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Löst das Internet die klassische Telefonie ab?

13. November 2018, 11:55 Uhr   |  Autor: Richard Mann / Redaktion: Axel Pomper

Löst das Internet die klassische Telefonie ab?
© Fotolia.com; Photographee.eu

Bis zum Ende des Jahres 2018 möchte die Telekom sämtliche noch bestehende ISDN-Anschlüsse endgültig abschalten. Abgelöst wird die Technologie von der IP-Telefonie, denn diese ist bei vergleichbarer Leistung wesentlich billiger. Dies wirft die Frage auf: Ist Internettelefonie die Zukunft?

Betroffen sind von der ISDN-Abschaltung längst nicht nur private Anschlüsse, sondern vor allem Geschäftskunden müssen flächendeckend umstellen – und zwar auf VoIP. Um eine neue Technologie handelt es sich dabei aber eigentlich nicht. Im Gegenteil: Bereits im Jahr 2004 sagten die Medien einen weltweiten Boom der VoIP-Technologie voraus. Bislang blieb dieser allerdings aus, was vor allem in Sicherheitsbedenken begründet liegt. Nichtsdestotrotz befindet sich die Internettelefonie auf dem Vormarsch, daran gibt es keinen Zweifel. Bis zu 70 Prozent aller deutscher Unternehmen haben in den vergangenen Jahren auf die VoIP-Technologie umgestellt, woran zwar auch die ISDN-Abschaltung schuld war, jedoch versprechen sich die Geschäftskunden davon in erster Linie Kosteneinsparungen. Mit VoIP-Anlagen ist nämlich keine Doppelverkabelung mehr notwendig. Zugleich ist deren Administration weniger aufwändig und somit kostengünstiger. Zuletzt schlagen auch die Verbindungskosten selbst geringer zu Buche, was sich vor allem bei Großunternehmen innerhalb kürzester Zeit amortisiert.

Deutschland hinkt bei der Internettelefonie hinterher

Demgegenüber stehen aber die bereits erwähnten Sicherheitsbedenken vieler Nutzer. Problematisch ist zudem, dass VoIP-Anlagen noch nicht flächendeckend sowie zuverlässig eine hohe Sprachqualität gewährleisten. Hierfür bedarf es stattdessen eine äußerst leistungsfähige Internetverbindung, welche wiederum nicht in ganz Deutschland entsprechend ausgebaut ist. Dies erklärt, weshalb der VoIP-Boom bislang hinter den Erwartungen zurückblieb. Zudem schrecken vor allem KMUs sowie Privatpersonen vor einer Umstellung ihrer Telefonanlagen zurück. Wieso? Unternehmen fürchten hohe Kosten, da sie unter Umständen nicht nur die Anlage selbst, sondern auch alle Endgeräte austauschen müssen. Für sie würde dies bedeuten, dass alle bisher getätigten Investitionen in die Netzwerktechnik sowie Infrastruktur vergebens waren.

Bei Privatpersonen liegt der Hauptgrund derweil in der rasanten Weiterentwicklung des mobilen Bereichs. Vor allem die jungen Nutzer – die sogenannten „Digital Natives“ – kommunizieren fast ausschließlich über ihr Smartphone und das am liebsten via Messenger. Das Telefon, sei es mobil oder via Festnetz, als Kommunikationsmittel verliert im privaten Sektor also zunehmend an Bedeutung und auch im Geschäftsleben sind mittlerweile die E-Mails auf Platz eins angekommen. Somit könnte die VoIP-Telefonie überholt werden, bevor sie überhaupt ihr volles Potenzial entfalten konnte. Denn mittlerweile gibt es schon zahrleiche neue Technologien auf dem Markt. Dass Internettelefonie die Zukunft darstellt – daran zweifelt mittlerweile nämlich kaum noch jemand. Wohl aber daran, dass es sich dabei dauerhaft (nur) um VoIP handeln wird.

Mobile Internettelefonie befindet sich auf dem Vormarsch

Noch dient VoIP vor allem als Ersatz für das klassische Festnetztelefon via ISDN. Doch die Nutzung von Festnetzanschlüssen lässt vor allem in den jüngeren Generationen stetig nach. Sie nutzen stattdessen vermehrt ihre Smartphones für das Telefonieren – auch für die Internettelefonie. Denn mobile Lösungen wie Skype oder Whatsapp bieten den Nutzern mittlerweile die Möglichkeit, über das Internet zu telefonieren, und zwar auch über Ländergrenzen hinweg kostenlos, wenn eine entsprechende WLAN-Verbindung besteht. Für die Mobilfunkanbieter bedeutet das Konkurrenz in einem umkämpften Markt mit einem weltweiten Volumen von rund 692 Milliarden Dollar. Denn Tools wie ein Skype-Client für das iPhone oder die Sprachanruf- beziehungsweise Videoanruf-Funktion sorgen dafür, dass Telekom & Co immer mehr Nutzer wegbrechen, wenn es um die Telefonie via Smartphone geht. Lange Zeit wurden dafür Lösungen diskutiert wie das flächendeckende Sperren entsprechender Angebote – welche sich jedoch nicht durchsetzen konnten und ohnehin zu rechtlichen Schwierigkeiten geführt hätten. VoIP via Smartphone, so lautet also der aktuelle Trend, wenn es um die Internettelefonie geht. Möglich gemacht hat das die 4G-Netzwerk-Technologie LTE, vorangetrieben durch den deutschlandweiten LTE-Ausbau – auch, oder vor allem, durch die Telekom selbst. Deshalb wird diese Form der mobilen Internettelefonie auch als VoLTE bezeichnet.

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2. Mobilfunkanbieter setzen mit WiFi-Calling dagegen

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