Lync Server 2010

Neue Perspektiven für Unified Communications

12. November 2010, 10:24 Uhr | Von Johann Deutinger, Ferrari-Electronic und Markus Kien | Kommentar(e)

Fortsetzung des Artikels von Teil 6

Interview: Lync-Server als PBX-Killer?

Matthias Stender, Datac Kommunikationssysteme.
© Datac kommunikationssysteme

funkschau sprach mit Matthias Stender, Geschäftsführer und Inhaber der Datac Kommunikationssysteme über die bevorstehende Markteinführung des neuen Microsoft-Lync-Server-2010 und sein Potenzial als „PBX-Killer".

 

funkschau: Herr Stender, als Unified-Communications-Spezialist und Mitglied des Microsoft-OCS-Inner-Circle: Was erwarten Sie von der Einführung des unter dem Projektnamen „CS 14" bekannten Micosoft-Lync-Server-2010?
Matthias Stender: Der Microsoft-Lync bietet viel Neues insbesondere beim GUI und in der Architektur. Für Einstiegslösungen ist eine Colocated-Installation von Frontend und Mediation-Server möglich. Damit wird nur noch eine Hardware benötigt. Auch bei der Standort-Vernetzung gibt es spürbare Verbesserungen durch den Einsatz von Survivable-Branch-Office-Appliances (SBA). Bei einem Ausfall der zentralen Komponenten ist die Telefonie am Standort jetzt dennoch sichergestellt. Im Enterprise-Segment ist ein DNS-Load-Balancing möglich. Das senkt die Kosten für eine ausfallsichere Lösung durch den Wegfall teurer IP-Load-Balancer.

 

funkschau: Sie haben bereits erste Testinstallationen realisiert. Wird der Lync-Server die bisherigen PBX-Lösungen und klassische Telefonanlagen vom Markt verdrängen?
Stender: Ich denke, dass der Microsoft-Lync einen echten Wettbewerb für die klassische Telefonie bedeutet. Weniger durch reichhaltige Telefonie-Features, als durch die nahtlose Integration in die IT- und Office-Umgebung. In der Praxis hat sich die Microsoft-UC-Lösung über die reichhaltigen Features, wie IM (Instant-Messaging), Presence, alle Arten von Konferenzen sowie durch Desktop- und Application-Sharing ihren Platz erobert. Die neue Architektur ist jetzt auch in kleineren Environments wirtschaftlich einsetzbar.

Leider ist in der neuen Version die Administration aus dem AD wieder ausgelagert worden. Das mag technisch sinnvoll sein - aber der Single-Point of Administration Vorteil geht verloren.

 

funkschau: Wie kann eine typische Installation aussehen?
Stender: Hier gibt es zwei grundsätzliche Lösungsszenarien: Telefonie und Unified-Communications begrenzt auf eine Lokation oder ein LAN. Hier kann eine Single-Server-Lösung schon bis zu 1.000 Teilnehmer bedienen, abhängig vom Nutzerverhalten.

Die zweite Variante beinhaltet eine Edge-Komponente und ermöglicht die Anbindung der Anwender über das Internet und die direkte Kommunikation über eine so genannte „Federation" mit anderen Firmen.

Beide Lösungen können in der Enterprise-Version beliebig skaliert werden und um zusätzliche Funktionalitäten wie zum Beispiel Call- und Qualitäts-Monitoring und Auswertungen ergänzt werden.

 

funkschau: Webkonferenzen mit externen Teilnehmern könnten gerade kleinen innovativen Unternehmen Vorteile bringen. Doch gerade dort gibt es derzeit Ihrer Meinung nach noch gravierende Hindernisse. Welche?
Stender: Zum jetzigen Stand muss immer ein Communicator, Communicator-Mobile oder der Attendee installiert sein. Ich hätte mir eine rein Browser-basierende Lösung gewünscht, die nicht auf Silverlight basiert. Externe Teilnehmer benötigen zur Installation administrative Rechte.

 

funkschau: Noch eine Frage zur Handhabung. Ist jetzt die Zeit der Headsets angebrochen und die Telefone werden von den Schreibtischen verschwinden?
Stender: Für mich ist ein Arbeiten ohne Headset nicht denkbar - ob mit oder ohne Telefon. Für viele ist ein Telefon jedoch Statussymbol. Microsoft bietet zusammen mit verschiedenen Herstellern eine ganze Reihe von zertifizierten Telefonen - mit USB- oder LAN-Anschluss.

 

funkschau: Wie sieht Ihr Fazit aus? Wagen Sie eine Prognose?
Stender: Microsoft-Lync hat definitiv das Zeug zum PBX-Killer. Ich denke, wir werden in der nächsten Zeit viele Roll-Outs begleiten.   


  1. Neue Perspektiven für Unified Communications
  2. Der Worst-Case für Microsoft-Lync
  3. Der Best-Case für den Lync Server
  4. Ein Umdenken im UC-Markt
  5. Fazit und Ausblick
  6. Studie: UC-Investitionen werden nun nachgeholt

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