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Bechtle im Interview

"Die IT kämpft oft gegen interne Hürden"

15. November 2018, 09:31 Uhr   |  Autor: Stefan Adelmann | Kommentar(e)


Fortsetzung des Artikels von Teil 1 .

Der Beginn einer dauerhaften Reise

funkschau: Warum ist für IT-Abteilungen mittlerweile so entscheidend, vom Nutzer aus zu denken, weniger die Technologien in den Mittelpunkt zu rücken?

Wilker: Der Nutzer will heutzutage neue Freiräume haben, den Arbeitsalltag flexibel gestalten. Die Work-Life-Balance ist entscheidend und ein wichtiger Faktor im War for Talents. Wenn Unternehmen moderne Arbeitsstrukturen und eine entsprechende Infrastruktur bieten, spricht sich das schnell im Markt rum und kann bei der Suche nach Fachkräften helfen. Aber auch der Consumer-Bereich und die App-Welt, aus der die Anwender kommen, haben diese Entwicklung beeinflusst. Klassische Verfahren sind in vielen Fällen obsolet, die IT muss heutzutage viel schneller auf neue Anforderungen reagieren, als dies früher der Fall war.

funkschau: Haben die IT-Abteilungen diese Entwicklung erkannt?

Wilker: Viele Unternehmen sind hier schon vorne mit dabei, besonders wenn sie international tätig sind. Einige Mittelständler sind in ihren Strukturen hingegen noch sehr starr. Die IT hat zwar meist die Zeichen der Zeit erkannt, sie kämpft aber oft noch gegen interne Hürden.
Meine Empfehlung an IT-Abteilungen in dieser Situation: Einfach mal einen Musterarbeitsplatz einrichten und beispielsweise freitagmorgens Teams einladen, um ihnen zu zeigen, welche Vorteile sich hier bieten können. Beim gemeinsamen Nachdenken über den Arbeitsplatz von morgen kann die IT als Innovator im Unternehmen auftreten.

funkschau: „New Work“ ist aber nicht immer positiv konnotiert. Kritiker befürchten, dass eine immer stärkere Vermischung von privatem und beruflichem Alltag hauptsächlich zu mehr Arbeit führen könnte. Wenn der Chef beispielsweise bei ständiger Erreichbarkeit abends noch eine schnelle Rückmeldung erwartet…

Wilker: Sicherlich müssen für ein entsprechendes Modell auch Betriebsvereinbarungen getroffen werden. Beispielsweise kann vereinbart werden, dass Mitarbeiter innerhalb von 24 Stunden auf Anfragen reagieren können. Eine solche Regelung kann den Druck nehmen, immer sofort reagieren zu müssen. Darüber hinaus sind Schulungen und eine Sensibilisierung der Mitarbeiter sinnvolle Maßnahmen, um Gefahren zu thematisieren und eigenverantwortliches Handeln zu unterstützen.  

funkschau: Wie lange wird sich Ihrer Meinung diese Entwicklung, auch auf technischer Seite, ziehen?

Wilker: Das ist ein Lernprozess. Wir sprechen hier von dem Beginn einer dauerhaften Reise. Aktuell setzen rund 25 Prozent der Unternehmen die Möglichkeiten vollumfänglich ein, aber ich gehe davon aus, dass sich das Thema etwa in den kommenden zehn Jahren ganzheitlich durchsetzt. Dann sprechen wir von einem hohen Verbreitungsgrad. Aber schon jetzt ist die Entwicklung nicht mehr umkehrbar.

funkschau: Und wie ist der Stand auf Herstellerseite? Wo sehen Sie Verbesserungspotenzial bei den Anbietern entsprechender Technologien?

Wilker: Im Markt gibt es aktuell noch wenige Standards, das führt oft zur Inkompatibilität der Systeme. Vieles funktioniert in der Praxis noch nicht reibungslos, hier sehe ich einen klaren Handlungsbedarf.
Die grundsätzliche technische Basis wurde aber geschaffen, viele Facetten in Projekten müssen aber noch individuell betrachtet werden. Es gibt also weiterhin Herausforderungen.

funkschau: Wenn diese bewältigt sind, wie wird sich zukünftig der moderne Arbeitsplatz gestalten? Ist dieser gänzlich losgelöst von Schreibtisch und Büro?

Wilker: Es wird sicherlich auch weiterhin einen stationären Arbeitsplatz geben, die Nutzer arbeiten aber verstärkt mit mobilen Geräten, taschenkompatiblen Notebooks und dem Smartphone. Aber es gibt kein Telefon mehr. Das ist die Zukunft für einen Großteil der Office User. Ob dabei alles aus der Cloud kommt? Da glaube ich nicht so ganz dran. Zumindest noch nicht, da die entsprechenden Netzkapazitäten noch nicht verfügbar sind. Der Breitbandausbau stellt daher eine entscheidende Basis dar, dass moderne Arbeitswelten zukünftig umgesetzt werden können. 

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