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Vom Nachzügler zum Vorreiter

17. Juni 2019, 10:29 Uhr | Autor: Niko Mohr / Redaktion: Diana Künstler | Kommentar(e)

Fortsetzung des Artikels von Teil 1

Voller Wert mit angepasster Strategie

Damit auch die IoT-Einbindung der Nachzügler zum Erfolg wird, sollten sie ihre jetzige Strategie überdenken und gegebenenfalls anpassen. Eine passende Ökosystem-Perspektive muss her und die strategische Positionierung in diesem oder mehreren Ökosystemen muss jedes Unternehmen für sich spezifisch finden. Wichtig ist, den wirtschaftlichen Nutzen ihres IoT-Engagements herauszuarbeiten. Damit die Pilotprojekte erfolgreich verlaufen können, gilt es, das Unternehmen auf die Digitalisierung einzuschwören – IoT ist keinesfalls nur ein Thema für die Informatik. Das kann gelingen, indem das Unternehmen seine Mitarbeiter schult und neue Talente anwirbt.

Wichtige Prozesse zur Chefsache erklären
Dieser Einschwörungsprozess sollte demnach Chefsache sein: Die erfolgreichen Unternehmen haben verstanden, dass Digitalisierung nicht weniger als ein kompletter Kulturwandel ist. Das gesamte Team muss das aktuelle Verhalten hinterfragen und gemeinsam daran arbeiten, flexibel auf die Herausforderungen der Zukunft zu reagieren. Es geht darum, Fehler zuzulassen und Kompetenzen so zu bündeln, dass Arbeitsabläufe vereinfacht werden und innovative Ideen Platz im Arbeitsalltag finden. Einen derart umfassenden Wandel herbeizuführen, bringt Herausforderungen mit sich. Die Unternehmenskultur hat sich in den vergangenen Jahren, vielleicht sogar Jahrzehnten, fest etabliert und lässt sich nicht von einem auf den anderen Tag verändern. Umso wichtiger ist es deshalb, dass alle die gleiche Vision davon haben, wo das Unternehmen in Zukunft stehen und was es ausmachen soll – ein Zielbild also – und es einen Nährboden für Innovationen gibt.

Bestehende Produkte IoT-ready machen
Um ein solches Innovationsmanagement zu etablieren, sollten IoT-Unternehmen pragmatisch vorgehen. Vorreiter verschwenden keine Zeit darauf, neue Produkte und Services zu entwickeln. Vielmehr versuchen sie, ihre bereits bestehenden Produkte und Leistungen zu digitalisieren und IoT-tauglich zu machen. Das ist – dreimal öfter als bei Nachzüglern – die oberste IoT-spezifische Priorität für Vorreiter. Während andere Unternehmen von langwierigen Freigabeprozessen für Budgets und komplexen Abstimmungsschleifen oft gelähmt sind, nutzen IoT-Leader agile Netzwerke innerhalb und außerhalb des Unternehmens. Anstatt viel Geld in die Entwicklung eigener Technologien zu investieren, vertrauen sie auf die Expertise von Fremdentwicklern und greifen zu deren Lösungen. Dabei achten sie allerdings genau darauf, dass die Technologien zu den von ihnen festgelegten Zukunftstechnologien – etwa VR oder Drohnen – passen und von den Fremdentwicklern weitergetrieben werden können. Das spart den Unternehmen nicht nur Geld und Zeit, sondern garantiert ihnen die bestmögliche Expertise sowie die langfristige Zusammenarbeit mit externen Partnern. Etwas, was für die Vernetzung elementar ist.

Das gilt auch für den Schutz vor Cyberangriffen. Bei einem vernetzten Unternehmen ist das Risiko einer Cyberattacke bedeutend höher: Schwachstellen in Geräten sind allgegenwärtig, und die Zahl der Malware und Exploits steigt kontinuierlich. Das kann hohe Schäden verursachen – neue Tools könnten unbrauchbar werden, das Image des Unternehmens leiden. Wer zum IoT-Vorreiter werden möchte, sollte parallel zum IoT ein umfassendes Cybersecurity-Konzept entwickeln. Jetzige IoT-Vorreiter nutzen bereits Informationssicherheits-Management-Systeme sowie Lines of Defence, mit denen sie ihre Entwicklungen in einer sicheren Umgebung vorantreiben können. Mögliche Attacken werden abgeblockt und Entwicklungen nicht zurückgeworfen. Das bietet ihnen einen immensen Innovationsvorsprung.

Die Vielseitigkeit von IoT verstehen
Das alles zeigt: Wer mit der IoT-Einbindung erfolgreich sein will, muss sich verändern. Denn ob dieser große Schritt gelingt, ist nicht bloß eine Frage der richtigen Technologie. Die ist zwar wichtig – zum Beispiel muss die passende Plattform gefunden oder der richtige Schutz gegen Cyberattacken aufgebaut werden – doch vielmehr sind weiterhin die richtige Strategie, die Führung, die Bereitschaft zum organisatorischen Wandel und das externe Netzwerk für eine gelungene IoT-Implementation entscheidend. Wer sein Unternehmen erfolgreich vernetzen möchte, sollte die Vielseitigkeit eines funktionierenden IoT-Systems verstehen und sein technologisches Know-how mit Disziplin, einer Strategie und einem Kulturwandel verknüpfen.

Prof. Dr. Niko Mohr ist Partner im Düsseldorfer Büro von McKinsey & Company.

In fünf Schritten IoT-Vorreiter werden

1. Versuch und Irrtum – viele Pilotprojekte starten: Erst ab einer hohen Zahl von Pilotprojekten können Unternehmen herausfinden, was funktioniert und was nicht. Hier gilt es, etwas zu wagen und notfalls zu scheitern, statt sich von Anfang an zurückzuhalten. Ein kontrollierender Fail-fast Prozess ist wichtig.

2. Prozesse verändern – Unternehmensstruktur an IoT-Einbau anpassen: Entscheidend ist eine klare Struktur des gesamten Unternehmens, die an die neue Vernetzung angepasst ist. Denn IoT ist keinesfalls nur ein Thema für die technische Abteilung.

3. Chefsache – Digitalisierung von oben steuern, aber alle mitnehmen: Den strukturellen Umbau sollte die C-Ebene steuern. So kann ein Unternehmen alle Mitarbeiter einbinden und an allen Punkten die Kommunikation und Arbeitsabläufe vereinfachen.

4. Update statt Neuentwicklung – bestehende Produkte IoT-tauglich machen: Es sollte nicht darum gehen, eine komplett neue Produktpalette zu entwerfen. Vielmehr sollten bestehende Produkte ein „IoT-Update“ bekommen. Bei technischen Herausforderungen sollte man den Kontakt zu Partnern suchen.

5. Cybersecurity – neu entstandene Risiken effektiv minimieren: Durch die komplette Vernetzung entstehen für ein Unternehmen neue Risiken. Daher sollten Unternehmen ein sicheres Cybersecurity-Konzept entwickeln und schnell implementieren.


  1. Vom Nachzügler zum Vorreiter
  2. Voller Wert mit angepasster Strategie

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