Schwerpunkte

Digital Workplace

Der Mensch im Mittelpunkt der Digitalisierung

21. Juli 2017, 13:48 Uhr   |  Diana Künstler | Kommentar(e)


Fortsetzung des Artikels von Teil 1 .

"Wir brauchen eine Fehlerkultur"

funkschau: Wie sollten Unternehmen auf den Wandel reagieren?
Dohm: In Deutschlands Unternehmen ist Digital Leadership gefragt: Die Kompetenz, Unternehmen in jeder Phase der Digitalen Transformation richtig und erfolgreich zu führen und zwar so, dass Weiterentwicklung möglich ist – eine Weiterentwicklung nicht nur der Zahlen und Produkte, sondern die Befähigung, Motivation und Kompetenzaufbau bei den Menschen, die die Wertschöpfung im Rahmen eines disruptiven Wandels erbringen sollen. Denn der technische Fortschritt beschleunigt sich nun mal. Für Unternehmen, die den Anschluss an ihre Märkte nicht verlieren wollen, ist es kritisch, wenn sich einmal angeeignetes Wissen, das in Schulen, Hochschulen oder der dualen Ausbildung vermittelt wird, immer schneller entwertet. Das gilt allerdings nicht nur für Organisationen, sondern auch für das Individuum. Die Fähigkeit, sich schnell in neue Aufgabengebiete einzuarbeiten und sich ständig weiterzubilden, gewinnt immer mehr an Bedeutung, und zwar um den eigenen Arbeitsplatz nicht zu verlieren oder neue Tätigkeiten überhaupt übernehmen zu können.

Was in der Diskussion über Chancen und Risiken der Digitalen Transformation viel stärker in den Vordergrund rücken muss, ist das, was wir bei TÜV Rheinland den Erhalt beziehungsweise den Aufbau von „Employability“ nennen und daran haben Unternehmen – nicht zuletzt vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung und des Fachkräf-temangels – ein vitales Interesse. Aber Employability, also „Beschäftigungsfähigkeit“, ist mehr als reine Arbeitskraft: Es geht um die Fähigkeit, mit dem beständigen Wandel so umzugehen, dass Individuum und Unternehmen davon profitieren und nicht darunter leiden. Mitarbeiter müssen nicht nur qualifiziert sein, sondern auch motiviert und gesund. Hier sind Unternehmen in puncto betriebliches Gesundheitsmanagement im Kontext des digitalen Wandels viel stärker in der Pflicht als früher.

funkschau: Welche Auswirkungen hat die Digitale Transformation auf die Gesundheit?
Dohm: Den Gesundheitsschutz der Arbeitnehmer und die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens miteinander in Einklang zu bringen, ist eine Herausforderung. In einer Studie der Barmer Krankenkasse sehen unsere Arbeitspsychologen und Arbeitsmediziner von TÜV Rheinland das noch einmal bestätigt: Erwerbstätige spüren den Veränderungs- und den technologischen Anpassungsdruck, sie klagen über Information Overload. Ständige Erreichbarkeit auf mehreren Kanälen – das kann in Belastung ausarten. 23 Prozent der Befragten fühlen sich durch ihre Arbeit emotional erschöpft. Es gibt signifikante Zusammenhänge zwischen Digitalisierung, emotionaler Erschöpfung (Burnout) und Konflikten zwischen Arbeit und Familie. Jeder Vierte gibt an, die heutigen Arbeitsanforderungen beeinträchtigten sein Privat- und Familienleben. Das ist eine Entwicklung, die kann doch keiner wollen.

funkschau: Was ist die Lösung?
Dohm: Unternehmen, die ein betriebliches Gesundheitsmanagement etablieren beziehungsweise es weiter professionalisieren, haben nachweislich nicht so hohe Krankenstände, auch die Personalfluktuation und die Abwanderung von Talenten ist nicht so hoch. Wir alle müssen lernen, mit dem Wandel konstruktiv umzugehen und die Veränderung nicht nur zu akzeptieren, sondern zu gestalten. Mitarbeiter und Führungskräfte müssen nicht nur den Umgang mit neuen Technologien beherrschen, sondern auch sich selbst modernisieren können. Zugleich gilt es, Mitarbeitende für Chancen und Gefahren der Digitalisierung zu sensibilisieren und deren Selbst-Management-Fähigkeiten zu schulen. Das kann zum Beispiel der Lernprozess sein, in freien Zeiten digitale Abstinenz von der Arbeit zu üben. Für manch einen Chef kann das schon ein großes Commitment gegenüber dem Mitarbeiter sein.

Aber auch Führungskräfte benötigen Unterstützung in Bezug auf Anforderungen und Gestaltungsmöglichkeiten der Digitalisierung. Auch sie müssen lernen, Arbeitszeitflexibilität zu schaffen und Home-Office-Möglichkeiten anzubieten und auch auf die Entfernung virtuelle Teams zu führen, getreu dem Motto: Moderieren statt befehlen. Nur flexible Unternehmen können Arbeitsplätze schaffen und besetzen, die durch die Digitalisierung neu entstehen. Unerlässlich ist auch eine Evolution in den Köpfen: Was wir brauchen, ist eine Fehlerkultur, die Scheitern und Fehler auf dem Weg zum Erfolg mit einkalkuliert und verzeiht.

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1. Der Mensch im Mittelpunkt der Digitalisierung
2. "Wir brauchen eine Fehlerkultur"
3. Lernen 4.0

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