Schwerpunkte

Anwendungskritische Netze

Mission-Critical-Netze und die IP-Migration

23. November 2015, 13:07 Uhr   |  Axel Föry, Chief-Executive-Officer bei Keymile

Mission-Critical-Netze und die IP-Migration
© fotolia_germany

Anwendungskritische Netze, etwa von Energieversorgern, unterscheiden sich deutlich von den öffentlichen Fest- und Mobilfunknetzen, in denen IP-Infrastrukturen Standard sind. In Mission-Critical-Netzen haben Sicherheit und Datenverfügbarkeit Priorität. Paketbasierte Technologien haben sich noch nicht in allen Anwendungsszenarien durchgesetzt.

In einem Mission-Critical-Netz gibt es nichts Wichtigeres als die höchste Verfügbarkeit der Verbindungen. Beispiele dafür sind die Netzinfrastrukturen für anwendungskritische Applikationen bei Bahnen, Strom-, Gas- und Wasserbetrieben. Der Ausfall von Daten- und Kommunikationsleitungen in der Signaltechnik, der Zugführung, der Luftraumkontrolle oder der Steuerung und Sicherheitsüberwachung von Öl- und Gaspipelines kann eine Gefahr für Menschenleben bedeuten.

Während in den öffentlichen Fest- und Mobilfunknetzen die Migration in Richtung IP-basierter Technologien schon weitgehend abgeschlossen ist, verhalten sich die Betreiber von Mission-Critical-Netzen abwartend. Dafür gibt es historische Gründe. Bahngesellschaften etwa überwachen und steuern den ordnungsgemäßen Betrieb in ihren Mission-Critical-Netzen mit Lösungen, die auf SDH (Synchrone Digitale Hierarchie)-Technologien beruhen. Aufgrund seiner Funktionalität sorgt die deterministische, leitungsbasierte SDH-Technik für höchste Zuverlässigkeit bei der Übertragung der Daten und Steuersignale.

Ein SDH-Netz arbeitet nach dem synchronen Zeitmultiplex-Verfahren (TDM). Der Transport der Daten erfolgt über zuvor festgelegte und konfigurierte Pfade. Dazu werden Cross-Connects definiert. Ein wichtiges Ziel von SDH ist die möglichst optimale Nutzung von Verbindungs- und Anschlussleitungen. Ist der Pfad festgelegt, bedarf es keiner weiteren Maßnahmen mehr für einen deterministischen Datentransport.

Ein zentrales Merkmal von SDH-Netzen ist das automatische Umschalten auf Ersatzwege im Fehlerfall. In SDH-Ringstrukturen sorgen bestimmte Funktionen für eine Umgehung defekter Segmente. Falls es zu einer Störung kommt, schaltet SDH innerhalb von 50 Millisekunden auf einen Ersatzweg um. Die skizzierten Funktionalitäten sind gute Gründe dafür, dass in den Mission-Critical-Netzen von Bahnen und Energieversorgern, die auf eine höchste Verfügbarkeit anwendungskritischer Daten angewiesen sind, auch in einem überschaubaren Zeitraum noch SDH-Technik zum Einsatz kommt.

Seite 1 von 3

1. Mission-Critical-Netze und die IP-Migration
2. Umstieg auf Ethernet/IP bei neuen Applikationen
3. Transportorientierte Übertragung mit MPLS-TP

Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenAuf Linkedin teilenVia Mail teilen

Das könnte Sie auch interessieren

ALL-IP-Umstellung - jetzt wird es ernst

Verwandte Artikel

KEYMILE GmbH