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Kommentar: ITK-Know-how

IT ist vom Mars und TK ist von der Venus

11. Februar 2016, 09:03 Uhr   |  Mathias Hein | Kommentar(e)

IT ist vom Mars und TK ist von der Venus
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funkschau-Kolumnist Mathias Hein, freier Consultant in Neuburg an der Donau

Die Kluft zwischen den Menschen die sich im Daten- und im Sprachbereich tummeln ist so alt wie die Digitaltechnik. Dieser Graben zwischen den Fachbereichen sollte jedoch im 21. Jahrhundert längst zugeschüttet sein.

Der Titel eines der am häufigsten verkauften Bücher lautet: "Männer sind vom Mars, Frauen von der Venus". Dass es (wenigstens) 1.001 Unterschiede zwischen Mann und Frau gibt, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Doch meistens wird unterschätzt, wie sehr sich diese Unterschiede im Alltag auswirken können. Die Autorin Cris Evatt erforscht in ihrem Buch, wie Männer und Frauen ihre Umgebungen wahrnehmen und wie sich dies in der Kommunikation niederschlägt.

Die Unterschiede zwischen den IT- und Telekommunikationsabteilungen sind ähnlich: Die "Datenmenschen" leben auf einem vollkommen digitalen Planeten und die "Sprachmenschen" sind vorzugsweise in einer analogen Welt zu Hause. Fakt ist, dass sich beide Gruppen oft nicht miteinander verstehen. Die Kluft zwischen den beiden Lagern hat sich zu dem Zeitpunkt aufgetan, als sich die Bedeutung der sprachorientierten Dienste in den Unternehmen zu den datenzentrischen IP-Netzwerken (MPLS, VoIP, SIP, Internet) verschob. In den vergangenen Jahrzehnten hat die Datenkommunikation die öffentliche und die unternehmensinterne Diskussion erobert und die Sprachkommunikation wurde in eine Nische geschoben. Inzwischen fällt das Telekommunikationspersonal unter Zuständigkeit der IT-Abteilungen. Die Trennung in den Köpfen der jeweiligen Ressorts besteht jedoch weiterhin fort.

Es gibt verschiedene Faktoren warum viele IT-Mitarbeiter sich nicht mit dem Thema Sprache auseinander setzen können beziehungsweise wollen. Die wichtigste Ursache lautet: Die Unternehmen bezahlen für das Daten-Know-how erheblich höhere Löhne und diese liegen in der Regel weit über den Löhnen der TK-Administratoren beziehungsweise Fernmelder. Als Mitglied des exklusiven Clubs der Datenspezialisten erweitert man ständig sein Know-how und steigert dadurch zwangsläufig seine Verdienstmöglichkeiten. Ein Fernmelde- beziehungsweise TK-Fachmann kann noch so viel Zeit und Energie investieren, er wird schon durch die niedrigeren Einstiegsgehälter immer im Nachteil sein.

Allerdings kommt es immer wieder vor, dass ein TK-Profi von der Telefoniewelt in die Datenwelt aufsteigt. Der umgekehrte Weg kommt so gut wie nie vor. Auch bei der Zusammenlegung der beiden Abteilungen - dem großen Versprechen der IP-Migration - wird immer der Datenmensch zum Abteilungsleiter für die vereinigte Abteilung ernannt. Ausnahmen bestätigen die Regel, aber mit der Realisierung der digitalen Unternehmen, verfügt das IT-Personal über ein höheres Wertgefühl als deren Kollegen aus der Fernmeldeabteilung.

 

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1. IT ist vom Mars und TK ist von der Venus
2. Zentrale versus dezentrale Steuerung
3. Gerüchte und Licht am Horizont

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