Geschäftsmodelle

Teilen statt besitzen

19. September 2019, 14:28 Uhr | Autoren: Johanna Wigand und Abdullah Zanaty / Redaktion: Diana Künstler | Kommentar(e)

Fortsetzung des Artikels von Teil 1

Nächster Schritt: Telekommunikation als teilbares Gut

Sharing Economy Vorteile
Immer wenn Teilen kostengünstiger, gemeinschaftlicher, ressourcenschonender oder erlebnisreicher als Besitzen und gleichzeitig einfach und sicher ist, können Sharing-Geschäftsmodelle ihre Vorteile ausspielen. 
© Sopra Steria Consulting

Ein bereits existierendes P2P-Modell ist das Router Sharing. Unter „WLAN To Go“ (Telekom), „Wifi Spot“ (Unitymedia) oder „Homespot-Service“ (Vodafone) stellen Kunden anderen Kunden ihren persönlichen Router als Hotspot zur Verfügung. Im Gegenzug erhalten sie Zugang zu Millionen Hotspots, die durch andere Nutzer der Gemeinschaft zur Verfügung gestellt werden. Sofern nicht widersprochen wird, nimmt jeder neue Kunde automatisch an diesem Sharing-Modell teil.

Insbesondere bei immateriellen Gütern wie Daten und Bandbreite ist es für Unternehmen jedoch schwierig, Vertrauen aufzubauen. Anders als beim Auto, das abgeschlossen und dessen Zustand äußerlich betrachtet werden kann, lassen sich Sicherheitslücken beim WLAN-Sharing schwieriger feststellen. Eine verbreitete Unkenntnis der Verbraucher verstärkt die Skepsis bei Datensicherheit und Privatsphäre zusätzlich. Andere auf ihr privates WLAN-Netz oder auf ihre Endgeräte zugreifen zu lassen, erfordert daher viel Vertrauen.

Router Sharing vereint den Erfolgsfaktor Sicherheit mit ökonomischen Vorteilen und Benutzerfreundlichkeit. Die Anbieter unterstreichen in ihrer Kommunikation die Trennung der Netze und den Haftungsausschluss für Dritte am Hotspot. Durch den kostenlosen Zugang sparen die Nutzer mobiles Datenvolumen. Und die Endgeräte verbinden sich automatisch mit Millionen Hotspots, sobald der Account einmal eingerichtet ist.

Ausblick auf die Sharing-Zukunft
Die Sharing-Dienst-Möglichkeiten sind sicher noch nicht ausgereizt. Um sich die Zukunft der Telekommunikationsbranche vorzustellen, sollten Unternehmen daher zunächst herausarbeiten, was teilbare Ressourcen sind, die zwischen möglichen Teilnehmern existieren. Datenvolumen steht für Mobilfunkbetreiber und Nutzer dabei an oberster Stelle. Ein mögliches Szenario: Einem Nutzer steht ungenutztes Datenvolumen zur Verfügung. Um diese überschüssigen Kapazitäten anderen Nutzern zugänglich zu machen, können MNOs oder MVNOs eine Plattform anbieten, auf der Nutzer diese Ressourcen untereinander teilen können und auf der die Transaktionen gegen minimale Kosten durchgeführt werden können.

Ein weiteres Szenario wäre die Einführung eines neuen MVNO mit einem Sharing-Marktansatz. Dieser MVNO könnte als Plattform für den Austausch der Ressourcen fungieren, indem er mit mehreren MNOs anstelle eines einzelnen – wie heute üblich – zusammenarbeitet. So könnten diese MVNOs eine integrierte Plattform für Nutzer unterschiedlicher Mobilfunkanbieter bieten, auf der überschüssiges Datenvolumen verteilt werden kann. Dieses Plattform-Modell hätte für die Akteure folgende Vorteile:

  • MVNOs müssen kein Datenvolumen im Vollverkauf von traditionellen Anbietern kaufen.
  • Das Umsatzmodell ist simpel und basiert auf Transaktionsgebühren zwischen den Kunden der MNOs und den MVNOs.
  • MNOs erhalten einen Anteil der Transaktionsgebühren durch den Verkauf von Datenvolumen der MNO-Kunden an den Plattform-MVNO.
  • Nutzer können die Infrastruktur desjenigen Netzwerks nutzen, das für den aktuellen Standort am besten geeignet ist.

Damit sich ein solches Modell allerdings rechnet, müssen genügend Teilnehmer auf Angebots- sowie auf Nachfrageseite vorhanden sein. Dafür müsste die Plattform intuitiv und leicht zu bedienen sein und hohe Sicherheitsstandards aufweisen. Außerdem sollte der ökonomische Vorteil für die Nutzer ersichtlich sein. Aber diese Gesetze muss jeder in der Sharing Economy befolgen – auch die Vorreiter Airbnb und Uber.

Johanna Wigand ist Masterandin im Bereich Telecommunications, Sopra Steria Consulting; Abdullah Zanaty ist Telecommunications-Experte von Sopra Steria Consulting


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