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Tanja Loos/Adlon im funkschau Interview

"Nichts bewegt sich in einem Unternehmen langsamer als Kultur"

23. November 2018, 14:28 Uhr   |  Stefan Adelmann | Kommentar(e)


Fortsetzung des Artikels von Teil 1 .

"Die größte Herausforderung ist, das mittlere Management mitzunehmen"

funkschau: Welche Abteilungen müssen Digital-Workplace-Projekte vorantreiben? Ist hier die IT noch feder-führend?

Loos: Der Digital Workplace ist sowohl ein technologisches als auch ein kulturelles Thema. Hier ist Teamgeist gefragt. Voraussetzung ist, dass sich die Geschäftsleitung bewusst für die Umstellung auf digitale Arbeitsplätze entscheidet. Denn der digitale Arbeitsplatz bedeutet nicht einfach die Bereitstellung der Technologie, sondern eine komplette Umstellung der Arbeits- und Denkweise in allen Abteilungen. Hierbei nimmt die IT-Abteilung eine Schlüsselrolle ein, aber auch die jeweiligen Fachabteilungen sind wichtig. Einer Studie zufolge gibt es 29 Rollen, die im Zuge der digitalen Transformation erforderlich sind. Unsere erste Empfehlung ist deshalb immer, ein Team zusammenzustellen, das aus den unterschiedlichsten Bereichen und Führungsebe-nen im Unternehmen besteht. Letztendlich handelt es sich um viele einzelne und dauerhafte Initiativen, die Zeit, Aufmerksamkeit, Begleitung und Fokus brauchen. Auch hier sind Partner, die neutral moderieren und die Sprachen der Fachabteilungen sprechen extrem wichtig.

funkschau: Wo sehen Sie die größten Hürden auf dem Weg zum Digital Workplace? Sind diese eher techni-scher oder unternehmenskultureller Natur? Was kann entsprechende Projekte zum Scheitern bringen?

Loos: Aus der Praxis wissen wir, dass ist die größte Herausforderung ist, das mittlere Management mitzunehmen. Sie sind oft die größten Bedenkenträger und das – teilweise – zurecht, denn sie führen die Veränderungen letztendlich operativ aus. Deshalb ist es wichtig, dass diese den Change strategisch ausrichten und täglich vorleben. Das erfordert eine völlig neue Denkweise, die oftmals sogar zu neuen Geschäftsmodellen führt. Noch spüren die KMUs in Deutschland nicht den starken Druck zur Veränderung - aber Achtung: Verän-derung braucht Zeit und nichts bewegt sich in einem Unternehmen langsamer als die Kultur. Wenn die Digitalisierung erfolgreich gelingen soll, dann sind Zeit und Know-how die entscheidenden Faktoren.

funkschau: Wie ist Ihre Prognose: Wie wird sich zukünftig der Arbeitsplatz eines Büroarbeiters gestalten? Was sind hierbei die wichtigsten Technologien?

Loos: Auf der einen Seite wird mittels passender Technologien und Applikationen, wie zum Beispiel Bots, die Assistenzaufgaben übernehmen und Plattformen für die Zusammenarbeit und Kommunikation der Büroarbeiter definitiv produktiver arbeiten und leichter kommunizieren. Vieles wird sich virtuell abspielen, was den Stand-ort des Mitarbeiters zunehmend unbedeutend macht. Auf der anderen Seite nehmen wir die Strömung wahr, dass der Arbeitsplatz im Unternehmen ein Ort sein muss, der technologisch und strukturell mehr zu bieten hat als der Arbeitsplatz zu Hause. So könnte eine Prognose auch „der hybride Arbeitsplatz“ sein.

funkschau: Wie sieht Ihre Arbeit als IT-Dienstleister im Rahmen von Digital-Workplace-Projekten aus? Geht Ihre Leistung über die „bloße“ Technologie hinaus? Wie fließen kulturelle und strukturelle Themen in die Projekte ein?

Loos: Als IT-Beratungsunternehmen stärken wir das „Digitale Unternehmertun“ im Mittelstand. Neben der technologischen Umsetzung von Digital-Workplace-Projekten, beraten wir unsere Kunden auch. Das heißt wir beschreiten den Weg der digitalen Transformation gemeinsam, gehen von Analyse und Beratung über die Umsetzung bis hin zum Betrieb der Infrastrukturen. Fester Bestandteil ist dabei auch das Change Management: Wie befähigen wir die Menschen aller Hierarchie- und Leistungsebenen dazu, den Change mitzugehen? Dazu bieten wir Workshops und Schulungen an. Die richtige Technologie/Methodik ist die Basis, der Mensch setzt sie aber letztendlich um.

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