Studie von Kroll Ontrack

Identität in Gefahr

27. November 2017, 12:44 Uhr | Natalie Ziebolz | Kommentar(e)
Identität
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Privatanwender und Unternehmen löschen die Daten auf ihren gebrauchten Laufwerken nur sehr unzureichend. Damit gefährden die Betroffenen nicht nur die eigene Privatsphäre, sondern auch die Privatsphäre anderer.

Eine aktuelle Studie vom Kroll Ontrack macht deutlich, wie unbedacht viele Menschen mit ihren personenbezogenen Daten umgehen. Das auf Datenrettung spezialisierte Unternehmen analysierte hierzu gebrauchte Laufwerke, um zu sehen, ob sich darauf noch Datenspuren finden lassen. “Vielfach herrscht immer noch die Meinung vor, dass durch einfaches ‘Löschen’ per Mausklick, das Leeren des Papierkorbs oder der Neuformatierung eines Laufwerks, Daten unwiederbringlich gelöscht werden können”, erklärt Michael Nuncic, Marketing Communications Manager bei Kroll Ontrack, die Problematik. Doch der Gegensatz ist der Fall: “Einfaches Löschen entfernt nur das Verzeichnis zum Speicherplatz der Datei, die Daten selbst bleiben bestehen”, so Nuncic weiter. Oftmals reiche eine einfache Datenrettungssoftware, um die Informationen wieder herzustellen. Der neue Nutzer kann dann auf teils sensible Daten zugreifen. Damit wird der Verkauf von digitalen Geräten zur Frage des Identitätsschutzes.

Insgesamt 64 über Ebay gekaufte Laufwerke aus Deutschland, Frankreich, Italien, den USA, dem asiatisch-pazifischen Raum, Polen und Großbritannien analysierte das Datenrettungsunternehmen. Dass auf 30 (47 Prozent) von ihnen noch Datenspuren zu finden waren, ist bereits alarmierend, die Sensibilität der Daten macht die Nachlässigkeit jedoch besonders besorgniserregend: Benutzernamen, private Adressen, Telefonnummern und Kreditkartendaten – das alles ließ sich auf dem Laufwerk eines Unternehmens finden, das über einen Dienstleister alte Laufwerke löschen und verkaufen ließ. Auch eine rund 100 Namen umfassende Mitarbeiterliste, einschließlich Informationen zu Berufserfahrung, Position, Telefonnummern, Sprachkenntnissen und Urlaubsdaten sowie ein 1 MB großes Offline-Adressbuch ließen sich wiederherstellen. Für Nuncic ist klar: “Unternehmen, egal ob Konzern oder KMU, müssen auf jeden Fall auf professionelle Methoden zurückgreifen, wenn sie sichergehen wollen, dass ihre Daten nicht in falsche Hände geraten.” Erkennbar sin diese beispielsweise an unabhängigen Zertifizierungen, dem Einsatz internationaler Standardalgorithmen, detaillierter Berichterstattung und der Rückverfolgbarkeit der durchgeführten Löschung.

Fotos, Passwörter und Geschäftsdaten
Insgesamt wurden auf 18 der untersuchten Laufwerke kritische bis sehr kritische personenbezogene Informationen gefunden. Ein Drittel enthielt persönliche Fotos, private Dokumente, E-Mails, Videos, Hochzeitsfotos und Audio- oder Musikdateien. Auch Benutzerkontoinformationen wurden entdeckt: Acht Laufwerke enthielten Anmeldedaten wie Vorname und Nachname, Kontaktdaten, E-Mail-Adresse, Online-Kontoname und Passwörter. Auf jedem siebten Laufwerk konnten Transaktionsdaten wiederhergestellt werden – einschließlich Firmenname, Gehaltsabrechnungen, Kreditkartennummern, Bankkontoinformationen, Investitionsdetails und Steuererklärung.

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