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IP-Umstellung

"Es hat gerauscht, geklirrt und es gab keinen Klingelton"

04. August 2017, 10:16 Uhr   |  Autor: Stefan Adelmann | Kommentar(e)


Fortsetzung des Artikels von Teil 1 .

"Sich selbst permanent fortbilden und den Kunden mitnehmen"

funkschau: Auf Kundenseite fällt die Entscheidung für ISDN oft noch aufgrund des mangelnden Vertrauens in die IP-Netze. Sehen Sie gerechtfertigte Gründe für diese Zweifel?

Hager: Naja, manche Anbieter haben erst vor wenigen Wochen Anlagenanschlüsse im All-IP-Netz eingeführt, die es bei uns seit zehn Jahren gibt. Manche Anbieter haben Probleme bei der Faxübertragung. Und manche Kunden verbinden mit NGN den alten Begriff VoIP-Telefonie. Das kommt aus den Anfängen des VoIP-Zeitalters rund um 2005 und 2006 herum. Damals verkauften marketinglastige Telefonanbieter VoIP-Anschlüsse auch in Gebiete mit DSL Light, also 256 Kbit-schmalen Leitungen. Da hat es gerauscht, geklirrt und manchmal gab es keinen Klingelton. Da hat man der IP-Telefonie einen Bärendienst erwiesen. Das sitzt bei manchem noch bis heute im Hinterkopf. Gerechtfertigte Gründe gibt es heute keine mehr, wenn man auf einen ausgereiften Anbieter setzt.

funkschau: Stellt die Migration von Fax oder Sonderdiensten mittlerweile kein Problem mehr dar?

Hager: Bei Fax und Sonderdiensten fahren wir in der Kombination aus G.711 und T.38 die richtige übertragungssichere Mischung auch bei Faxen mit Hunderten Seiten. Sonderdienste haben wir über den Clearmode-Kanal weitestgehend am Netz. Aber auch dies ist anbieterspezifisch unterschiedlich und nicht bei jedem zu 100 Prozent ausgegoren.

funkschau: Werden entsprechende Projekte seitens Systemhaus und Business-Kunde darüber hinaus dafür genutzt, um weiterführende Lösungen wie Unified Communications oder Cloud-Dienste auf Basis der IP-Anschlüsse einzusetzen – oder steht die Migration bestehender Lösungen noch im Vordergrund?

Hager: Ich denke, es geht zu 90 Prozent um Migration und zu zehn Prozent um Unified Communications im Rahmen von Cloud-Lösungen. Letztere sollen laut Studien auf rund 20 Prozent steigen.

funkschau: Ein noch eher geringer Anteil. Was raten Sie Ihren Vertriebspartnern, wie Sie die Umstellung auch unabhängig von UCC und Cloud am besten für sich nutzen können?

Hager: Jeden Kunden proaktiv anschreiben, anrufen und besuchen. Netzwerkchecks verkaufen für IP-Telefonie. Verträge mit Anlagenherstellern und Wartungsverträge prüfen. Sich selbst permanent fortbilden. Und dann den Kunden mitnehmen auf die richtige Lösungsstrategie.

funkschau: Und wie reagiert HFO auf die aktuelle Entwicklung des Marktes? Müssen Sie als Provider Ihre Strategie erweitern oder gar ändern?

Hager: Wir wandeln uns zurzeit mehr als uns lieb ist. Die Auftrags-teams wachsen, die IT-Teams wachsen. Wir haben unserem Neubau, in dem wir letztes Jahr eingezogen sind, einen weiteren Neubau dazugesetzt, um zu den 135 Mitarbeitern weitere 100 unterzubringen. Die Geschäftsprozesse werden immer stärker digitalisiert, all das geht uns im Management naturgemäß nie schnell genug. Unsere Strategie heißt klar, Automatisierung plus gesundes Wachstum im Personalbereich und ein immer weiter wachsendes Feld von Forschung und Entwicklung.

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