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funkschau Interview

"Die Ersatzteile werden mager"

27. August 2019, 13:57 Uhr   |  Stefan Adelmann | Kommentar(e)


Fortsetzung des Artikels von Teil 1 .

"Es gibt nie einen richtigen Zeitpunkt"

funkschau: Viele Kritiker haben entsprechend erwartet, dass die All-IP-Umstellung aufgrund technischer Probleme zu einem großen Chaos ausartet. Kam es soweit? Was ist rückblickend Ihre Einschätzung?

Hager: Nein, alle Marktteilnehmer haben gut zusammengearbeitet. Ganz Deutschland umzubauen war eine Herausforderung, die die Telekom gemeinsam mit den privaten Netzbetreibern partnerschaftlich erledigt hat. Das muss man auch mal ganz klar sagen.

funkschau: Kam die Umstellung zum richtigen Zeitpunkt oder hätte ISDN früher oder auch später abgeschafft werden sollen?

Hager:  Es gibt nie einen richtigen Zeitpunkt. Früher wäre es nicht gegangen, da die Breitbanddichte gefehlt hatte. Die ist nun sehr ordentlich, sodass man fast überall eine IP-Lösung betreiben kann.

funkschau: Was raten Sie Unternehmen jetzt, die bereits die Umstellung hinter sich haben und aktuell noch ISDN-Lösungen einsetzen: Was sollten die nächsten Schritte sein?

Hager: Sie sollten sich mit Cloud-Lösungen beschäftigen, Zwischenschritte in der Welt der klassischen On-Premise-Kelleranlagen durchaus betrachten, aber bei der Entscheidung am Ende auf die Zukunftsfähigkeit und Flexibilität achten. Es gibt für beide Lösungen immer Pros und Cons.

funkschau: Für den reibungslosen Einsatz einer Cloud-Lösung ist aber auch eine entsprechende Bandbreite nötig. Wie steht es Ihrer Meinung nach heutzutage um die Versorgung? Sind deutsche Unternehmen für eine zukunftssichere Kommunikationsinfrastruktur gerüstet?

Hager: Ich denke, zunehmend kann man das bejahen. Natürlich gehört es zum guten Ton, die schlechte Ausbausituation in Deutschland zu bejammern und es gibt sicher noch genügend Fälle, wo das Internet steinzeitlich ist. Aber generell gesprochen haben alle Anbieter schon viel geleistet. Was viel zu gering ist, ist der Glasfaseranteil. Hier hat die Regierung über Jahre mit der Kupferförderung falsche Anreize gesetzt und dadurch die Wirtschaftlichkeit des Glasfaserausbaus mit Fördermitteln torpediert. Das hat sich nun geändert. Politisch stand eben zunächst das Ziel obenan, überhaupt mal 30 Mbit als Standard zu setzen, Kupfer war da und aufrüstbar, also wurde Kupfer gefördert. Aus diesem kurzfristigen Blickwinkel hat die Politik also geliefert. Aber aus dem strategischen Blickwinkel hat sie damit auf Jahre dem Business-Case Glas geschadet.

funkschau: Was bedeutet die IP-Umstellung und der Wandel im Kommunikationsmarkt auch für Sie als Provider? Wie müssen Sie sich verändern, um sich in einem Markt zu positionieren, der zukünftig sehr stark von IT-Themen getrieben wird?

Hager: Wir bauen die Partnerschaften in Richtung IT-Häuser aus, wir onboarden Cloud-Lösungen für unsere Kunden und wollen hier auf Dauer der Partner für die Cloud-Industrie sein, der mit der breiten Masse der Angebote in Sachen SIP kompatibel ist. Mit diesen Partnerschaften sind wir groß geworden, wir waren immer multikompatibel und sind es noch immer mit einem Großteil der On-Premise-Lösungen. Der Channel bleibt unser zentraler, einziger Vertriebskanal.

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