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Arbeitest du noch oder lebst du schon?

10. April 2017, 10:25 Uhr | | Kommentar(e)
Maske abnehmen
Die Digitalisierung ist da und wir so schnell nicht verschwinden. Es gilt, alte Muster aufzubrechen.
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Die Arbeitswelt wandelt sich. Daran besteht kein Zweifel. Aber heißt das im Umkehrschluss, dass sie auch besser sein wird? Eine Frage, die sich nicht so einfach beantworten lässt.

Fest steht: Die Digitale Transformation polarisiert. „Für die einen ist sie Verheißung und Lebensgefühl, für die anderen bedeutet sie Unsicherheit“, bringt es Bundesministerin Andrea Nahles im Entwurf zum Weißbuch „Arbeiten 4.0“ auf den Punkt. Wie also auf die Veränderungen reagieren? Mögliche Optionen sind: ignorieren, negieren, affirmieren. Nicht auszuschließen ist in diesem Zu- sammenhang natürlich, dass ein Unternehmen alle Optionen – ähnlich dem psychoanalytischen Modell der unterschiedlichen Phasen der Trauer – in dieser oder einer anderen Reihenfolge selbst durchläuft.

Ja, nein, vielleicht
Punkt 1, ignorieren oder auch abwarten, ist nicht wirklich eine Option. Die Gefahr, als Arbeitgeber ins Hintertreffen zu geraten und für junge Nachwuchskräfte nicht mehr attraktiv zu sein, ist einfach zu groß. Hinzu kommt: Auch wer die Veränderung der Arbeitswelt ignoriert, bleibt nicht zwangsweise von ihr unbeeinflusst. Das simple Prinzip „Wenn ich dich nicht sehe, siehst du mich nicht“ greift hier nicht. Im Gegenteil: Trends und Treiber wie die zunehmende Nutzung von Smartphones, sozialen Netzwerken und die Verschmelzung von Arbeits- und Privatleben (Stichwort Consumerization der IT) haben längst dazu geführt, dass man – ob man will oder nicht – selbst Teil der Veränderung ist. Gleiches trifft in der Konsequenz auf Punkt 2, negieren, zu. Die Digitalisierung ist da und wird so schnell nicht verschwinden. Auf der anderen Seite beharren Verweigerer nicht ohne Grund auf ihren Prinzipien: Denn wo Chancen sind, gibt es ohne Frage auch Risiken. Wo automatisiert wird, da fallen Aufgaben weg, die zuvor von Menschen erfüllt wurden. Auch werden Menschen durch solche ersetzt werden, die schlicht besser qualifiziert sind. Es braucht keine Glaskugel, um die sozialen Spannungen kommen zu sehen. So könnten diversen Studien zufolge bis zu mehrere Millionen Jobs in den nächsten Jahren hierzulande durch Robotik wegfallen. Doch sollte man auch nicht außer Acht lassen, dass durch Digitalisierung und Automatisierung ebenso neue Arbeitsplätze entstehen. Krampfhaft an alten Mustern festzuhalten, wird in diesem Zusammenhang auf lange Sicht nicht von Erfolg gekrönt sein. Sinnvoller ist es, die Mitarbeiter auf die sich ändernde Arbeit und Arbeitszeitmodelle vorzubereiten, was uns zu Punkt 3 führt: affirmieren.


  1. Arbeitest du noch oder lebst du schon?
  2. Arbeiten heißt in Zukunft auch lernen

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