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Digitalisierung = Veränderung

05. März 2018, 13:44 Uhr   |  Diana Künstler | Kommentar(e)


Fortsetzung des Artikels von Teil 1 .

"Digitalisierung bedeutet ein Umdenken und ein Wandel in den Geschäftsmodellen"

Christian Maar
© 11880

Christian Maar ist CEO des Kommunikationsdienstleisters 11880 Solutions.

Welche Erfahrungen haben Sie im Unternehmen mit der Digitalisierung gemacht?

Maar: In der jüngeren Vergangenheit habe ich ausschließlich sehr gute Erfahrungen gemacht. In den letzten drei Unternehmen, in denen ich gearbeitet habe, wurde das Thema Digitalisierung mit großem Erfolg sehr gewissenhaft und seriös vorangetrieben, übrigens immer zum Wohle und dem damit verbundenen Erfolg der jeweiligen Firmen. Interessant dabei ist, dass die Unternehmen in vollkommen unterschiedlichen Branchen aktiv waren. Davor war ich in der Retail-Branche (Versandhandel, stationärer Handel) tätig. Hier wurden deutlich mehr Kompromisse eingegangen mit dem Ergebnis von unrühmlichen Firmeninsolvenzen, obwohl die jeweiligen Unternehmen zuvor hevorragende Ausgangspositionen hatten.

Calkins: Die besten Technologien funktionieren nicht perfekt, wenn sie durch komplexe, überflüssige oder veraltete Prozesse behindert werden – das ist unsere Erfahrung. Als Unternehmen wurde Appian ins digitale Zeitalter „hinein geboren“. Daher haben wir nicht so viele Legacy-Systeme wie andere Unternehmen. Wir arbeiten aber mit Organisationen in Branchen wie Finanzen, Versicherungen oder Automotive zusammen – um nur einige zu nennen – und wissen, dass sie eine Vielzahl an Herausforderungen hinsichtlich der Digitalisierung meistern müssen. Es ist aber nicht damit getan, in neue Technologien zu investieren und sie zu implementieren. Es geht vor allem auch darum, Mitarbeiter entsprechend zu schulen und ihnen zu zeigen, was die Digitalisierung für sie bedeutet. Darüber hinaus sollten auch neue Mitarbeiter mit den benötigten Fähigkeiten eingestellt werden.

Barth: Digitalisierung bedeutet ein Umdenken und ein Wandel in den Geschäftsmodellen. Da hinken wir Deutschen leider hinterher. Es gibt einige Leuchttürme im größeren Mittelstand oder im Konzernumfeld. Der typische industrielle Mittelstand, der die Wirtschaft prägt, ist in unterschiedlichsten Reifegraden hinterher. Es gibt viele Unternehmen, die erst einmal den ersten Schritt schaffen müssen und die einzelnen, nicht vernetzten Maschinen vernetzen und ggf. sogar mit Sensorik ausstatten müssen. Andere sind schon weiter – deren Anlagen sind vernetzt und sie liefern Daten. Die Daten werden jedoch meist nur für die Produktion angezeigt und ggf. für die Produktionsoptimierung verarbeitet. Service- oder datenbasierte Geschäftsmodelle gehen aber weit darüber hinaus. Daten vieler Komponenten müssen zusammengefügt und als Mehrwert den Kunden angeboten werden können, um daraus zusätzliches Geschäft zu ermöglichen. Bei der Digitalisierung geht es immer um Plattformen und den Erfolg mehrerer. Ein einfaches Beispiel kommt aus unserem direkten Umfeld. Ein Nutzfahrzeug-Dienstleister kam bisher zur Wartung des Fuhrparks seiner Kunden, wenn er von diesen gerufen wurde. Mit Hilfe der Digitalisierung und dem Schwenk zu einem servicebasierten Geschäftsmodell bietet er eine Serviceplattform an, auf der seine Kunden als Logistik- oder Bus-Unternehmen ihre Wartungsvorfälle und die „Gesundheit“ des Equipments einsehen können. Gleichzeitig werden die Fahrzeuge mit zusätzlicher Sensorik ausgestattet, die automatisch Daten an die Plattform meldet. Automatismen in der Service-Plattform erkennen Wartungsaspekte wie bspw. Verschleiß anhand der Daten, erstellen einen Wartungsauftrag, ordern ggf. teil- oder vollautomatisch das notwendige Ersatzteil und lassen es an das Logistik-Unternehmen liefern. Parallel kann der Nutzfahrzeug-Dienstleister seine Termine so abstimmen, dass er in der Zeit, in welcher das Fahrzeug auf dem Hof des Kunden steht, die Wartung durchführt. Alle profitieren davon: Das Logistik-Unternehmen, was seine Stillstandszeiten der Fahrzeuge verringert, der Wartungsdienstleister, weil er Aufträge schneller und besser für die Kunden abarbeiten kann und gleichzeitig Zusatzservices anbietet. Aber auch der Ersatzteillieferant, da er seinen Aufwand im Bestellprozess minimiert und gleichzeitig noch den Umsatz erhöhen kann. Das alles geht aber nur mit Plattformen und Daten, die auf offenen Systemen mit offenen Schnittstellen ausgetauscht werden.

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2. "Digitalisierung bedeutet ein Umdenken und ein Wandel in den Geschäftsmodellen"
3. "Der deutsche Mittelstand darf den Anschluss nicht verlieren"

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