Smart City Readiness Check

Smarte Cities stehen in Deutschland noch am Anfang

1. März 2019, 12:51 Uhr | | Kommentar(e)

Fortsetzung des Artikels von Teil 1

Fördergelder werden noch zu selten abgerufen

Digitale Infrastruktur
Programme für den Breitbandausbau, öffentliches WLAN, digitale Dokumentation der Infrastruktur für Telekommunikation – Kommunen in Deutschland haben viele Möglichkeiten, den Ausbau ihrer Netzinfrastruktur und somit die Verbesserung der Lebens- und Aufenthaltsqualität vor Ort zu fördern. Dennoch gibt fast jede fünfte Stadt oder Gemeinde an, noch über keine flächendeckende Versorgung mit einer leistungsstarken Breitbandinfrastruktur zu verfügen. Positiv sei, dass in mehr als 80 Prozent der Kommunen eine Leerrohrinfrastruktur bei Baumaßnahmen mit aufgebaut wird. Rund 70 Prozent aller befragten Städte und Gemeinden planen derzeit neue Glasfaseranschlüsse bis ins Gebäude (FTTB – Fiber to the Building), vielerorts finde auch ein Ausbau auf Basis der Vectoring-Technologie statt. Ein weiteres Ergebnis der Studie: Mehr als jede dritte Kommune gibt an, nicht an bundesweiten Programmen teilzunehmen, die den Breitbandausbau fördern.

„Wenn eine Kommune die Fördergelder nicht abruft, ist möglicherweise das Förderverfahren zu kompliziert. Dabei zahlen sich Investitionen in die digitale Infrastruktur auf die Dauer aus“, sagt Gürkan Ünlü, Leiter der Geschäftsentwicklung bei TÜV Rheinland Consulting sowie Leiter des Corporate Center of Excellence Data Analytics bei der TÜV Rheinland AG. „Schließlich entscheidet eine gute digitale Infrastruktur aus Sicht der Bürgerinnen und Bürger und Unternehmen immer häufiger darüber, wie attraktiv ein Standort ist.“ Analog zum schleppenden Breitbandausbau gibt es derzeit in einem Großteil der an der Umfrage beteiligten Kommunen auch noch kein flächendeckendes öffentliches WLAN. Bei der Umsetzung von Smart-City-Infrastrukturen genießen die eigenen Stadtwerke bei den Kommunen mit Abstand das größte Vertrauen. Mehr als 80 Prozent der befragten Städte und Gemeinden geben an, die Stadtwerke mit dieser Aufgabe betrauen zu wollen, während große internationale Dienstleister nur für jede fünfte Kommune für diese Aufgabe in Frage kommen. Dazu Ünlü weiter: „Nur knapp die Hälfte aller an der Umfrage teilnehmenden Kommunen gibt an, über Hochleistungsnetze mit Versorgungsgeschwindigkeiten von mehr als 50 MBit/s zu verfügen. Diese bilden die Basis für einen flächendeckenden Ausbau des neuen Mobilfunkstandards 5G. Wenn der Ausbau der Infrastruktur nicht in dem Maße vorangetrieben wird, wie es benötigt wird, laufen die Städte und Kommunen Gefahr, digital abgehängt zu werden. Das ist aus unserer Sicht ein Risiko auch für das Wirtschaftswachstum in einer Region.“

eGovernance
Online-Verwaltungsleistungen sind für Bürger und Unternehmen von immer größerer Bedeutung. Fast drei Viertel der Bundesbürger würden gerne mehr Behördengänge online abwickeln. Doch damit tun sich die Städte und Gemeinden derzeit offenbar noch schwer. Knapp 30 Prozent der Befragten geben an, dass die eigene Kommune wenig oder keine Dienstleistungen als Service für Bürgerinnen und Bürger – beispielsweise die Beantragung von Reisepass, Personalausweis oder Anwohnerparkausweis – online anbietet. Besonders Kommunen mit weniger als 50.000 Einwohnern gehen derzeit nur recht eingeschränkt auf die digitalen Bedürfnisse ein. Schwierig stellt sich die Situation auch mit Blick auf die Angebote für Unternehmen dar. Mehr als die Hälfte der kleineren Kommunen gibt an, wenig oder gar keine gewerblichen Services online anzubieten. Einen Gewerbeschein können Unternehmen beispielsweise erst in gut 15 Prozent der kleineren Kommunen online beantragen. „Für Start-up-Unternehmen und kleine Gewerbe ist die kommunale Verwaltung oft ein Erlebnis der ganz analogen Art“, sagt Alexander Handschuh, Sprecher des Deutschen Städte und Gemeindebundes und Leiter des Innovators Club. „Dies macht es für engagierte Gründer unnötig kompliziert, sich mit einem Unternehmen in einer der betroffenen Kommunen niederzulassen. Gerade innovative Unternehmen lassen sich dort nieder, wo man ‚digital‘ spricht. Insofern wirkt sich das Fehlen derartiger Angebote auf die Standortqualität aus“, führt Alexander Handschuh weiter aus.

Auch mit Blick auf die Digitalisierung der internen Verwaltungsabläufe bleibt noch viel zu tun. Bevorzugtes Kommunikationsmittel innerhalb der Verwaltungen sind weiterhin Telefon und E-Mail. Weniger als die Hälfte der befragten Kommunen nutzt bereits Cloud-Lösungen für ihre Datenspeicherung. Besonders im Bereich der Weiterbildung für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind viele Städte und Gemeinden derzeit noch nicht gut aufgestellt. Drei Viertel aller befragten Kommunen geben an, dass sie digitale Weiterbildungsangebote nur unregelmäßig oder gar nicht anbieten. „Mit Blick auf die hohe Veränderungsgeschwindigkeit durch die Digitalisierung besteht hier dringender Handlungsbedarf, besonders im Bereich entsprechender Fortbildungsangebote“, betont Alexander Handschuh. „Positiv ist hingegen zu bewerten, dass rund 40 Prozent der Städte und Gemeinden spezifische Informationen für ihre Bürgerinnen und Bürger in einer Geodateninfrastruktur aufbereiten. Dies zeigt, dass hier bereits signifikante Fortschritte erzielt werden konnten“, so Handschuh.

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  1. Smarte Cities stehen in Deutschland noch am Anfang
  2. Fördergelder werden noch zu selten abgerufen
  3. Ausbaupotenzial im Bereich der Straßenbeleuchtung

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