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Nachbericht zum Axis Roundtable

Smart Building - in der Theorie ganz einfach

25. Oktober 2016, 12:22 Uhr   |  Redaktion: Axel Pomper | Kommentar(e)


Fortsetzung des Artikels von Teil 1 .

"Vor der Tat, halte Rat"

Auf der anderen Seite müssen Errichter ihren Kunden klar aufzeigen, welchen Mehrwert ihnen die Vernetzung bringt. Bei Geschäftsgebäuden steht deren Sicherheit sowie Einsparungen, wie zum Beispiel beim Thema Energieeffizienz, im Fokus. Bewohner in einem Smart Home verlangen hingegen hauptsächlich hohen Komfort und Sicherheit. Planungen enthalten selten solche Aspekte, da keine allgemein gültigen Aussagen existieren. Im Marketing-Bereich gibt es noch viel Aufholungsbedarf, denn Endkunden sind nur bereit zu investieren, wenn der Nutzen für sie transparent ist. Sie haben weniger Interesse an verwendeten Protokollen, sondern wollen aus einem Baukasten verschiedene Komponenten auswählen. Hersteller müssen anfangen mehr in Lösungen zu denken anstatt an einzelne passende Produkte. Viele Verkäufer vergessen, dem Anwender den Mehrwert zu erklären.

Ein gutes Sicherheitskonzept als Basis schafft Abhilfe. Es sollte im Vorhinein klären, wie das System mit anderen vernetzt ist, mit welchen Gewerken kommuniziert werden soll und mit welchen nicht. Das Konzept sollte sich an den Normen für Sicherheitstechnik orientieren. Dabei ist eine gute Qualität von Fachplanung und Ausführung besonders gefragt. Die Planung sollte eine ganzheitliche Betrachtung gewährleisten und Abhängigkeiten, zukünftige Wartungen, etc. mit berücksichtigen.

Gewerke-übergreifende Normen

Ein durchaus größeres Problem stellen die Normen an sich dar, denn vorhandene Normen sind meist gar nicht bekannt und finden daher selten Anwendung. Die richtige Vorgehensweise ist die Berücksichtigung der relevanten Normen bereits bei der Auftragsvergabe. Die neue EN62676-5 beschreibt als eine der ersten einheitliche Kriterien zur Beurteilung der Qualität von Videokameras und vereinfacht es Anwendern so Videokameras zu vergleichen. Betreiber, Planer und Errichter erhalten durch eine solche normative Definition der Qualitäten zudem eine höhere Rechtssicherheit und können somit ggf. im Nachhinein Diskussionen über das Ergebnis der umgesetzten Videoüberwachungstechnik sowie langwierige Gerichtsverfahren vermeiden. Denn mangelndes Wissen führt dazu, dass Kunden heutzutage kaum vergleichen.
Gerade bei Hersteller-eigenen Erklärungen ist Vorsicht geboten, da es dabei zu nicht ganz nachvollziehbaren Auslegungen, zum Beispiel bezüglich der Schutzklasse der Kamera, kommen kann. Daher sind Normen und das Verständnis von Hersteller-eigenen Erklärungen von großer Wichtigkeit. Hier stellt sich allerdings manchmal die Herausforderung, dass zum Beispiel der Erwerb der Norm mit hohen Kosten verbunden ist. Bereits Auszubildende haben in vielen Fällen aus Kostengründen keinen Zugriff auf aktuelle Normen. Hinzu kommt, dass sie manchmal schwer lesbar oder nicht praxisnah sind.

Zukunftsorientierte Planung

Die Technik entwickelt sich stets weiter, was im Gegensatz zu dem Gebäude steht, das für mehrere Jahrzehnte erbaut wird. Daher muss die Technik des Smart Buildings auch in der Zukunft funktionieren. Ansonsten versagt – aufgrund der Integration – die gesamte Gebäudetechnik in wenigen Jahren. Beim Thema zukunftsorientierte Planung sollten sich Planer am Positionspapier des VDE orientieren. Für den heutigen Bauherren bedeutet das, dass er bereits an Technologien denken sollte, die erst in ein paar Jahre in die Gebäudetechnik einfließen.

Moderne Gebäude müssen über eine intelligente und vorausschauende Technik verfügen, damit zukünftige Systeme integriert werden können. Deswegen sollten Bauherren bereits heutzutage anwenderneutrale, intelligente Netze für eine Zweit- oder Drittnutzung in Gebäude integrieren. Glasfaser beispielsweise stellt einen Zukunftstrend dar, da es keine großen Mehrkosten beinhaltet.

Denn: Die Nachrüstung der Infrastruktur in einem Gebäude ist immer teurer als eine Berücksichtigung im Erstausbau.

Besondere Gefahr droht von kostengünstigeren Plug & Play-Lösungen, die eine einfache Handhabung versprechen. Ohne entsprechendes Fachwissen, tauchen auch bei diesen Lösungen schnell Herausforderungen auf, die den Anwender enttäuschen und so die gesamte „Smart Home“-Branche in Verruf bringen können. Dennoch drängen immer mehr von diesen System auf den Markt, denn auch die großen Player im IT-Bereich haben das Potenzial erkannt. So bietet Apple in seiner neuesten iOS-Version eine simple App an zur Steuerung von Smart Home-Komponenten. Traditionelle Komponenten-Hersteller stehen nun unter dem Druck nachzuziehen und auf der einen Seite einfach zu bedienende Lösungen anzubieten und auf der anderen Seite ihre proprietären Systeme für Schnittstellen zu öffnen. Damit geht eine weitere Herausforderung einher: Die Sabotage-Gefahr steigt.

Ein komplexer Bestandteil ist dabei das Thema Datenschutz. Denn je höher dieser ist, desto geringer fällt der individuelle Komfort aus. Außerdem bauen große Unternehmen wie Google auf Big Data, da ohne Analyse der Daten ein vernetztes Haus kein „Smart Home“ ist: Es lernt nicht mit. Während dieser Punkt in Deutschland noch kontrovers diskutiert wird, sind andere Länder wie Dänemark und Singapur schon weiter, und haben erste selbstlernende Häuser implementiert.

Fazit

In vielen Bereichen mangelt es an Fachwissen – bei Errichtern, Planern und den Anwendern selbst. Daher ist die Entwicklung praxisnaher und verständlicher Normen und Standards von großer Bedeutung. Als Marktführer im IP-Video-Bereich ist Axis stark bei den Themen engagiert und bringt sie voran.

Zusätzlich muss das Berufsbild des Systemintegrators entwickelt werden. Fachkräfte benötigen regelmäßige Schulungen, die Informationen von außen (wie z.B. von Herstellern) mit einbeziehen. Die Berufsbilder müssen sich diversifizieren und an die neuen Gegebenheiten anpassen. Der Endkunde hat ebenfalls einen großen Aufklärungsbedarf, denn er geht teilweise von falschen Voraussetzungen aus und erkennt die Gefahren nicht richtig.

Alle Teilnehmer waren sich einig, dass das Thema an Fahrt aufnimmt und neue Herausforderungen mit sich bringt. Mit dem Heranwachsen der „Smartphone-Generation“ wird der Widerstand der Nutzer gegenüber den neuen Möglichkeiten der Gebäudetechnologien weiter sinken.

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