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Augmented Reality: Direkt im Blick des Technikers

Fortsetzung des Artikels von Teil 1.

AR-Lösungen in der Praxis

BMW Augmented Reality based Training Bildquelle: © BMW

Seit rund eineinhalb Jahren setzt BMW beim Training zur Motoren-Montage auf AR-Brillen. Visualisierungen leiten durch alle Arbeitsschritte und geben gezielte Hinweise.

Für die Remote-Assistenz per Datenbrille verbindet sich der Service-Techniker vor Ort per WLAN oder via Bluetooth über ein Smartphone mit einem oder mehreren Support-Mitarbeitern des Herstellers zur Videokonferenz. Das Kamerabild der Brille wird als Live-Video in HD-Qualität übertragen. Die zugeschalteten Experten sehen das Sichtfeld des Mitarbeiters auf ihrem Monitor und geben per Audioverbindung und AR-Einblendungen konkrete Hilfestellungen. Sie erklären technische Zusammenhänge und treffen bei Bedarf sofort Entscheidungen über das weitere Vorgehen. Ehemals umständliche und langwierige Abläufe werden so deutlich schlanker, schneller und lassen sich auch automatisch dokumentieren.

Die AR-Einblendungen im Sichtfeld des Technikers überlagern das Bild der realen Umgebung an der gewünschten Stelle und ergänzen es informativ mithilfe von Grafiken, frei eingebbaren Texten oder Textbausteinen. So lassen sich etwa bestimmte Bauteile beschriften oder optisch hervorheben und Arbeitsanweisungen Schritt für Schritt vermitteln, zum Beispiel welche Schrauben in welcher Reihenfolge zu lösen sind oder mit wieviel Newtonmeter sie anzuziehen sind. Für einen höheren Detailgrad vergrößert der Remote-Experte das Kamerabild der Datenbrille oder fertigt Screenshots zur Dokumentation an. Darüber hinaus lassen sich auch Gefahrenhinweise oder Warnungen einblenden, beispielsweise vor hohen elektrischen Spannungen.

Keine Beeinträchtigung durch Smartphone oder Tablet
Mit der robusten Datenbrille für die Werkstatt als Kommunikationstool hat der Techniker auch während einer Konferenz beide Hände für die Arbeit am Fahrzeug frei. Der Wissenstransfer erfolgt komplett digital über die Datenbrille, es gibt keine Beeinträchtigungen mehr durch die Bedienung von Smartphones, Tablets oder das Blättern in gedruckten Handbüchern. Inner- und außerhalb der Remote-Sitzungen hat der Techniker über die Datenbrille Zugriff auf technische Dokumente und konkrete Arbeitsanweisungen einschließlich SOPs. Die Experten müssen nur in schwierigen Fällen und aufgrund des zunehmenden Know-how-Aufbaus seitens der Techniker in abnehmender Frequenz zugeschaltet werden. Bei schwierigen Problemstellungen können allerdings auch mehrere Experten gleichzeitig am Video Call teilnehmen, um gemeinsam eine Lösung zu finden. Auf diese Weise kann sich auch ein Trainer gleichzeitig mit mehreren Schülern per Datenbrille verbinden und diese zu neuen Service-Themen unterrichten.

Rascher Payback zu erwarten
Konkrete ROI-Berechnungen auf der Erfahrungsgrundlage realer Industrieprojekte für die Teilbereiche Instandhaltung und Remote-Assistenz zeigen, dass sich entsprechende Investitionen oft innerhalb von weniger als zwölf Monaten rechnen. Auch weitere Einsparpotenziale können auf das Kosten-Nutzen-Verhältnis einzahlen. Nebenstehend in der grafischen Übersicht eine Zusammenfassung der wirtschaftlich relevanten Vorteile nach Interessengruppen. 

Keine Zukunftsmusik, sondern bereits Realität
Remote-Support- und Augmented-Reality-gestützte Assistenzsysteme legen für alle Beteiligten große Nutzenpotenziale frei: für den Kunden, die Servicestellen, deren Mitarbeiter und den Autohersteller selbst. Dieser spart nicht nur im großen Maßstab Reise- und Schulungskosten, sondern steigert letztlich die Zufriedenheit seiner Kunden und Partner, weil der Service nicht nur schneller, sondern insgesamt effizienter und hochwertiger wird. Wie zahlreiche industrielle Anwender belegen, ist die Technik ausgereift und wurde von einigen Großunternehmen sogar schon weltweit ausgerollt. 

Frank Lampe, SVP Marketing bei Ubimax