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Abschied von UMTS

3G-Netze werden abgeschaltet

21. Mai 2021, 09:41 Uhr   |  Lars Bube | Kommentar(e)


Fortsetzung des Artikels von Teil 1 .

Vernetzte Maschinen gehen offline

Im Gegensatz zu den recht geringen und schnell zu behebenden Auswirkungen auf Privatkunden, trifft die 3G-Abschaltung Unternehmen die sie verschlafen haben, deutlich härter. Gerade in vernetzten Maschinen und Systemen kann der möglicherweise notwendige Austausch der Mobilfunkeinheiten schnell deutlich aufwendiger und teurer werden. Immerhin muss zunächst sichergestellt werden, dass die dafür benötigten Komponenten überhaupt verfügbar sind und der Austausch muss gut geplant sein, um größere Produktionsausfälle zu vermeiden. Gibt es keine direkt passenden Aufrüstoptionen, müssen gegebenenfalls Alternativen erarbeitet werden, die den reibungslosen Weiterbetrieb zumindest vorläufig absichern. Systemhäuser und ITK-Reseller die entsprechende Kunden in ihren Datenbanken haben, sollte diese daher unbedingt nochmals abfragen und gegebenenfalls auf die Umstellung und ihre möglichen Konsequenzen hinweisen.

Um bessere Daten zu bekommen, wie viele 3G-Nutzer es tatsächlich noch gibt und welche Probleme dadurch verursacht werden, hat Vodafone die UMTS-Abschaltung in Chemnitz, Mainz und Wiesbaden bereits auf Anfang Mai vorgezogen. Wie das Unternehmen mitteilt, waren die dadurch verursachten Beschwerden und Probleme geringer als erwartet. In der Mehrzahl habe es sich um veraltete Smartphones ohne LTE-Unterstützung gehandelt. Vodafone geht deshalb davon aus, dass es auch bei der bundesweiten Abschaltung kaum ernsthafte Schwierigkeiten geben wird.

Als der 3G-Standard 2000 aus der Taufe gehoben wurde, feierten ihn die Hersteller und Mobilfunkanbieter als Beginn des mobilen Internetzeitalters. Wie groß die Erwartungen waren, zeigt sich auch daran, dass in Deutschland mit der Frequenzauktion satte 98,8 Milliarden DM erzielt wurden. Der damalige Finanzminister Hans Eichel deutete die Abkürzung daraufhin freudig in »Unerwartete Mehreinnahmen zur Tilgung von Staatsschulden um«. Zum Vergleich: 2019 gab es für seinen Nachfolger Andreas Scheuer nur noch 6,6 Milliarden Euro für die 5G-Frequenzen. Die hohen Kosten für die Frequenzen, Funkmasten und Antennen, die sich auch in den entsprechenden Datentarifen niederschlugen, waren damals einer der Gründe dafür, dass UMTS nach dem kommerziellen Start 2004 zunächst nur schleppend vom Fleck kam.

Ein anderer waren fehlende Geräte und Nutzbarkeit. Selbst Apple setzte 2007 bei seinem ersten iPhone noch auf den Vorgänger 2G (EDGE) und brachte erst ein Jahr später in der zweiten Generation den schnelleren Mobilfunkstandard. Dennoch verhalf der darauf folgende Durchbruch der Smartphones dann endlich auch 3G zum Erfolg. Um die wachsende Zahl mobiler Apps und Dienste flüssig nutzbar zu machen, wurde der mit 3G maximal mögliche Datendurchsatz von ursprünglich 384 kbit/s durch weitere Ausbaustufen zunächst auf 7,2 Mbit/s (HSPA) und schließlich auf 42 Mbit/s (HSPA+) wesentlich beschleunigt. Letztlich war der Erfolg von 3G aber so groß, dass er sogar noch 4G mitzog. Da die Netze so überlastet waren, mussten die Betreiber ab 2012 ihre teuren LTE-Tarife recht schnell eindampfen und für die breite Masse öffnen. Die Geschwindigkeit konnte auch hier im Laufe der Jahre von anfangs 300 Mbit/s auf 1 Gbit/s ausgebaut werden. Der neue Standard 5G liefert schon vom Start weg die 20-fache Geschwindigkeit.

Zuerst erschienen auf ict-channel.com.

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