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Frauen in der IT

Die Gender-Opportunity

29. Juni 2018, 09:10 Uhr   |   | Kommentar(e)


Fortsetzung des Artikels von Teil 1 .

Es geht nicht um Quoten - sondern darum, Interesse zu wecken

funkschau: Woran liegt das Ihrer Meinung nach? Glauben Sie, es würde mehr Frauen in der IT geben, wenn es keine Klischees gäbe?

Kopp: Ja, wir müssen das klassische Bild von IT neu malen. Denn es geht nicht mehr nur um Glas- und Kupferkabel, PCs und Technik. IT ist heute so viel mehr. Man kann es mit der Automotive-Industrie vergleichen: Früher war ein Auto Blech, heute ist es ein smartes ­Device. Es spielt uns also eigentlich in die Karten, dass die neuen Generationen schon mit intelligenten Technologien aufwachsen und sie viel intuitiver annehmen. Vor 30 Jahren war IT eben noch sehr erklärungsbedürftig, heute müssen wir niemandem mehr erklären, was ein Smartphone ist.

funkschau: Weniger Frauen in der IT – ist das vielleicht auch „nur“ ein deutsches Problem beziehungsweise, um bei Ihrer Wortwahl zu bleiben, eine „Opportunity“?

Kopp: Definitiv. Wir sollten uns ruhig an den skandinavischen Ländern ein Beispiel nehmen – nicht nur in Bezug auf Bezahlung, sondern auch auf die Kinderbetreuung. Wenn sich in Schweden ein Elternpaar trennt, ist das Sorgerecht in der Regel geteilt: eine Woche Mutter, eine Woche Vater. Diese schwedische Mentalität der Gleichberechtigung ist historisch bedingt, weshalb man in vielen schwedischen Firmen eine viel gemischtere Belegschaft findet als hierzulande. Ich denke, davon können wir Deutschen uns noch etwas abgucken!

funkschau: Was kann man tun – sei es jetzt aus Unternehmenssicht oder auch auf bildungspolitischer Ebene – um die IT-Wirtschaft für ­Frauen interessanter zu machen?

Kopp: Der Frauenanteil in STEM-Studiengängen (Anm. d. Red.: STEM ist ein Akronym für Science, Technology, Engineering and Maths) ist immer noch niedrig. Es geht meiner Meinung nach aber nicht darum, Quoten zu setzen. Vielmehr müssen wir Interesse wecken. Bei Microsoft sehen wir uns als Impulsgeber der Debatte um die Zukunft der Arbeit und wollen die Chancen der Digitalisierung aufzeigen – auch für Mädchen und Frauen. Wir unterstützen Frauen in IT-nahen Berufen und Netzwerke wie „Women in Digital“ und bringen jungen Mädchen und Frauen in verschiedenen Formaten die IT-Branche näher – das können kleine Formate sein wie der „Girl’s Day“. Dabei können junge Mädchen in die spannende Welt von Technologie, Künstlicher Intelligenz und Informatik eintauchen, selbst programmieren und bei einem Geek-Dating Mitarbeiterinnen von Microsoft persönlich kennenlernen.

funkschau: Bietet die Digitalisierung Ihrer Meinung nach Chancen und Herausforderungen speziell für Frauen in der Arbeitswelt?

Kopp: Ja, die Digitalisierung emanzipiert Arbeit von Zeit und Ort und macht neue Arbeitsmodelle möglich. Moderne Technologien ermöglichen es uns, Aufgaben von jedem Ort zu erledigen, für die ich früher ins Büro fahren musste. Dadurch haben wir größere Möglichkeiten, Arbeit und Freizeit, und vor allem Familie, zu kombinieren. Wir haben bei Microsoft erst vor Kurzem die Family Leave Benefits zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie erweitert. Frauen – aber auch Männer – stehen damit zum Glück nicht mehr so stark wie früher vor der Frage „Karriere oder Kind?“.

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