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funkschau Kommentar: Wer sät, wird ernten

Gut Ding will Weile haben. Ob diese Redewendung sich auch auf die Auktion der deutschen 5G-Mobilfunkfrequenzen anwenden lässt, muss die Zeit erst noch zeigen.

Repeat Taste Bildquelle: © tvectoricons_123rf

Außer Frage steht, dass die Versteigerung mit 497 Runden und  knapp zwölf Wochen Laufzeit die bisher längste war, die in Deutschland stattgefunden hat. Der große Gewinner des Auktionsmarathons: Der Bund, der mehr einnahm als gedacht. Insgesamt 6,55 Milliarden Euro  bezahlten die vier Provider – Deutsche Telekom, Vodafone, Telefónica und 1&1 Drillisch – für die 5G-Frequenzblöcke. Fachleute hatten mit drei bis fünf Milliarden Euro gerechnet. Finanziell unerreicht bleibt allerdings die erste große Mobilfunkauktion aus dem Jahr 2000 für UMTS-Frequenzen (3G) mit einem Erlös von umgerechnet 50,8 Milliarden Euro. Im Nachhinein muss man sagen, war es ein massiv zu teuer erkaufter Sieg, da die teils hoch verschuldeten Firmen anschließend nicht mehr genug Geld für einen umfassenden Netzausbau hatten. Funklöcher von damals bestehen mancherorts noch heute.

Wiederholungstat?
Doch zurück zur Gegenwart: Die aktuellen Entwicklungen lassen vor diesem Hintergrund den Verdacht aufkommen, dass sich die Geschichte wiederholt. Denn auch wenn alle Mitbieter im Großen und Ganzen zufrieden sind mit den Frequenzpaketen, die sie ersteigern konnten, bleibt ein fader Beigeschmack. Das Geld, das in die Auktion geflossen ist, fehlt nun schon wieder für den Netzausbau. Vodafone-Deutschland-Chef Hannes Ametsreiter schätzt, dass die Mobilfunkanbieter mit dem Geld, das nun an den Bund geht, mehr als 50.000 komplett neue Mobilfunkstationen hätten bauen können. Er sowie auch Grünen-Bundestagsabgeordnete Oliver Krischer schlagen deshalb ein „Reinvestitionsprogramm“ vor, in dem die Lizenzerlöse direkt in den Mobilfunk-Ausbau – und nicht den bisher vorgesehenen Festnetz-Breitbandausbau – zurückfließen sollen.

Dass Politiker und Netzbetreiber die hohen Auktionserlöse kritisieren, hält Torsten Gerpott, Professor für Unternehmens- und Technologieplanung der Universität Duisburg-Essen, hingegen für eine Scheindebatte. „Schaut man sich den Preis pro Megahertz im Vergleich zu früheren Auktionen an, kann man sehen, dass die Auktion nicht besonders teuer war.“ Er bezweifelt zudem, dass eine andere und günstigere Vergabemethode der 5G-Frequenzen an die Netzbetreiber automatisch dazu geführt hätte, dass die Unternehmen mehr in den Infrastrukturausbau investiert hätten. Auch die Kritik, die Auktion habe zu lange gedauert, will der Professor nicht gelten lassen: „Die zwölf Wochen Auktion verblassen im Vergleich mit dem 5G-Ausbau, der noch Jahre dauern wird.“ Eine Besonderheit der 5G-Frequenzauktion war die Teilnahme von Drillisch. Der Neueinsteiger kann in Zukunft ein eigenes Mobilfunknetz betreiben; bisher mietete das Unternehmen die Antennen von Telefónica. Als Neueinsteiger unterliegt Drillisch Ausnahmeregelungen und muss daher weniger in der Fläche ausbauen als seine Konkurrenten. Experten zufolge würde der neue Anbieter 1&1 auf absehbare Zeit sicherstellen, dass kein Mobilfunkanbieter in Deutschland zu dominant werde. Und durch dessen Einstieg dürfte sich der Wettbewerb am deutschen Mobilfunkmarkt erhöhen, was wiederum positive Folgen für den Verbraucher haben könnte. Vorausgesetzt, die Anbieter gehen im Konkurrenzkampf mit den Preisen runter. Ob es wirklich so kommen wird, bleibt abzuwarten. Aufgrund der hohen Lizenzkosten könnte man aber auch Gegenteiliges – also erhöhte Preise – erwarten. Martin Carney, Sales Director Communications, Media, Utilities and Transport bei Pegasystems, sieht hier beispielsweise vielmehr Konsequenzen auf der Customer-Support-Seite: Die Notwendigkeit für besseren Service, besseres Kundenerlebnis und bessere digitale Ansprache der Kunden würde steigen.

Was erste Angebote angeht, wird zumindest nicht lange gefackelt. Die Deutsche Telekom prescht bereits vor und bietet – Stand Anfang Juli – erste 5G-Tarife an, auch wenn Deutschland von einer flächendeckenden Versorgung mit dem neuen Mobilfunkstandard noch weit entfernt ist und 5G-taugliche Endgeräte (noch) rar gesät und teuer sind. Dementsprechend richtet sich das Angebot der Telekom auch nicht an jedermann: Man wolle vor allem sogenannte Early Adopter bedienen, die bei neuer Technik immer als erste dabei sein wollen und dafür auch bereit sind, etwas tiefer ins Portemonnaie zu greifen.

Die Crux – abgesehen von den Preisen – ist die bisher nur sehr punktuelle Versorgung mit 5G-Netzen hierzulande. Bis zum Jahresende sollen laut Telekom rund 300 5G-Antennen an mehr als 100 Standorten „gebaut und in Betrieb genommen werden“. Zum Start werden diese Antennen in erster Linie in Berlin und Bonn, danach in Darmstadt, Hamburg, Leipzig und München anzutreffen sein. Im Anschluss sollen binnen der kommenden 18 Monate die 20 größten Städte Deutschlands mit 5G-Masten versorgt werden. Es bleibt abzuwarten, ob und inwiefern die gesteckten Ziele erreicht werden können. Bedenken gibt es dabei weniger aus technischer Sicht, denn in den meisten Fällen muss nur neue Technik an schon bestehenden Mobilfunkmasten angedockt werden, sondern vielmehr aus Umwelt- und Verbraucherschutzsicht. Mit Blick auf etwaige Gesundheitsrisiken durch Mobilfunkstrahlung wird bereits über den anstehenden 5G-Mobilfunkausbau debattiert – schon wieder, möchte man meinen, und fühlt sich ein wenig ins Jahr 2000 zurückversetzt. Die Geschichte im Repeat-Modus?