Digital Health

Skalpell, Tupfer, Faxgerät

9. Dezember 2021, 16:30 Uhr | Sabine Narloch | Kommentar(e)
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Inwieweit digitale Kommunikationslösungen in deutschen Kliniken zum Einsatz kommen, ist eine YouGov-Studie im Auftrag von Avaya nachgegangen. Nachholbedarf ist in jedem Fall gegeben – sowohl bei der Kommunikation des Klinikpersonals untereinander als auch bei der Kommunikation mit den PatientInnen.

Wenn in einer aktuellen Studie die Nutzung des Faxgeräts abgefragt wird, mag das bereits ein Hinweis darauf sein, dass es hier um einen Bereich geht, in dem noch nicht alle digitalen Möglichkeiten moderner Kommunikationsmittel ausgeschöpft werden. Und wie weit die Luft nach oben tatsächlich reicht, zeigen die konkreten Zahlen. 50 Prozent der befragten MitarbeiterInnen von Krankenhäusern gaben in einer von YouGov durchgefühten Studie im Auftrag des ITK-Anbieters Avaya an, täglich zu faxen; 18 Prozent machen dies derzeit immer noch wöchentlich.

Die Frage, um welche Dokumente es sich dabei handelt, die nach wie vor auf den Faxweg gebracht werden, beantwortet Uwe Pranghofer, Head of Healthcare Business bei Avaya, gegenüber funkschau: „Das Faxgerät wird auch heute noch für eine Vielzahl an verschiedenen Dokumenten genutzt: von Arztbriefen an andere KollegInnen bis zu Laborbefunden und Bescheinigungen.“

Dass das Fax weiterhin so beliebt ist, dafür sieht Pranghofer verschiedene Gründe. Zum einen gebe es Vorbehalte gegenüber digitalen Lösungen im Hinblick auf die Sicherheit, zum anderen sei die Internetverfügbarkeit oftmals der „viel grundsätzlichere“ Knackpunkt. In der Umfrage bemängelten 34 Prozent der Befragten das WLAN in ihrer Gesundheitseinrichtung beispielsweise als „eher schlecht“ oder „sehr schlecht“. „Eine geringe WLAN-Verfügbarkeit und schlechte Internetstabilität steht der Einführung von digitalen Kommunikationstools im Weg. Daher sollten Kliniken den Ausbau priorisiert angehen“, folgert Pranghofer.

Austausch zwischen dem Klinikpersonal

Ein Blick auf die Ergebnisse rund um die interne Kommunikation des Klinikpersonals zeigt, dass darüber hinaus noch sehr viel im persönlichen Gespräch abgehandelt wird (75 Prozent), aber auch das stationäre Telefon (65 Prozent) und Mobiltelefone (47 Prozent) stehen hoch im Kurs. Über Videotelefonie per App kommunizierten hingegen nur drei Prozent der Befragten. Die Krux besonders am persönlichen Gespräch und dem Stationstelefon ist allerdings, dass das Personal zu einem bestimmten Ort kommen muss. „Eine Kommunikation über mobile Endgeräte, die auch die Möglichkeit zur Videotelefonie bieten, würde den Workflow maßgeblich vereinfachen“, so Pranghofer. „Die Erreichbarkeit des Personals wäre nicht mehr davon abhängig, wo sie sich derzeit auf dem Campus befinden, sodass Laufwege eingespart werden können.“ Bei der Dokumentation der Pflege verwenden wiederum immerhin 68 Prozent einen Desktop-PC oder Laptop, fünf Prozent ein Tablet oder Smartphone, allerdings greifen 24 Prozent noch zu Papier und Stift.

Ebenfalls papier- und telefonlastig vollziehe sich laut Pranghofer die Erstellung von Einsatzplänen; so müsse aufgrund der angespannten Lage der Pflegekräfte „praktisch täglich die personelle Besetzung neu beplant werden“. Hier gibt es also Entlastungspotenzial: Vorstellbar wäre „eine automatisierte Abfrage der Verfügbarkeit des infrage kommenden Personals. Die positive oder negative Rückmeldung ist sofort sichtbar. Genauso wären Wechsel von Mitarbeitenden untereinander einfach möglich“, skizziert Pranghofer.


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