Von Social Business bis Digital Dust

Die vielen Facetten des Wandels

12. März 2021, 8:19 Uhr | Redaktion funkschau | Kommentar(e)

Fortsetzung des Artikels von Teil 1

War for Talents 2.0, Social Business und die Kraft des "Digital Dust"

Fachkräfteengpass 2020
Mithilfe der interaktiven Karte auf der Webseite des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (KOFA) wird die regionale Stellenengpassquote für ausgewählte Berufsgruppen dargestellt – im vorliegenden Fall qualifizierte Fachkräfte im Berufsumfeld der Informations-, Informatik- und Kommunikationstechnologie. Je dunkler das Blau auf der Karte, desto angespannter ist die Fachkräftesituation in der ausgewählten Berufsgruppe.
© KOFA/Stand 09.12.2020

Die unendliche Geschichte oder der War for Talents 2.0

Der sogenannte „War for Talents“ steht für den immer schärfer werdenden Kampf der Unternehmen um Nachwuchs und die besten Talente. Nicht zuletzt auch die Corona-Pandemie und die vermehrte Arbeit im Homeoffice stellen die IT-Infrastruktur von Unternehmen vor große Herausforderungen. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilte, gab nur knapp jedes fünfte Unternehmen in Deutschland mit mindestens zehn tätigen Personen im Jahr 2019 an, eigene IT-Fachkräfte zu beschäftigen. Mehr als zwei Drittel (69 Prozent) der Unternehmen, die versucht hatten, IT-Fachkräfte einzustellen, berichteten hingegen von Schwierigkeiten bei der Besetzung dieser Stellen. Vier Jahre zuvor hatte noch weniger als die Hälfte der Unternehmen Probleme dieser Art angegeben (46 Prozent). Um eine ausreichende Expertise zu gewährleisten, greifen viele Betriebe daher alternativ oft auf externe Dienstleister zurück. So wurden spezielle IT-sicherheitsrelevante Tätigkeiten wie Sicherheitstests oder die Beseitigung von Sicherheitsvorfällen bei 50 Prozent der Unternehmen von externen Anbietern übernommen.

Der War for Talents ist keiner, der einfach zu gewinnen ist. Die Auswirkungen dieser Form des Wettkampfes, die die Unternehmensberatung McKinsey & Company bereits 1997 erstmals in einer Studie unter dem genannten Begriff „War für Talents“ formulierte, sind heute noch genauso spürbar wie vor knapp zwei Jahrzehnten. Wenn nicht sogar noch stärker: Unternehmen fällt es immer schwerer, qualifiziertes Fachpersonal zu rekrutieren. Auch digital müssen sie zunehmend ernsthaft investieren, um im Wettbewerb um gute Mitarbeiter zu bestehen. Und dabei geht es nicht nur um Homeoffice-Rahmenbedingungen und eine gute Kaffee-Lounge. Oft geht es auch um Werte, Menschlichkeit, Identifikation und Identität, um Selbstverwirklichung im Beruf und Vereinbarkeit von Arbeit und Familie. Die hochqualifizierten Young Professionals dieses Jahrhunderts suchen ihren Arbeitsplatz nicht mehr nur nach kommerziellen Gesichtspunkten wie Gehalt und Firmenwagen aus. Vielen Vertretern der jüngeren Generationen geht es im eigenen Beruf auch um Sinnstiftung und darum, etwas in der Welt bewegen zu können. Unternehmenskommunikation darf dementsprechend nicht nur hohle Versprechungen zum Inhalt haben. Sie braucht Substanz und eine Unternehmensführung, die auch meint, was sie sagt. (DK)

Social Business: Unternehmen im Dienste der Gesellschaft

Der klassische Fokus eines Unternehmens liegt darin, wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Ein Social Business verfolgt hingegen primär das Ziel, ein gesellschaftliches Problem zu lösen, hat dabei aber gleichzeitig ein profitables Geschäftsmodell. Damit stehen diese Unternehmen in der Mitte zwischen Firmen, die nur nachhaltig im Rahmen ihrer Marktbedingungen handeln, und Non-Profit-Organisationen, die lediglich Marktergebnisse korrigieren, ohne den Markt zu verändern. Ein Social Business soll hingegen marktverändernd wirken und auch wirtschaftlich nachhaltig sein.

Social Businesses entwickeln sich oftmals aus Nichtregierungsorganisationen. Dabei erwirtschaftet die Organisation zu Beginn Eigenmittel und reinvestiert diese wiederum. Daraus entwickelt sie mit der Zeit ein Geschäftsmodell, das dazu dient, das eigens gesteckte soziale Ziel zu erreichen. Ein Social Business kann aber auch das Ergebnis eines Corporate-Social-Responsibility-Projekts eines Unternehmens sein. Betriebe ergänzen oftmals entsprechende Projekte, die in der Regel eine bestimme nachhaltige Entwicklung zum Ziel haben, mit eigenen Kernkompetenzen. Doch um zu einem Social Business zu werden, darf das Projekt nicht profitorientiert arbeiten, sondern muss alle Gewinne in das Projekt reinvestieren. So setzt das Projekt die Wirtschaftlichkeit in den Dienst des nachhaltigen Ziels.

Die Digitale Transformation kann den Trend des Social Business wiederum verstärken. Denn: Zum einen lassen sich durch digitale Prozesse und Anwendungen oft Kosten reduzieren, was es vereinfacht, ökonomisch nachhaltig zu arbeiten und mehr Gewinne zu reinvestieren. Zum anderen steht die Digitalisierung eng im Zusammenhang mit Innovationskraft. Ein Social Business hat das Ziel, eine sozial oder ökologisch gesellschaftliche Herausforderung zu bewältigen. Hierfür muss das Unternehmen vor allem innovationstreibend sein, wofür es den digitalen Wandel braucht. (LS)

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Das IoB geht auch mit ethischen und gesellschaftlichen Fragestellungen einher, abhängig von den Zielsetzungen der Person oder Organisation, die den „Digital Dust“ aufsammeln und verwerten will.
© fs

Internet of Behaviors (IoB): Die beeinflussende Kraft des „Digital Dust“

Das Internet der Verhaltensweisen, „Internet of Behaviors“ (IoB), gehört laut den Analysten von Gartner zu den strategischen Spitzentechnologien, die CIOs und andere IT-Entscheider für das Jahr 2021 auf dem Schirm haben sollten. Die grundlegende Idee dahinter: Daten sammeln und verwenden, um Verhaltensänderungen herbeizuführen. Die Zunahme von immer raffinierteren Technologien, die den „digitalen Staub“ des täglichen Lebens sammeln und verarbeiten können – also Daten, die die digitale und physische Welt umfassen – hätte diesen Trend laut Analysten erst aufkommen lassen. Die Informationen würden in der Folge dazu verwendet werden, um das Verhalten durch Rückkopplungsschleifen zu beeinflussen. Beispielsweise kann die Telematik bei Nutzfahrzeugen das Fahrverhalten überwachen, vom plötzlichen Bremsen bis hin zu aggressiven Kurven. Unternehmen könnten diese Daten dann verwenden, um die Leistung, das Routing und die Sicherheit des Fahrers zu unterstützen und zu verbessern. Das IoB ist dabei in der Lage, aus einer Vielzahl an verschiedenen Quellen zu schöpfen, um Daten zu sammeln, zu kombinieren und zu verarbeiten. Darunter: gewerbliche Kundendaten; Bürgerdaten, die von öffentlichen Stellen und Regierungsbehörden verarbeitet werden; soziale Medien; gemeinfreie Bereitstellung der Gesichtserkennung und Standortverfolgung.

Ein kritischer Gedanke. Kaum verwunderlich, dass IoB vor diesem Hintergrund auch ethische und gesellschaftliche Auswirkungen hat, abhängig von den Zielsetzungen der entsprechenden Datensammler und -verwerter. Dieselben Wearables beispielsweise, mit denen Krankenkassen körperliche Aktivitäten verfolgen, um die Prämien zu senken, könnten auch zur Überwachung von Lebensmitteleinkäufen verwendet werden. Zu viele ungesunde Gegenstände könnten dann zur Erhöhung von Prämien genutzt werden. Gartner prognostiziert, dass Datenschutzgesetze, die von Region zu Region unterschiedlich sind, die Annahme und den Umfang des Internets der Verhaltensweisen stark beeinflussen werden. (DK)


  1. Die vielen Facetten des Wandels
  2. War for Talents 2.0, Social Business und die Kraft des "Digital Dust"
  3. Anywhere Operations, Datenschutz 2.0 und die Total Experience
  4. Ehtische KI, Stackology und "grenzenlose" Cyber Security
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