IT- und Telekommunikation

Karrierebremsen für Frauen in der Digitalbranche

27. März 2019, 14:21 Uhr | Natalie Lauer | Kommentar(e)
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Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf soll der Grund für den geringen Anteil von Frauen in Führungspositionen sein. Das sehen ganze sechs von zehn Unternehmen aus diesem Bereich so. Dazu gesellen sich eine Reihe von weiteren Hürden, die Frauen in Sachen Karriere blockieren.

Die größte Karrierebremse für Frauen in der Digitalbranche verkörpert auch heute noch die schwierige Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Zu diesem Ergebnis kam eine repräsentative Befragung von mehr als 500 Unternehmen aus der IT- und Telekommunikationsbranche, die im Auftrag von Bitkom erfolgte. Als Grund für den geringen Frauenanteil in Führungspositionen in der ITK-Branche sehen sechs von zehn Personalverantwortlichen (62 Prozent) das Defizit der Infrastruktur der Kinderbetreuung. 52 Prozent der Befragten, also etwa jeder zweite, betrachtet beispielsweise den fehlenden Kontakt während der Elternzeit, ungünstige Arbeitszeiten oder ein Festhalten seitens der Unternehmen an der Präsenzkultur als Faktoren für den schwierigen Wiedereinstieg. Darüber hinaus behaupten 46 Prozent, dass Mädchen in der Schule nicht ausreichend in MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) gefördert werden. 45 Prozent behaupten, dass männliche Mitarbeiter gegenüber ebenso kompetenten Kolleginnen bevorzugt werden.

„Wirtschaft und Politik sind gefragt, eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu ermöglichen. Dazu zählen flexible Arbeitszeitmodelle wie etwa Jobsharing und der weitere Ausbau von Kinderbetreuungseinrichtungen“, bemerkt Bitkom-Präsident Achim Berg zur Karriereförderung von Frauen in der IT. „Es ist zudem wichtig, Kinder und Jugendliche in den Schulen für digitale Technologien zu begeistern und dabei keine Unterschiede zwischen den Geschlechtern zu machen. Die Erfahrung zeigt, dass selbst talentierte Mädchen ihr Interesse an technischen Themen verlieren, wenn sie darin nicht gezielt gefördert werden“, betont Berg anlässlich des Girls‘ Day, der am 28. März stattfindet. Ziel des bundesweiten Berufsorientierungstags ist es, Mädchen dazu zu bewegen, technische und naturwissenschaftliche Berufe anzustreben.

Zu den genannten Gründen gesellen sich laut der Befragten auch Probleme bei der Auswahl weiblicher Führungskräfte. 61 Prozent betrachten die Anzahl qualifizierter Frauen als zu gering. 47 Prozent sind der Überzeugung, dass sich weibliche Kandidaten schlechter vermarkten, als ihre männliche Konkurrenz. Jeder vierte Personalverantwortliche (25 Prozent) macht die geringe Attraktivität der Branche für Frauen verantwortlich. Hingegen spielen für 22 Prozent, und damit für jeden fünften, traditionelle Rollenbilder eine Rolle. Jeder achte (13 Prozent) ist der Meinung, dass fehlende Netzwerke für Frauen zum Problem beitragen.

Hinweis zur Methodik: Grundlage der Angaben ist eine Umfrage, die Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom durchgeführt hat. Dabei wurden Diversity-Verantwortliche, Frauen-/Gleichstellungsbeauftragte, HR-Manager bzw. Geschäftsführer von 504 Unternehmen ab 10 Mitarbeitern in der IT- und Telekommunikationsbranche telefonisch befragt. Die Fragestellung lautete: „Welche Faktoren haben Ihrer Meinung nach dazu beigetragen, dass der Frauenanteil in Führungspositionen in der ITK-Branche relativ gering ist?“ (Mehrfachnennungen möglich).

 

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