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Arbeitsplatz der Zukunft

Umdenken in allen Bereichen

21. Februar 2017, 14:18 Uhr   |  Autor: Stefan Adelmann | Kommentar(e)


Fortsetzung des Artikels von Teil 1 .

„Nichts, um uns zu behaupten“

Eine Gefahr, die Sipgate-CEO Tim Mois am eigenen Unternehmen erfahren musste. Nach einem aufreibenden Entwicklungszyklus eines neuen Produktes verlor der Kommunikationsanbieter 2010 zahlreiche Mitarbeiter, potenzielle Neubewerber hatten sich in vielen Fällen für größere und bekanntere Wettbewerber entschieden. „Wir hatten nichts, womit wir uns gegen die anderen behaupten konnten“, erklärt Mois im funkschau-Interview. Der Erfolg des Unternehmens stand auf der Kippe, die Führungsspitze setzte anschließend alles auf eine Karte. Die bisherige Entwicklungsstrategie wich einem agilen Scrum-Prozess, der letztlich auf alle Abteilungen abfärbte und den Digital Workplace laut dem CEO bei Sipgate maßgeblich vorangebracht hat. Schmerzfrei soll diese Transformation aber nicht gewesen sein. „Scrum und Agile sind gegen die Intuition“, sagt Mois. „Der Prozess erfordert von jedem ein Umdenken, man muss seine komplette Berufserfahrung in Frage stellen. Das ist anstrengend und tut weh.“ Letztlich hätten viele Mitarbeiter das Unternehmen verlassen, doch der CEO bereute den weitreichenden Schritt nie. „Hätten wir ihn nicht gemacht, wären wir heute vielleicht nur noch zehn Mitarbeiter.“

Das Beispiel Sipgate verdeutlicht, wie mühsam und verlustreich es sein kann, den eigenen Geschäftsprozess so grundlegend umzuwälzen. „Wir müssen die Sorgen um Arbeitsplatz- und Qualifikationsverlust, Arbeitsverdichtung und Entgrenzung, auch die Kluft zwischen Menschen, die Freiheit und Flexibilität als Verheißung sehen und solchen, die vor allem Stabilität und Sicherheit wünschen, ernst nehmen“, erklärt Arbeitsministerin Nahles.  

Die Liste der Herausforderungen, die mit dem Wandel der Arbeitswelt einhergehen, ist lang. Zum einen wird sie angeführt von technischen Hürden, zum anderen darf bei der Einführung neuer und flexibler Technologien nie der Mitarbeiter außer Acht gelassen werden. „Auf der einen Seite bedeutet der Digital Workplace ein Plus für eine gesunde Work-Life-Balance. Auf der anderen Seite gilt es aber auch, ein gesundes Maß zwischen ständiger Erreichbarkeit und dem Recht auf Abschalten zu finden“, beschreibt Ferre-Hernandez eine der wichtigsten Facetten des Umbruchs. Laut Wilker hätte sich die Vertrauensarbeitszeit inklusive einer ergebnisorientierten Bewertung im Zuge des Digital Workplace als praktikabel erwiesen. Letztlich zielt der Großteil der Maßnahmen aber darauf ab, die Zufriedenheit im Unternehmen zu steigen. Denn zufriedene Mitarbeiter, die alle technisch machbaren Möglichkeiten für die Gestaltung ihres Arbeitsalltags hätten, sollen deutlich effizienter und produktiver sein, so Ferre-Hernandez.

Zusätzliches Leistungspotenzial

Noch sind es aber hauptsächlich Großunternehmen, die schon Mittel und Energie aufbringen können, um ganzheitliche Digital Workplace-Projekte anzustoßen. So berichtet Rickmann davon, dass die Telekom flexible Arbeitswelten in der Konzernzentrale in Bonn umgesetzt, Intranet und internes Social Network zu einem Social Intranet zusammengefasst und die Unternehmenskommunikation zu einer „Content Factory“ umgestaltet hat. „Um wettbewerbsfähig zu bleiben, muss aber auch der Mittelstand auf Dauer effizienter arbeiten. Mit doppeltem Effekt: Digitales Arbeiten steigert nicht nur die Produktivität, es macht Unternehmen außerdem attraktiver für viel umworbene Fachkräfte.“ Volmari von Citrix trommelt hingegen mit anderen Anreizen für den Digital Workplace: „Sicherlich sind Anfangsinvestitionen erforderlich, aber diese fallen oftmals geringer aus, als es sich Unternehmen ausmalen.“ Darüber hinaus soll das Einsparpotenzial immens sein.

Laut einer Studie von Crisp Research ermöglicht ein funktionierender digitaler Arbeitsplatz einem Unternehmen mit 1.200 IT-Arbeitsplätzen Ersparnisse von 223.300 Euro pro Jahr. Das zusätzliche Leistungspotenzial soll darüber hinaus 3,4 Millionen Euro ausmachen. Noch gibt es im „Mittelstand in den kommenden Jahren“ einiges nachzuholen, erklärt Ferre-Hernandez. Ganzheitliche Digitalisierungsprojekte und damit einhergehende Transformationen der Unternehmenskultur sind derzeit noch rar gesät. Beispiele wie Sipgate zeigen aber schon jetzt deutlich, welche Effekte ein entsprechender Prozess mit sich bringen kann. „Wir sind viel schneller geworden und die Qualität hat sich verbessert“, sagt Mois. „Es wurde bei uns ab dem ersten Tag besser.“

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