Google

Cloudbasiertes Betriebssystem für alte Hardware

30. Juni 2022, 9:30 Uhr | Interview: Sabine Narloch | Kommentar(e)
Google OS Flex
© Google

Ältere Rechner und Laptops mit einem aktuellen Betriebssystem versehen und so die Lebenszeit der Hardware verlängern – das ist allein in Hinblick auf die Ressourcen sinnvoll. Nun war das Betriebssystem „Chrome OS“ von Google bislang Chromebooks vorbehalten. Mit „Chrome OS Flex“ soll sich das ändern.

funkschau: „Chrome OS“ läuft bisher nur auf Chromebooks. Das soll sich mit „Chrome OS Flex“ ändern. Kann man nun aus jedem 15 Jahre alten PC oder Mac quasi ein Chromebook machen?
Thomas Riedl: „Chrome OS Flex“ wurde für die gängigsten PCs und Macs der letzten zehn Jahre entwickelt. Dabei werden allerdings nur offiziell zertifizierte Modelle unterstützt. Die Liste dieser Modelle wird ständig erweitert – auf Grundlage von Kundenfeedback und entsprechender Nachfrage, die wir erhalten.

funkschau: Welche Systemeigenschaften müssen ältere Geräte mindestens erfüllen, damit sie zertifiziert werden?
Riedl: Die Zertifizierung umfasst die praktische Installation und Prüfung eines bestimmten Modells unter Chrome OS Flex. Während der Tests muss das Modell die standardmäßigen Leistungs- und Funktionstests bestehen. Sobald ein Modell alle erforderlichen Tests bestanden hat, wird es in die Liste der zertifizierten Chrome OS Flex-Modelle aufgenommen und anschließend regelmäßig getestet, um die Qualität über alle Updates hinweg zu gewährleisten. Auch wenn ein Gerät nicht auf der Liste der zertifizierten Modelle steht, wird es wahrscheinlich mit Chrome OS Flex funktionieren. Einige konkrete Spezifikationen umfassen: x86-64 CPU, vier GB RAM oder mehr und mindestens 16 GB interner Speicher.

funkschau: Kommt nicht so manche alte Hardware an ihre Grenzen mit einem modernen Betriebssystem?
Riedl: Wie bei jedem anderen Betriebssystem gilt auch bei Chrome OS Flex, dass eine neuere, leistungsfähigere Hardware eine bessere Performance bietet. Aber Chrome OS Flex ist ein relativ schlankes Betriebssystem, sodass es sich auch auf älterer Hardware flott anfühlt.

funkschau: Was waren die größten technischen Hürden bei der Entwicklung von Chrome OS Flex beziehungsweise dem Unterfangen, den herstellerübergreifenden Einsatz auf älteren Geräten zu ermöglichen?
Riedl: Wir investieren viel Zeit, um sicherzustellen, dass Flex nicht nur auf unterschiedlicher Hardware läuft, sondern vor allem auch reibungslos läuft. Chrome OS ist bekannt für seine Benutzerfreundlichkeit und Schnelligkeit, und wir möchten sicherstellen, dass Chrome OS Flex dieses Versprechen ebenfalls einhält. Das ist auch der Grund, warum wir im Februar 2022 unser Early-Access-Programm für Flex gestartet haben. Zusätzlich zu unseren strengen internen Tests möchten wir auch sicherstellen, dass unsere Nutzerinnen und Nutzer die Software in ihrer eigenen Umgebung testen und uns Feedback geben, wo wir noch nachbessern können.

funkschau: Sind die Funktionen von Chrome OS Flex und Chrome OS identisch oder gibt es Unterschiede?
Riedl: Unsere Vision ist es, dass wir Chrome OS Flex und Chrome OS so weit wie möglich gleichwertig halten. Wenn Nutzerinnen und Nutzer einen Flex-Laptop und ein Chromebook nebeneinander ausprobieren, können sie die Unterschiede in der Regel nicht erkennen  und finden auf beiden Geräten die gleiche einfache und sichere Bedienung. Es gibt dennoch ein paar Unterschiede, die wir im Laufe der Zeit hoffentlich abbauen können, wie zum Beispiel das Fehlen des Play Stores für Android-Apps auf dem Flex.

funkschau: Wie sieht es mit Funktions- und Sicherheitsupdates bei Chrome OS Flex aus?
Riedl: Chrome OS Flex folgt dem gleichen Aktualisierungsrhythmus wie Chrome OS. So erhalten Flex-NutzerInnen alle vier Wochen automatisch im Hintergrund die gleichen Funktions- und Sicherheitsupdates wie bei Chrome OS. Außerdem sorgt Chrome OS Flex mit einer Reihe von Hardware- und Softwarefunktionen automatisch für Sicherheit – NutzerInnen müssen sich also nicht selbst darum kümmern.

funkschau: Bislang ist eine Early-Access-Version von Chrome OS Flex verfügbar. Es wird empfohlen, zum Ausprobieren das Betriebssystem auf einen USB-Stick zu ziehen und ohne Installation direkt vom Stick zu booten. Was ist hier der Hintergrund?
Riedl: Wir wollen es den Nutzerinnen und Nutzern so einfach wie möglich machen, Chrome OS Flex auszuprobieren. Durch die Tatsache, die Installation überspringen und die Anwendung vom USB-Stick aus nutzen zu können, bieten wir ihnen eine sehr einfache Möglichkeit, Chrome OS Flex selbst zu testen. Sie können das OS dabei risikofrei auszuprobieren und anschließend entscheiden, ob sie es auf ihrem Gerät installieren möchten oder nicht.

funkschau: Wann wird eine stabile Version zugänglich sein und was müssen User dann tun, um sie zu nutzen?
Riedl: Wir konzentrieren uns derzeit darauf, das Gesamterlebnis zu verbessern, indem wir Fehler beheben und das Early-Access-Programm zum bestmöglichen Erlebnis machen. Wir werden bald mehr über den offiziellen Start bekannt geben.

funkschau: Für welche Nutzergruppe ist Chrome OS Flex besonders interessant – und ist es auch für den Einsatz im Unternehmensumfeld geeignet?
Riedl: Während Chrome OS Flex jedem zur Verfügung stehen wird, der oder die es herunterladen und installieren möchte, sind unsere Zielgruppen Unternehmen und Bildungseinrichtungen, die Chrome OS Flex mit Chrome Enterprise Upgrade oder Chrome Education Upgrade nutzen möchten.


Verwandte Artikel

Google Germany GmbH

Anbieterkompass