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Mobiles Datenvolumen

Exabyte-Schwelle geknackt

28. Januar 2020, 10:37 Uhr   |  Autor: Martin Fryba (mit Material von dpa) | Kommentar(e)

Exabyte-Schwelle geknackt
© Vodafone

Offline – Das Ende des Internets? Reine Panikmache! O2/ Telefónica, Deutsche Telekom und Vodafone melden einen Rekord nach dem anderen beim Datendurchsatz in ihren Mobilfunknetzen.

“Panikmache wie im kalten Krieg”, lautete das Fazit eines Lesers, der sich Thomas Grüters 2013 erschienenes Buch mit dem reißerischen wie wenig überzeugenden Titel über das “Ende des Internets”, gar dem “Untergang der Informationsgesellschaft”, zu Gemüte geführt hatte. Wenn man schon von Panik gut leben will, muss man es so machen, wie Neurologen, die sich über das Tempo der digitalen Rezeption entsetzen und ihre immer gleiche These von der Smartphone-Epidemie (Manfred Spitzer) - anders als Grüter - erfolgreich in vier verschiedene Bücher zu kapitalisieren verstehen.

Den homo smartphonicus ficht das alles nicht. Er surft, mailt, downloadet und streamt, was das Datenvolumen hergibt. Und es gibt immer mehr her – ohne dass die Netze der Provider kollabieren. Ganz im Gegenteil.

In den deutschen Mobilfunknetzen sind 2019 erneut mehr Daten verbraucht worden als je zuvor. Telefónica überschritt im O2-Netz nach eigenen Angaben erstmals die Schwelle von einem Exabyte - das entspricht einer Milliarde Gigabyte. So viel haben auch die Konkurrenten Telekom und Vodafone nach eigener Darstellung noch nie erreicht. Würde ein einzelner Mensch diese Menge an Daten aufbrauchen, könnte er damit beispielsweise 1,5 Millionen Jahre am Stück Musik streamen. 2018 lag der Datenverbrauch im O2-Netz noch bei 662 Millionen Gigabyte.

Die Deutsche Telekom liegt mit 900 Millionen Gigabyte Datenverbrauch in den vergangenen zwölf Monaten leicht hinter dem Münchner Wettbewerber. Vodafone-Nutzer verbrauchten im Mobilfunknetz indes rund 770 Millionen Gigabyte. Pro Tag ist das durchschnittlich etwa so viel, wie man brauchen würde, um mit einem Smartphone fast 90 000 Jahre am Stück Serien auf Netflix zu streamen, erklärte ein Sprecher. Gegenüber dem Vorjahr lag der Anstieg bei 40 Prozent.

“Ich rechne damit, dass in den kommenden Jahren ähnliche Wachstumsraten zu erwarten sind”, sagt der Telekommunikations-Experte Torsten Gerpott von der Universität Duisburg-Essen. “Im internationalen Vergleich sind wir beim Datenverbrauch aber relativ weit hinten”. Das liege zum einen daran, dass es in Deutschland noch relativ große Funklöcher gibt und gut ausgestattete Daten-Tarife vergleichsweise teuer seien. Außerdem sei das Festnetz ziemlich stabil, so dass es in vielen Situationen gar keinen Anlass zur Nutzung der mobilen Netze gebe.

Anhand der Zahlen von Telefónica lässt sich auch erkennen, wie sich der Verbrauch an Datenvolumen des einzelnen Nutzers verändert hat. Brauchte ein O2-Nutzer 2017 noch durchschnittlich 3,8 Gigabyte im Monat, waren es ein Jahr später schon 4,4 Gigabyte und im vergangenen Jahr sogar 6 Gigabyte pro Monat.

Getrieben wird der Datendurchsatz im Netz des nach Kundenanzahl größten Carriers vor allem durch den Video-Konsum der jüngeren Generation, die Telefónica mit günstigen Tarifen lockt.  

Ein wie auch immer herbeigeschriebenes Ende des Internets wird es technologisch nicht geben, dafür wird beim Mobilfunk allein schon 5 G sorgen. Was daraus berechtigte negative Folgen eines unlimitierten und unkontrollierten Internetkonsums für Kinder und Jugendliche anbelangt, kann man Eltern nur raten: Ein Begrenzung der Internetnutzung können sie selbstverantwortlich herbeiführen.

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