LTE

Kuck‘ mal, wer da spricht...

29. November 2011, 15:08 Uhr | Ralf Johanning, freier Journalist | Kommentar(e)

Fortsetzung des Artikels von Teil 2

Heraus mit der Sprache!

So kraftvoll LTE beim Datenaustausch daher kommen mag, mit der mobilen Sprachtelefonie hat die Technik so gar nichts am Hut. Sie ist schlicht und einfach im Standard der weltweiten Kooperation von Standardisierungsgremien (3GPP) nicht vorgesehen. Daher müssen sich die Netzbetreiber gut überlegen, welche strategischen Optionen sie jetzt wählen, damit aus einem neuen Smartphone mit LTE auch ein Gerät zum Telefonieren wird – und zwar überall. Ein Handover, also der Wechsel in die anderen Mobilfunktechniken, sollte dabei auch gewährleistet sein. Denn falls LTE mal schwächer wird, wünscht sich kein Nutzer den Abbruch der Verbindung – egal, ob es sich dabei ums Internet oder ein Telefongespräch handelt.

In der aktuellen Diskussion stehen vier technische Ansätze: Eine Möglichkeit wäre Circuit-Switched-Fallback (CSFB), die in der frühen Phase des Ausbaus von 3GPP favorisiert wird. Hierbei bietet der Netzbetreiber ausschließlich Datenverbindungen über LTE an. Die Telefonie läuft weiterhin über etablierte Standards wie GSM oder UMTS – je nach Verfügbarkeit. Der Nachteil bei dieser Variante ist jedoch, dass sich das Endgerät zuerst die nächste GSM- beziehungsweise UMTS-Zelle suchen muss. Damit dauert der Verbindungsaufbau einige Sekunden und macht die Telefonie nicht ganz so attraktiv. Zusätzlich werden aktive Datenverbindungen über LTE dann getrennt. Außerdem bleibt es bei der bisherigen Abdeckung des Mobilfunknetzes. So lassen sich keine Synergien zwischen den einzelnen Techniken herstellen. Auch die NGMN Alliance (Next-Generation-Mobile-Networks) empfiehlt die Lösung daher nur als Minimalansatz. Zu Beginn hat diese Architektur jedoch große Chancen, akzeptiert zu werden.

Für die Zukunft scheinen alle Wege Richtung IMS-basierender Sprachdienste zu führen. Das IP-Multimedia-Subsystem (IMS) soll bei LTE als zentrale Vermittlungsinstanz auf Internet-Protocol (IP)-Basis in drahtlosen und drahtgebundenen Netzen arbeiten. Dabei hat es die Aufgabe, den Betrieb und die Zusammenarbeit mit einer Vielzahl externer Netze über definierte Bezugspunkte zu unterstützen. Die Voraussetzungen für die einheitliche Kommunikation soll dabei das Session-Initiation-Protocol (SIP) bei der Signalisierung liefern. Dabei wird auf eine hohe Qualitätssicherung großen Wert gelegt. So können dann auch sämtliche Kommunikationsdienste von der Telefonie bis zum Video angeboten werden. Auf jedem beliebigen Endgerät wären dann weitere Dienste wie Instant-Messaging oder Präsenzfunktionen möglich. Weitere Schnittstellen direkt in die Geschäftsprozesse ins ERP oder CRM wären ebenfalls denkbar.

Die Architektur hat viele Befürworter. So haben sich viele Netzbetreiber und Hersteller im vergangenen Jahr zur Initiative „Voice-over-LTE“ zusammengeschlossen. Dabei haben sie sich auf Minimalanforderungen für Voice-over-LTE geeinigt, wozu auch Richtlinien zum Roaming sowie zum Handover gehören. Der Handover vom IP-basierten LTE-Telefonat zu dem in GSM beziehungsweise UMTS üblichen Mechanismus wird gerade zu Beginn, wenn noch keine hinreichende LTE-Netzabdeckung erreicht ist, eine besondere Rolle spielen. Man spricht hier auch von Single-Radio-Voice-Call-Continuity (SRVCC), weil nur ein Funknetzwerk zur selben Zeit aktiviert ist und der Sprachruf trotz Domänenwechsel erhalten bleibt.

Eine dritte Möglichkeit, um die Telefonie mit einzubinden, wäre Voice-over-LTE via Generic-Access (VoLGA). Der Schlüssel dieser Lösung ist ein Gateway, das andere Mobilfunktechniken wie GSM oder UMTS mit LTE verbindet. Technisch übernimmt das Gateway via IP die Steuerung der Telefonie über Computernetzwerke. Dafür benötigt man einen VoLGA-Network-Controller (VANC), der in die bestehende GSM- beziehungsweise UMTS-Schnittstelle integriert werden würde. So wäre es nicht nötig, automatisch auf eine geringere Übertragungsgeschwindigkeit zurückzuschalten. Auch die Rufaufbauzeiten bleiben gleich. Der Nutzer würde so keinen Unterschied zu den bisherigen Anwendungen feststellen. Dennoch bezweifeln viele, dass sich diese Architektur durchsetzen könnte. Dafür verantwortlich ist wahrscheinlich auch 3GPP. Die weltweite Kooperation priorisiert VoLGA in den Releases 8 und 9 nicht mehr.

Wenn LTE schon schnelle Datenraten bieten kann, dann könnten die Netzbetreiber eigentlich auch auf entsprechende Lösungen zurückgreifen. Skype oder Google-Talk bieten schon solche proprietären Anwendungen an. Diese Over-the-top (OTT)-Lösungen machen die Telefonie über eigene Clients für Smartphone-Betriebssysteme wie Symbian, I-OS oder Android möglich. Der Nachteil dieses Ansatzes ist jedoch der, dass ein Handover von LTE in die anderen Mobilfunktechniken nicht machbar ist. Auch wenn immer mehr Netzbetreiber die Technik für Smartphones erlauben.

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  1. Kuck‘ mal, wer da spricht...
  2. Theorie vs. Praxis
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