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Teilen statt besitzen

19. September 2019, 14:28 Uhr   |  Autoren: Johanna Wigand und Abdullah Zanaty / Redaktion: Diana Künstler

Teilen statt besitzen
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Die Sharing Economy gilt als erfolgsgeschichte der Digitalisierung. Plattformen wie Airbnb und Uber sind rasant gewachsen und fordern etablierte Unternehmen heraus, indem sie Privatpersonen in Dienstleister verwandeln.

In den Prinzipien und Mechanismen der Sharing Economy steckt viel geschäftliches Potenzial, das auch für andere Branchen relevant sein kann. Dies haben mittlerweile auch Telekommunikationsunternehmen erkannt und in Ansätzen umgesetzt. Die Möglichkeiten sind aber bei Weitem noch nicht ausgeschöpft.

Die Sharing Economy ist ein Wachstumsmarkt. Experten gehen davon aus, dass die Umsätze von 15 Milliarden US-Dollar aus dem Jahr 2014 auf bis zu 335 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 anwachsen werden. 2018 nutzte bereits mehr als die Hälfte der Deutschen Sharing-Angebote im Mobilitätsbereich (zum Beispiel Uber), knapp jeder Zweite teilte Unterkünfte (Airbnb) oder Güter (Kleiderkreisel). Doch was macht diese Sharing-Modelle so attraktiv für ihre Nutzer? Und was können Unternehmen daraus lernen?

Die Motive hinter dem Sharing-Ansatz
Die Mechanismen, die Menschen zum Teilen und Teilnehmen motivieren, sind für Unternehmen besonders wichtig zu verstehen. Denn Plattformen können eine kritische Masse an Teilnehmern nur erreichen, wenn sie sowohl Anbieter als auch Verbraucher ansprechen. Häufig werden der Schutz der Umwelt und andere altruistische Motive angeführt, aufgrund derer Menschen Teil der Sharing Economy werden. Schließlich kann das Teilen und Weitergeben von Produkten zu einer höheren Nutzungsrate und somit zu einem geringeren Ressourcenverbrauch führen.

Oft sind es jedoch ökonomische Vorteile, die Personen zum gemeinsamen Nutzen bewegen. Anbieter können ungenutzte Kapazitäten monetarisieren und Verbraucher sparen durch Leihen statt Kaufen Geld. Viele Plattformen heben zudem die Gemeinschaft und das globale Netzwerk aus Gleichgesinnten als einen weiteren Faktor hervor, der Menschen zu Sharing-Anhängern macht. „Belong anywhere“ ist der Slogan der Übernachtungsplattform Airbnb, der auf das weltweite Netzwerk und auf authentische Erlebnisse abzielt. Gerade die Interaktion mit Fremden und das vielseitige und passgenaue Nutzererlebnis aufgrund nichtstandardisierter Angebote schätzen viele Nutzer.

Zentrale Erfolgsfaktoren
Zwei wichtige Zusatzfaktoren für Unternehmen mit Sharing-Modellen sind zudem Benutzerfreundlichkeit und Sicherheit. Es darf kein großer Aufwand für die Teilnehmer entstehen – weder auf Anbieter- noch auf Verbraucherseite. Ist der Anmeldeprozess zu aufwendig oder der Prozess nicht intuitiv genug, verlieren Plattformen viele potenzielle Nutzer. Zudem erfordert das Teilen von Besitztümern ohne zentrales Qualitätsmanagement beidseitiges Vertrauen hinsichtlich Datenschutz, Privatsphäre oder Hygiene. Das wird häufig durch Reputationsinstrumente wie Bewertungen und Verifizierungen hergestellt. Für Unternehmen bedeutet das: Immer wenn Teilen kostengünstiger, gemeinschaftlicher, ressourcenschonender oder erlebnisreicher als Besitzen und gleichzeitig einfach und sicher ist, können Sharing-Geschäftsmodelle greifen.  

Die Telekommunikationsbranche ist von jeher ein unverzichtbares Rad im Sharing-Economy-Getriebe. Als Technologiepartner und Infrastrukturlieferant ermöglicht sie Sharing-Plattformen, ihre Dienste skalierbar anzubieten. Als Partner der Wohnungswirtschaft helfen die Unternehmen außerdem mit, lokale Sharing-Angebote wie Tauschbörsen und Nachbarschaftsnetzwerke zu entwickeln und zu vermarkten.

Darüber hinaus hat die Branche selbst den Sharing-Gedanken für sich adaptiert: Telekommunikationsunternehmen teilen untereinander, ähnlich wie bei Airbnb (Wohnungen) und Uber (Autos), aufgrund der hohen Kosten die existierende Infrastruktur. Ein solcher Ansatz ermöglicht die Existenz kleinerer Mobilfunkprovider (MVNOs), wie zum Beispiel 1&1 Drillisch oder Fonic. Diese greifen auf die bestehende Infrastruktur der Mobilfunknetzbetreiber (MNOs) von Telekom, Telefónica oder Vodafone zurück. Allerdings findet hier das Teilen von Ressourcen auf einer B2B- und nicht auf einer P2P-Ebene statt.

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1. Teilen statt besitzen
2. Nächster Schritt: Telekommunikation als teilbares Gut

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