Schwerpunkte

Mobile Backhaul im Test

29. Februar 2008, 00:00 Uhr   |  funkschau sammeluser | Kommentar(e)

Zum elften Mal seit 2003 lud das EANTC (European Advanced Networking Test Center) die Hersteller von Netzkomponenten ein, sich mit ihren Lösungen einem anspruchsvollen Interoperabilitätstest zu unterziehen. Aktuell liegt der Schwerpunkt auf Mobile-Backhaul-Technologien.

Von Thomas Sladek

Der Begriff Mobile Backhaul beschreibt eine Netztechnologie, welche die Mobilfunk-Basisstationen mit den Radio Controllern verbindet. Bisher wurden die GSM-Basisstationen über TDM-Verbindungen (Time Division Multiplexing, größtenteils über E1/T1) mit den Radio Controllern verbunden, da hauptsächlich Sprache übertragen wurde. Mit Einführung von 3G-Technologien erlebte ATM (Asynchronous Transfer Mode) als Übertragungsverfahren eine Renaissance und wird nun benutzt, um eine bessere Skalierung zu erreichen. E1-Verbindungen übertragen weiterhin Sprach- und Datendiensten und nutzen ATM.

Da das Datenaufkommen in 3G-Netzen stetig steigt, und E1-Verbindungen zunehmend ineffizient werden, gingen die Hersteller zu Hybrid-Lösungen über. Diese sehen ATM/E1 für Sprachdienste und Ethernet/ IP als Datendienste vor. Die Anzahl der Basisstationen wächst weiter und neue Übertragungstechniken wie LTE (4G) oder Wimax benötigen noch mehr Bandbreite. Daher streben die Provider paketbasierte Mobile-Backhaul-Lösungen an.

Des Weiteren zeichnet sich weltweit der Trend ab, breitbandige Internetanschlüsse für IPTV und VoD zu nutzen. Hinzu kommt hierbei das Bestreben, möglichst überall auch mobil in den Genuss schneller Datenverbindungen zu kommen. Gleichzeitig fragen Firmenkunden immer häufiger zuverlässige mobile Datendienste und Ethernet VPN-Lösungen nach.

Die durch diesen Trend entstehenden neuen Herausforderungen an die Provider hat das EANTC so realistisch wie möglich in einem Testszenario nachgebildet. Es wurde ein integriertes Multi-Service-Core- und Access-Network aufgebaut, welches den hohen Qualitätsansprüchen eines Mobile-Backhaul-Netzes genügt. Interoperabilität ist für Next-Generation-Mobile- Backhaul-Netze umso wichtiger, da nicht nur die Core- und Access-Komponenten üblicherweise von verschiedenen Herstellern erworben werden, sondern auch die Komponenten für die Funkzugangstechnik, CPE-Systeme, am Zugangspunkt und ATM/TDM-Interworking-Komponenten hinzukommen.

Die Vorbereitung und Durchführung der Tests wurde durch das IP-MPLS-Forum und das Metro Ethernet Forums (MEF) unterstützt. Eine geführte Tour während der Hot-Staging-Phase in Berlin wurde von führenden europäischen Providern begleitet. Diese bestätigten auch, dass Next-Generation Mobile Backhaul ein heißes Thema für die Provider ist.

Die Testumgebung sollte so gut wie möglich eine reale Netzinfrastruktur wiederspiegeln. Das entstandene Netzdesign deckte folgende Provider-Szenarien ab:

Access: Sowohl Privat- als auch Geschäftskundendienste wurden über verschiedene Access-Technologien wie Ethernet, SONET/SDH und Ethernet über Richtfunk getestet.

Radio Access Network (RAN): Im Gegensatz zu Festnetzverbindungen benutzt das RAN ganz andere Zugangstechnologien wie 3GPP (GSM, WCDMA, CDMA 2000), 4G oder Wimax. Es wurden im Testaufbau GSM und WCDMA demonstriert.

Metro / Aggregation: Der Testaufbau beinhaltete drei verschiedene Metro-Aggregations- Netze, jeweils mit unterschiedlichen Technologien (MPLS, PBB-TE und T-MPLS) realisiert und als separate Provider- Domänen realisiert.

Core: Über den MPLS-basierten Backbone wurden verschiedene paketbasierte Dienste gestestet.

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1. Mobile Backhaul im Test
2. Ergebnisse
3. Testbereiche

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