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Mentalität des Abwartens

05. März 2018, 10:44 Uhr   |  Stefan Adelmann | Kommentar(e)


Fortsetzung des Artikels von Teil 3 .

Umstellung als wichtiger Schritt der Digitalisierung

Der Hype kommt noch
Letztlich dürfte diese ISDN-IP-Übersetzung aber eine temporäre Lösung bleiben. Verschiedene Marktbeobachter bestätigen zwar, dass ein Umstiegs-Boom bei den TK-Anlagen aktuell noch ausgeblieben ist, gehen aber gleichzeitig davon aus, dass er sich nur um wenige Jahre verschieben könnte. Dann, wenn die Verträge für die Kommunikationssysteme auslaufen oder sie nicht mehr arbeiten, soll der Wechsel zu vollumfänglichen IP-Lösungen folgen.

Nicht zu unterschätzen ist aktuell aber nichtsdestotrotz der Anteil jener Unternehmen, die ihre Kommunikationsinfrastruktur bereits jetzt umgerüstet haben. Immerhin 41 Prozent der Teilnehmer einer Umfrage des Netzwerkausrüsters Lancom haben diesen Weg gewählt und in VoIP-TK-Anlagen, Soft-PBX oder auch IP-Centrex-Lösungen investiert. Ein Effekt, der bereits im Markt zu spüren ist, wie Cloud-Telefonie-Anbieter Nfon berichtet. „Wir wachsen anhaltend und können auch bei der Nachfrage keine Zurückhaltung oder gar einen Abwärtstrend erkennen“, berichtet Markus Krammer, Vice President bei Nfon. „Unternehmen sehen heute die Vorteile des Tech-Umstiegs sehr deutlich. Und meist stehen Kosteneinsparungen hierbei nicht einmal im Vordergrund.“ Viel bedeutender sollen hingegen eine moderne Kommunikationsumgebung, Attraktivität für neue Mitarbeiter, Mobilität und Flexibilität sowie die Reduzierung der Kommunikationshürden sein. In Hinblick auf den Markanteil von Cloud-Telefonie, der in Deutschland aktuell noch im einstelligen Prozentbereich liegt, und damit deutlich hinter Regionen wie beispielsweise Großbritannien oder den Niederlanden, erwartet Krammer für die kommende Zeit daher einen deutlichen Sprung. „Die deutsche Mentalität war schon immer durch Behutsamkeit, Abwarten und Beobachten geprägt. Wir sind jedoch der Ansicht, dass der Schalter zum heutigen Zeitpunkt umgelegt ist und wir die Beobachtungsphase in Deutschland hinter uns gelassen haben.“ In Deutschland sollen die Marktzahlen daher in den nächsten beiden Jahren signifikant steigen, so der Vice Preisdent von Nfon. Kunden würden demnach zusehends feststellen, dass es sich um eine „zuverlässige und ausgereifte Technologie“ handelt. Auch Thomas Gehb, Geschäftsführer des ITK-Dienstleisters Blueconnect, hatte auf dem HFO Kick Off bestätigt, dass Cloud-TK-Anlagen mittlerweile in jedem Beratungsgespräch ein wichtiges Thema sind. „Der große Hype kommt aber erst noch“, erklärte er. „Erst kommt die IP-Umstellung, und wenn dann die Anlagen ausfallen, dann kommt auch die Cloud.“

Letztlich setzen viele Technologien auf IP auf und die Umstellung ist ein wichtiger Schritt der Digitalisierung innerhalb der Unternehmen. Es zeichnet sich jedoch ein deutliches Bild der zwei Geschwindigkeiten im Markt ab: Auch wenn die Netzbetreiber die IP-Umstellung wie geplant in den kommenden Monaten umsetzen sollten, bedeutet dies nicht, dass jedes Unternehmen umgehend bei dieser Strategie mitzieht – aus vielschichtigen Gründen. Die Modernisierung der TK-Anlagen und anderer Geräte soll sich noch über einige Jahre erstrecken. „Bei vielen Kunden wird wohl auch in fünf Jahren noch ein Fax stehen“, prognostiziert HFO-Vorstand Achim Hager. Aber auch wenn Überbrückungslösungen wie Media Gateways eine schnelle, sichere und kostengünstige Option darstellen, muss sich jedes Unternehmen auf kurz oder lang dem IP-Umstieg stellen, auch wenn es vielerorts noch Vorbehalte gegenüber VoIP und nach wie vor viele ISDN-Verfechter gibt. „Es dürfte aber kein Geheimnis mehr sein, dass der Kupferdraht ausgeglüht ist“, konstatiert Krammer.

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1. Mentalität des Abwartens
2. "Media Gateways erfüllen eine wichtige Aufgabe"
3. Intensive Vorbereitung ist ausschlaggebend
4. Umstellung als wichtiger Schritt der Digitalisierung
5. Kommentar: Versäumnisse der Politik

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