Cloud-Computing

IP-Kommunikation braucht Session-Border-Controller

3. November 2015, 10:14 Uhr | Jörg Nüsken, Business-Development-Manager bei Ferrari Electronic | Kommentar(e)

Fortsetzung des Artikels von Teil 1

Smarte Zusatzfunktionen für die Kommunikation

© Ferrari Electronic

Häufig sind die SBC zwischen den verschiedenen SIP-Entitäten installiert, beispielsweise zwischen der Telefonanlage und der UC-Lösung. Je nach Einsatzszenario übernehmen sie verschiedene Aufgaben:

  • Zunächst sorgt ein SBC für eine zuverlässige Interoperabilität: Grundsätzlich arbeiten SBC als „Back to Back User Agents“ (B2BUA), die für beide Partner eines VoIP-Rufs auf jeder Seite eine separate Session erzeugen und diese entsprechend anpassen können. Standard-SIP hat zahlreiche Erweiterungen, so dass es viele Detailvariationen gibt. Einige der SIP-Provider verlangen beispielsweise besondere SIP-Header. UC-Lösungen und IP-basierte Telefonan-lagen (PBX) hingegen legen den Fokus auf ihre eigene Architektur. In Folge sind Themen wie Media-Bypass und Verschlüsselung deutlich höher gewichtet. Dies erkennt und verarbeitet ein SBC.
  • Außerdem unterstützen SIP-Trunks häufig nur eine Form von SIP, zum Beispiel das User-Datagram-Protokoll (UDP). Dieses Protokoll ist für die Adressierung zuständig, sichert die Datenübertragung aber nicht. Dem gegenüber steht die interne Kommunikation, die SIP über das Transmis-sion-Control-Protocol (TCP) und Transport-Layer-Security (TLS) erfordert. Unternehmen, die einen SBC verwenden, können zwischen beiden Formen problemlos vermitteln. Eine weitere Anforderung an den SBC ist die Übersetzung zwischen verschlüsselten und unverschlüsselten Verfahren wie RTP und SRPT.

Einbindung von Fax und analogen Endgeräten

Der SBC kann neben VoIP-Rufen auch Faxrufe separat erkennen und routen. Letztere werden entweder durchgeleitet oder erst in das T.38-Protokoll gewandelt und dann entsprechend verteilt. Einige der Gateways können Faxnachrichten sogar ohne dedizierten Faxserver autonom verarbeiten. Physikalische SBC verfügen über analoge FXS-Ports oder SIP-ATAs, mit deren Hilfe sie analoge – oder ISDN-basierte – Geräte wie Türöffner, Schranken oder Alarmsysteme ansprechen. Diese Verbindungen in die analoge Welt haben zwei Vorteile: Sie sorgen bei einer Migration auf IP für größtmöglichen Investitionsschutz und erhalten alle denkbaren Kanäle, auf die das Unternehmen nicht verzichten möchte.

SBC virtualisieren – Abschied von der Hardware  

Die SBC übernehmen ihre Aufgaben – Sicherheit, Interoperabilität, Hochverfügbarkeit und Erweiterung um analoge Anschlüsse – entweder als physikalische Hardware oder virtuelle Appliance. Aber nur virtualisierte Mediagateways verwirk-lichen den rein Software-basierten Ansatz von Unified-Communications. Die Virtua-lisierung senkt die Kosten im Hardware-bereich, verringert den Strombedarf des Unternehmens und verbessert die Verfügbarkeit der Telefonie drastisch, da sie die Ausfallzeiten unter der Wahrnehmungsschwelle hält.

Virtuelle Gateways skalieren flexibel durch Zuweisung von entsprechenden Ressourcen. Vor allem die Anzahl fest zugewiesener CPU-Kerne bestimmt die Leistung und damit die Anzahl parallel nutzbarer Kanäle. Ab etwa 100 bis 200 simultanen Verbindungen empfiehlt sich die Aufteilung auf mehrere Systeme. Die Übertragung von Sprachdaten im RTP-Protokoll benötigt ein gutes Echtzeitverhalten, deshalb müssen ITK-Verantwortliche bei der Installation darauf achten, dass die virtu-elle Maschine nicht von parallel laufenden Systemen ausgebremst wird. Moderne Virtualisierungs-Umgebungen bieten dafür eine Reihe von Einstellungen, mit denen das notwendige Feintuning erfolgen kann. Ist dies nicht möglich oder sind die Anforderungen bezüglich der parallelen Verbindungen besonders hoch, kann dieselbe Software auch direkt auf physikalischen Serversystemen installiert und ohne Virtualisierung betrieben werden.

Ein virtuelles Gateway – inklusiver seiner SBC-Funktionen – wird in der Regel sehr schnell ausgerollt: Einfach von einem entsprechenden Installations-Image booten und zehn Minuten später ist das Gateway bereit für die Ersteinrichtung. Anschließend sollte die virtuelle Maschine gesichert werden, damit sie beim Ausfall des Hostsystems schnell auf einem anderen System bereitgestellt werden kann. Damit erreichen Unternehmen eine Hochverfügbarkeit, wie sie mit keinem Hardware-Kommunikationscontroller möglich ist.

Fazit und Ausblick

Ob aus Sicherheitsgründen, zur Migra-tion auf All-IP oder zur Anbindung analoger Geräte und Fax: Gateways, die über SBC-Eigenschaften verfügen, sind für alle Unternehmensgrößen und -formen eine relevante Komponente auf dem Weg zu einer flexiblen und hoch performanten Unternehmenskommunikation.  

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