Schwerpunkte

Dienstlich erreichbar per SMS oder Video

Arbeiten Sie noch oder urlauben Sie schon?

02. August 2021, 17:53 Uhr   |  Antje Müller | Kommentar(e)

Arbeiten Sie noch oder urlauben Sie schon?
© Fotolia

Sommer, Sonne, Berge, Strand?! Hauptsache, die Gedanken frei machen und die Seele baumeln lassen. Immerhin ist der Energiespeicher so leer wie nie. Aber so richtig abschalten? Mit der Urlaubsplanung nagt das dienstliche Gewissen. Schließlich geht Chatten auch im Hotel oder der Video-Call am Strand.

Die Erinnerung an den letzten Urlaub ist schon fast verblasst und mal ehrlich: Die zurück liegenden Monate haben viel abverlangt. Das Bedürfnis nach Erholung ist für Viele größer denn je. Nicht nur, weil der eigene Akku leer ist. Auch das Fernweh oder die verschobenen Reisen haben sich aufgestaut. Das möchte nachgeholt werden, und zwar zwei, drei oder gleich vier Wochen lang. Doch dienstlich erreichbar sein, trotz Sommerurlaub? Für immerhin 72 Prozent der Berufstätigen, die in diesem Sommer einen Urlaub planen, kommt das laut Umfrage des Digitalverbands Bitkom ganz klar in Frage. Sie möchten währenddessen für dienstliche Belange erreichbar sein und trotzdem abschalten. Schließlich haben sich die Möglichkeiten, den Kontakt zu halten, vervielfacht und auch vereinfacht. Ob per SMS oder Messenger (70 %), telefonisch (60 %), per Mail (31 %) – sogar für ein Videotelefonat mit den Vorgesetzten, KollegInnen oder der Kundschaft stehen ein Fünftel der Befragten bereit (21 Prozent). Eine Chatnachricht schnell am Flughafen verschickt, eine SMS mal eben an der Hotelbar versandt oder warum nicht auch ein Video-Call am Strand? Immerhin jeder Siebte möchte zur Dienstkommunikation während des Urlaubs auch auf eine Kollaborations-Plattform zugreifen. Hauptsache die Netzverbindung steht und das mobile Endgerät ist geladen – allzeit bereit.

Bitkom
© Bitkom

Laut Umfrageergebnis von Bitkom Research, im Auftrag des Digitalverbands Bitkom, sind zahlreiche Beschäftigte im Sommerurlaub dienstlich erreichbar. 70 Prozent der telefonisch befragten 554 Berufstätigen gaben an, per SMS oder Messenger erreichber zu sein. Jeder Siebente nutzt zur Dienstkommunikation ein Kollaborationstool.

Was aber eigentlich der Entspannung bieten soll, birgt auch Tücken. So glauben mehr als die Hälfte derjenigen, die im Sommerurlaub dienstlich erreichbar sein wollen, dass dies von ihren Vorgesetzten erwartet wird (60 %). Viele wollen damit etwa den Erwartungen von KollegInnen (55 %) entsprechen. Sie denken aber ebenso daran, die Wünsche von KundInnen zu erfüllen (38 %), oder möchten für Geschäftspartner (21 %) und Mitarbeiter (16 %) ansprechbar sein. Das ist nicht zuletzt ein Ergebnis eines Alltags, der monatelang von weichen Übergängen zwischen Remote Work und Homeoffice zu Privatleben und Homeschooling geprägt ist. „Für viele Menschen ist mobiles Arbeiten während der Corona-Pandemie Alltag geworden, Berufs- und Privatleben sind damit stärker verschmolzen als je zuvor“, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. Umso wichtiger sei es, gerade jetzt im lang ersehnten Sommerurlaub wirklich abzuschalten und neue Energie für den Herbst zu tanken.

Dennoch sind zahlreiche Beschäftigten (73 %) der Ansicht im Urlaub gezielt abschalten zu können, auch wenn sie dienstlich erreichbar sind. Hierzu möchten sich 65 Prozent feste Zeiten setzen, in denen sie beruflich verfügbar sind. Mehr als die Hälfte (54 %) ist nur um Notfall, etwa über eine spezielle Telefonnummer oder E-Mail-Adresse kontaktierbar. Nicht wenige bekunden dabei, sie hätten Angst, etwas zu verpassen, wenn sie im Urlaub nicht ständig erreichbar sind. Hier klingeln die Alarmglocken. Vorgesetzte seien daher gefordert, so Rohleder, klare Aussagen zu treffen. Mehr denn je müssten sie das Wohl ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Blick haben. „Wichtig ist, dass innerhalb der Unternehmen funktionierende Vertretungslösungen etabliert werden. Eine Störung im Urlaub sollte, wenn überhaupt, dann nur im absoluten Notfall erfolgen“, betont Rohleder.

Am besten also die Dienstverbindung pausieren lassen und den achten Paragrafen des Bundesurlaubsgesetztes (BUrlG) noch einmal verinnerlichen. Sprich: Urlaub dient der Erholung. Urlaub ist Urlaub.

Auf Facebook teilen Auf Twitter teilen Auf Linkedin teilen Via Mail teilen

Verwandte Artikel

BITKOM e. V.