"Digitale Dividende" stört Kabelempfang

1. Januar 1970, 1:00 Uhr | funkschau sammeluser | Kommentar(e)

Die vom Bundeskabinett beschlossene Verordnung zur Zuweisung von Frequenzen für mobiles Breitband vernachlässigt die vorherige Prüfung möglicher Störungen anderer Übertragungstechniken.

Dies ist zumindest die Auffassung der im Anga-Verband organisierten Kabelanbieter. Die Verordnung der Bundesregierung bezieht sich auf die so genannte „Digitale Dividende“ im Bereich 790 bis 862 MHz. Damit sind die durch die Digitalisierung des Rundfunks „gewonnenen“ Frequenzen gemeint. Dank der Ablösung des analogen Rundfunks durch DVB-T können Fernseh-Signale wesentlich effizienter auf weniger Frequenzen übertragen werden.

Konkret sehe die beschlossene Frequenzbereichszuweisungs-Planverordnung vor, dass der Bereich von 790 MHz bis 862 MHz zukünftig vorrangig für mobiles Breitband genutzt werden soll. Während die Verordnung störende Auswirkungen auf andere Rundfunkdienste als unzulässig ausschließt, fehlt laut Anga aber jede Pflicht zur Untersuchung möglicher Störungen anderer Übertragungswege und der Endgeräte.

Dazu Thomas Braun, Präsident der Anga: „Bei dem derzeit durchgeführten Versuch zur Digitalen Dividende in Wittstock/Dosse und dem angekündigten Pilotprojekt in Baden-Württemberg sollen jeweils die Auswirkung auf DVB-T untersucht werden. Die Folgen für die Rundfunk- und Datenübertragung im Kabel und auf die daran angeschlossenen Endgeräte werden unseres Wissens in keinem dieser Piloten untersucht.“ Damit blieben Störpotenziale unberücksichtigt.

Bundesweit werden 19,6 Millionen Haushalte über Breitbandkabelnetze mit Rundfunk und zunehmend auch mit Breitband und Telefonie versorgt. Viele dieser Kabelanschlüsse sind heute bereits bis 862 MHz ausgebaut und übertragen Angebote im gleichen Frequenzbereich, der nun auch für mobile Datendienste verwendet werden soll.
 
Die in der Anga organisierten Kabelnetzbetreiber begrüßen grundsätzlich eine flexible Nutzung der durch die digitale Dividende freiwerdenden Rundfunkfrequenzen. Allerdings seien vor einer Zuweisung dieser Frequenzen an Betreiber, die Auswirkungen einer derartigen Nutzung auf andere Infrastrukturen und Rundfunkempfangsgeräte gründlich zu untersuchen.

Thomas Braun: „Ein erster Test, den wir mit dem Institut für Rundfunktechnik (IRT) ebenfalls in Wittstock/Dosse in Brandenburg durchgeführt haben, ergab erhebliche Beeinträchtigungen des Empfangs von TV-Programmen und der Übertragung von Datensignalen über die Kabelnetze. Durch die Signaleinstrahlung wurden die Set-Top-Boxen und Fernsehgeräte in ihrer Funktion massiv gestört.“ Hier müssten nach Auffassung von Braun daher Untersuchungen durchgeführt werden, wie eine verträgliche Nutzung dieser Kabel-Frequenzen sichergestellt werden kann.


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