Start-up-Szene

Gründen Frauen anders?

11. November 2019, 11:44 Uhr | Autor: Nikolaus Franke / Redaktion: Diana Künstler | Kommentar(e)

Fortsetzung des Artikels von Teil 1

Mehr weibliche Role Models, mehr Diversität

Inwieweit diese Unterschiede – wenn es um das Thema Gründen geht – gesellschaftlich verursacht sind, also durch Sozialisation entstehen, oder eine biologische Grundlage haben, ist schwer zu entscheiden. Klar ist jedenfalls, dass erfolgreiche weibliche Entrepreneure eine wichtige Vorbildwirkung haben. Wir sehen auch in unseren MBA-Kursen, dass Frauen hier Selbstvertrauen tanken. Sie sehen, dass sie genauso smart, kreativ und leistungsstark sind wie Männer. Warum also nicht auch als Frau ein Unternehmen gründen? Andrea Rinker, Gründerin von Next Wave Management und Professional MBA Entrepreneurship & Innovation Alumna, dazu: „Die wichtigsten Eigenschaften von Gründungsteams sind Erfahrung, Talent, Fähigkeiten sowie Vertrauen ineinander und gegenseitiger Respekt – alles Dinge, die nichts mit dem Geschlecht zu tun haben.“ Man könnte ergänzen, dass Diversität im Gründungsteam äußerst wichtig ist. Mehr und unterschiedlichere Hintergründe im Team bedeuten mehr Ideen, mehr Sichtweisen und mehr Kompetenz. Dies gilt für Faktoren wie den Ausbildungshintergrund, Kompetenzen, Werte, Stärken & Schwächen, aber eben auch für das Geschlecht. Auch aus diesem Grund ist es wichtig, dass sich die erfolgreichen weiblichen Entrepreneure ihrer Vorbildwirkung bewusstmachen. Bescheidenheit wäre an dieser Stelle geradezu unverantwortlich.

Andrea Rinker, (Professional MBA E&I alumna) ist Gründerin von Next Wave Management, einem Unternehmen, das sich auf E-Commerce und Supply Chain Strategie in der Modebranche spezialisiert hat, und The Cloud Wardrobe, mit dem Andrea Kunden im Bereich nachhaltige Luxusmode berät. Vor ihrer Selbstständigkeit konnte sich die ausgewiesene Modeexpertin umfangreiche Erfahrungen im Luxusgütersegment in Europa aneignen.

Auf die Rahmenbedingungen kommt’s an
Ein weiterer Faktor, der manche Frauen abschreckt, ist das Gründungsumfeld. Auch die Kapitalseite ist männerdominiert. Andrea Rinker meint: „Was Venture Capitalists betrifft: Wenn man die Szene aus unserer Perspektive betrachtet, wie viele Frauen sind denn darunter? Sehr wenige, wenn überhaupt. Meiner Meinung nach würde die gesamte Branche von ein wenig frischem Wind profitieren, und nicht nur GründerInnen in der Start-up-Community.“ Es gibt verschiedene Analysen, die zeigen, dass diese Männerdominanz für Frauen tatsächlich ein Nachteil sein kann. In einem wissenschaftlichen Projekt am Institut für Entrepreneurship & Innovation der WU haben wir festgestellt, dass bei den scheinbar unbestechlich rationalen Venture Capitalists ein “Similarity Bias” besteht. Bedeutet: Bei gleicher Ideenqualität und auch sonst gleichen Umständen favorisiert ein Techniker tendenziell eher ein Technikerteam, ein VC mit einem Corporate Hintergrund eher ein Corporate Spin-off und ein Mann eben eher ein Männerteam. Dies ist ein Problem und es ist zu wünschen, dass auch mehr qualifizierte Frauen ins Gründungsumfeld drängen.

Nikolaus Franke, WU Executive Academy
Der Autor dieses Beitrages, Prof. Nikolaus Franke, ist Akademischer Leiter des Professional MBA Entrepreneurship & Innovation an der Wirtschaftsuniversität Wien (WU).
© WU Executive Academy

Und die Politik?
Doch das Umfeld kann auch durchaus hilfreich sein. Oana Vaideanu, multiple Entrepreneurin und Executive MBA Bucharest Alumna, weiß, welche Rolle die Politik in diesem Zusammenhang spielt: „In meinem unternehmerischen Umfeld gründen viele Frauen einen Betrieb, nachdem sie ein Kind bekommen haben, weil sie sich davon die Flexibilität erhoffen, mehr Zeit mit ihrer Familie verbringen und ihren Arbeitsalltag nach ihren eigenen Prioritäten ausrichten zu können. In dieser Hinsicht spielt die Politik eine wesentliche Rolle. Der rumänische Staat stellt von Frauen gegründeten Unternehmen zweckgebundene Fördermittel zur Verfügung.“ Tatsächlich hat die Politik in vielen Ländern das Problem erkannt und spezielle Förderprogramme für Frauen aufgesetzt. Für die Gesellschaft bedeutet es schließlich einen schwerwiegenden Nachteil, wenn unternehmerische Frauen ihr Potenzial nicht einlösen. Uns gehen auf diese Weise nicht nur innovative Ideen, sondern auch wichtige Wohlstands- und Arbeitsplatzeffekte verloren. Wir brauchen mehr Frauen, die gründen! Deshalb haben wir an der WU Executive Academy auch bereits vor einigen Jahren spezielle „Female Leaders“-Stipendien ins Leben gerufen, die aktiv darauf abzielen, mehr Frauen ein MBA-Studium zu ermöglichen und – direkt und indirekt- mehr Frauen zum Gründen zu animieren.

Oana Vaideanu (Executive MBA Bucharest alumna) ist multiple Entrepreneurin und seit 2017 als Business Consultant selbstständig. Davor war sie Sales Manager und Managing Direktor bei Hamm-Reno Romania, dem rumänischen Tochterunternehmen der HR Group, einem der größten Schuhhändler Europas. Während ihres MBA-Studiums hat sie sich noch einen anderen Traum verwirklicht und ihr eigenes Unternehmen gegründet, das hochwertige Damen-Handtaschen herstellt.


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