Breitband

Schein oder Sein?

21. Juli 2011, 13:33 Uhr | Thomas Schröder, Alcatel-Lucent Deutschland. | Kommentar(e)

Fortsetzung des Artikels von Teil 1

Ein dynamischer Markt

Der deutsche Breitbandmarkt wächst seit über einem Jahrzehnt sehr dynamisch. Im Jahr 2000 gab es laut der 2008 erschienenen Studie „deutschland online“ bundesweit gerade mal 200.000 Breitband-Anschlüsse, sechs Jahre später waren es schon fast 15 Millionen Zugänge. 2010 hatte sich diese Zahl nach Angaben des Bitkom auf 26,5 Millionen erhöht. Den neuesten Stand im Hinblick auf Höchstgeschwindigkeits-Breitbandanschlüsse von 50 MBit/s und mehr beschrieb der Branchenverband im April 2011 so: „Derzeit sind für etwa 40 Prozent der deutschen Haushalte hohe Bandbreiten von mindestens 50 MBit/s verfügbar. Doch nur weniger als ein Prozent der Haushalte nutzt diese Anschlüsse, obwohl die Preise hierfür auch nach Einschätzung der Bundesnetzagentur attraktiv sind.“ Denn noch genügen den meisten Anwendern Bandbreiten bis zu 20 MBit/s. Zudem zeigen diverse Studien, dass Kunden wenig geneigt sind, einen höheren Betrag für leistungsfähige Anschlüsse zu bezahlen. Der Bitkom sieht denn auch zwei Bedingungen, die erfüllt werden müssen, um die Breitbandziele tatsächlich zu erreichen: Erstens sollten Unternehmen konkrete und langfristige Anreize für Investitionen erhalten. Und zweitens sollte die „öffentliche Hand bei der Förderung der Nachfrage nach Breitbanddiensten“ vorangehen, „zum Beispiel durch einen verstärkten Einsatz von E-Government, E-Learning oder E-Health“.

Dabei sind schon beträchtliche Investitionen in moderne Breitbandnetze erfolgt – laut Bundesnetzagentur zwischen 1998 und 2010 in einer Höhe von 93,2 Milliarden Euro, davon 5,9 Milliarden Euro allein im Jahr 2010. Viele Investitionen erfolgten vor allem auch im ländlichen Raum mit dem Ziel, die weißen Flecken zu erschließen. Dem „1. Monitoringbericht zur Breitbandstrategie des Bundes“ von Ende September 2010 zufolge sind hier 1,8 Millionen Haushalte ans Hochgeschwindigkeitsnetz angeschlossen worden. Um aber auch den letzten weißen Flecken zumindest Übertragungsraten von 1 bis 10 MBit/s zu liefern, bedarf es eines intelligenten Einsatzes der vorhandenen Technologien. Denn je entlegener die Ortschaften, desto höher die Erschließungskosten. Glasfaser- oder TV-Kabel sind auf dem Land derzeit schlicht zu teuer. Deswegen wird hier, auch auf Grund der Auflagen der Bundesnetzagentur, die 4G-Mobilfunktechnologie LTE zum Zuge kommen.

Auch wenn aktuell die Bereitschaft beim privaten oder geschäftlichen Endanwender, für leistungsfähige Kapazitäten ein höheres Entgelt zu zahlen, niedrig ist, wird dennoch der Bedarf nach solchen Kapazitäten ansteigen. Denn die Anforderungen der Endkunden aus Unternehmen und Privathaushalten werden weiter wachsen. Das zeigt sich aktuell durch die immer intensivere Nutzung von bandbreitenhungrigen Diensten wie Youtube oder auch TV-on-Demand à la „Entertainment“ der Deutschen Telekom – und zwar privat und geschäftlich. Das ist aber auch ein Erfahrungswert: Bisher verzehnfachen sich die Zugangsnetz-Bandbreiten etwa alle sechs Jahre. Hinzu kommt, dass die Entwicklung und Nutzung von Diensten, die hohe Bandbreiten benötigen, etwa HD-TV und 3D-TV, weiter voranschreiten wird, ebenso wie das Bedürfnis nach schnelleren Upload-Raten. Dies schafft Innovationspotenziale und Wachstum. Langfristig wird das Glasfasernetz entsprechend ausgebaut werden müssen, da hier sehr hohe Bandbreiten verfügbar gemacht werden. Durch den Glasfaserausbau können zudem auch die Anbindung und damit die verfügbaren Bandbreiten des Mobilfunks verbessert werden. Dies wird allerdings angesichts der hohen Kosten eines solchen Ausbaus nicht sofort, sondern schrittweise erfolgen.

Experten erwarten, dass der Ausbau eines hochleistungsfähigen Glasfasernetzes, je nach Umfang und Ausbauart – FTTC, FTTB oder FTTH –, Investitionen von rund 40 bis zu 65 Milliarden Euro erfordern wird. Kostentreiber sind hierbei insbesondere Tiefbauarbeiten für die Verlegung von Leerrohren, die schätzungsweise 80 Prozent der Kosten betragen können. Diese Summen können weder von einem Unternehmen allein noch vom Staat aufgebracht werden. Viele Unternehmen müssen auch in Kofinanzierungsmodelle wie den Open-Access-Ansatz investieren und den Glasfaserausbau schrittweise umsetzen. Bis sich Glasfaser langfristig flächendeckend durchgesetzt haben wird, soll ein Mix aus den derzeit verfügbaren Technologien zum Einsatz kommen.

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  1. Schein oder Sein?
  2. Ein dynamischer Markt
  3. DSL – ein langsam alternder Platzhirsch
  4. Kabel – Totgesagte leben länger
  5. Glasfaser – Hoffnung für Stadt und Land
  6. LTE – Wegbereiter ohne Zukunftsaussicht
  7. Fazit

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