutzt jetzt eine zentrale Telefonanlage aus der Cloud mit allen Vorteilen wie Desktop Clients oder einer Festnetz- und Mobilfunkintegration.

funkschau: Konzepte, die gerade Geschäftskunden im ländlichen Raum aufgrund der Breitbandversorgung nicht immer zur Verfügung stehen. Was haben diese Unternehmen für Optionen? Will die Telekom den Breitbandausbau gerade in diesen Gebieten beschleunigen?

Müller: Der Netzausbau ist ja bisher auch noch nicht abgeschlossen. In den kommenden Wochen versorgen wir weitere Gebiete mit mehr Bandbreite, sodass wir bis 2019 etwa 80 Prozent der deutschen Bevölkerung mit Anschlüssen bis zu 100 MBit pro Sekunde im Festnetz beliefern können, darunter rund 15 Millionen Haushalte mit Maximalgeschwindigkeiten bis 250 MBit pro Sekunde im Download. Aber auch der Ausbau im Mobilfunk schreitet weiter voran, sodass wir auch über Funk höhere Bandbreiten anbieten können. Bei den wenigen Kunden, die wir nicht über unsere klassische Netzversorgung erreichen können, werden wir individuelle Angebote unterbreiten.

funkschau: Wie genau gestaltet sich die Roadmap der Telekom bei der Erschließung mit Glasfaser? Lässt sich absehen, wann FTTH beziehungsweise FTTB in Deutschland Status quo sein werden?

Müller: Der Glasfaserausbau ist eine sehr wichtige Komponente im Netzausbau und steht bei uns bereits heute und natürlich in den nächsten Monaten und Jahren im Mittelpunkt. Dabei wollen wir bedarfsgerecht vorgehen und insbesondere die Geschäftskunden bei der Digitalisierung unterstützen. So werden wir beispielsweise 3.000 Gewerbegebiete bis 2022 mit Glasfaser versorgen können. Dazu können wir Kunden auch individuell mit Übertragungswegen auf Basis Kupfer und Glas mit höheren Bandbreiten versorgen.

funkschau: Wie bewerten Sie darüber hinaus die heutige Leistungsfähigkeit der gesamten deutschen Datennetzinfrastruktur: Sehen Sie diese bereits für die Anforderungen der Digitalisierung gerüstet?

Müller: Die Netze sind schon heute sehr leistungsfähig und gut auf die Digitalisierung vorbereitet. Wir investieren jedes Jahr fünf Milliarden Euro in Deutschland in die Netzinfrastruktur – und zwar nicht nur ins Festnetz, sondern auch in unsere Mobilfunknetze. LTE ist bereits deutschlandweit verfügbar, dazu sind wir federführend bei der Entwicklung von Zukunftstechnologien wie Narrowband IoT und 5G dabei.

funkschau: Herr Müller, was raten Sie abschließend Unternehmen, wie sie ihre ITK-Infrastruktur im Zuge oder im Anschluss der IP-Umstellung zukunftssicher aufstellen können?

Müller: Ich kann nur appellieren: Nicht abwarten, sondern jetzt handeln – und mit unserer Unterstützung auf den Zug der Digitalisierung aufspringen.

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