Multi-Cloud

Mehr Flexibilität durch mehr Aufwand?

9. Dezember 2016, 9:16 Uhr | Autor: Achim Weiss / Redaktion: Diana Künstler | Kommentar(e)
Cloud-Computing
© Jozef MiÄic-123rf

Ist das Multi-Cloud-Konzept gelebte Praxis, weil es sich aus den Anforderungen des IT-Alltags einfach ergibt? Oder ist es das Cloud-Zukunftsmodell, um Flexibilität, Kosten und Compliance unter einen Hut zu bringen?

Das Multi-Cloud-Szenario ergibt sich derzeit fast zwangsläufig aus den aktuellen Entwicklungen im Bereich des Cloud-Computing. Hinter dem Konzept steckt der Ansatz, mehrere Cloud-Infrastrukturen sinnvoll miteinander zu integrieren, um von den Vorteilen der jeweiligen Angebote zu profitieren. Dadurch erhöht sich der Administrationsaufwand für die Cloud deutlich.

Manche IT-Strategien werden nicht erdacht oder erörtert, sie entstehen einfach. Die Multi-Cloud ist ein solches Konstrukt, welches sich gewissermaßen aus den Anforderungen des IT-Alltags ergibt. Bei vielen Unternehmen beginnt alles damit, dass sie zusätzliche Speicher- und Datenaustauschdienste wie Dropbox nutzen. Möglicherweise kommen dann Anwendungen aus der Cloud hinzu – von Office 365 über die Anwendungen der Adobe Suite, die nur noch als Cloud-Lösung zu haben sind, bis hin zu Spezialanwendungen, die nur für einzelne Projekte benötigt und gebucht werden. Dazu nutzen Unternehmen vermehrt Ressourcen aus der Cloud, um nicht mehr nur etwa Lastspitzen bei Entwicklungsprojekten oder Marketing-aktionen abzufangen, sondern mittlerweile sogar ganze Unternehmens-IT-Bereiche in die Wolke zu verlagern. Und dass die Mitarbeiter, dank einer lockeren Bring-Your-Own-Device-Policy, nicht nur ihre eigenen Geräte, sondern auch ihre private Cloud nutzen, ist keine Seltenheit. Ehe man sich versieht, vertraut man verschiedenen Clouds unterschiedliche Teilprozesse an.

Als wahre Multi-Cloud können dieses oder ähnliche Szenarien hingegen kaum gelten. Denn im Gegensatz zur Hybrid-Cloud geht das Multi-Cloud-Konzept über die geschilderten Fälle oder die Verbindung von On-Premise-Ressourcen mit einer einzigen Public-Cloud hinaus. Vielmehr steckt die Integration von Cloud-Ressourcen oder Cloud-Anwendungen verschiedener Anbieter dahinter. Die Betonung liegt dabei auf „Integration“ – das ist vielmehr als nur die Nutzung, um ein ganz bestimmtes Problem zu lösen. Soll heißen: Die Idee hinter der Multi-Cloud ergibt sich aus den täglichen Anforderungen an die IT, denn für viele Herausforderungen stehen Cloud-Lösungen bereit. Aber bei den meisten Unternehmen findet die so wichtige Integration bisher noch kaum statt. 

Aus vielen Cloud-Lösungen eine Multi-Cloud machen
Cloud-Computing ist zu einer echten Alternative zur On-Premise-Infrastruktur geworden. Waren europäische und vor allem deutsche Unternehmen anfangs zurückhaltend und skeptisch, hat sich der Markt auch hierzulande inzwischen solide und positiv entwickelt. Verhalten zu reagieren, bedeutete in diesem Fall nicht zwingend hinterherzuhinken. Im Gegenteil: Die Unternehmen profitieren jetzt von einem deutlich belebten Wettbewerb mit zahlreichen Anbietern und ausgereifteren, technisch versierteren Angeboten. Gerade diese Vielfalt des Marktes ist es, die ein Multi-Cloud-Szenario interessant macht. Aus zahlreichen Software-as-a-Service-Angeboten können Kunden auswählen, was ihren individuellen Anforderungen am nächsten kommt. Weit verbreitet ist beispielsweise die Nutzung von Entwicklungsumgebungen für Anwendungen und Apps aus der Cloud, die praktischerweise gleich nützliche Zusatztools und Datenbanksysteme enthalten. Vertriebssysteme, Analyse-Werkzeuge, Spezialanwendungen aller Art oder eben gleich die gesamte Office-Umgebung: Sowohl die meisten Software-Hersteller als auch zahlreiche SaaS-Dienstleister bieten interessante Cloud-Modelle. Meist hat nicht ein einzelner Anbieter alle benötigten Tools im Programm – kein Problem, wenn man einer Multi-Cloud-Strategie offen gegenübersteht.

Neben der flexiblen Buchung von Software aus der Cloud gibt es weitere Gründe, für verschiedene Anforderungen unterschiedliche Lösungs-Anbieter zu wählen. Compliance-Anforderungen beispielsweise veranlassen Unternehmen, bestimmte Dienste nur bei Anbietern aus Deutschland zu buchen. Dienstleister mit Sitz in Deutschland unterliegen den hiesigen Datenschutzbestimmungen ganz besonders. Die Regelungen hierzulande sind deutlich strenger als die Vorschriften, denen sich beispielsweise amerikanische Anbieter zu beugen haben. Wann etwa Geheim-dienste oder andere Regierungsstellen Daten anfordern können, ist – aus deutscher Sicht – in den USA eher willkürlich geregelt. Sieht die amerikanische Regierung die nationale Sicherheit in irgendeiner Weise gefährdet, können die Dienstleister zur Kooperation gezwungen werden. Vielen deutschen Unternehmen ist das zu vage und so wählen sie für die Verarbeitung sensibler Daten deutsche Anbieter.

Nicht zuletzt sind es die Kosten, die Unternehmen auf mehrere Anbieter zurückgreifen lassen. Entweder eine bestimmte Lösung ist bei der Konkurrenz günstiger zu haben oder aber besondere technische Vorzüge, wie etwa echte dediziert verfügbare Cores für mehr Rechenleistung, machen den dynamischen Wechsel der Infrastruktur interessant. Vor diesem Hintergrund haben sich Cloud-Marktplätze entwickelt, auf denen Ressourcen im Minutentakt geordert und wenn gewünscht, von einem zum anderen Anbieter umgeshiftet werden. Der betreffende Workload muss für derartige Szenarien geeignet sein und die Auswirkungen auf das Cloud-Management sind immens.

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